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Conor Oberst (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Conor Oberst
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach sechs Platten mit der Ein-Mann-Band Bright Eyes legt Conor Oberst nun sein selbstbetiteltes Soloalbum vor. Warum der scheue Musiker das Stigma «Wunderkind» damit endgültig hinter sich lässt, erklärt Julia Wilczok .

Er wird es einfach nicht los, dieses Stigma des ewigen Wunderkindes. Dabei ist Conor Oberst längst kein Kind mehr, der in Nebraska geborene Singer/Songwriter ist 28 Jahre alt. Doch weil die Menschen nun mal urbane Mythen lieben, wird seine wundersame Vita mit jedem neuen Album wieder ans Licht gezerrt: Der Legende nach hat Oberst seinen ersten Song mit 13 auf dem Kassettenrekorder aufgenommen. Nach diversen Musikprojekten gründete er dann 1997 die One-Man-Band Bright Eyes. Es folgten sechs Alben, darunter auch die kommerziell erfolgreichen Platten «Digital Ash In A Digital Urn», «I'm Wide Awake It's Morning» und zuletzt «Cassadaga».

Für einige Zeit drohte dieser aufstrebende Stern der Indie-Szene in der Versenkung zu verschwinden: Der medienscheue und als Sensibelchen verschriene Song-Poet verfiel mehr und mehr der Alkoholsucht und pöbelte während diverser Konzerte im Vollsuff das Publikum an. Glücklicherweise ist dieses dunkle Kapitel seines Lebens inzwischen beendet. Der Dämon Alkohol ist besiegt, die wachen Bernsteinaugen funkeln wieder. Und nicht nur privat scheint wieder alles harmonisch zu laufen, sondern ebenfalls auf dem gerade erschienenen Soloalbum, das er programmatisch selbstbetitelt hat.
Wie die Stränge einer DNS-Kette
Conor Oberst auf den Spuren des wahren Conor Oberst also. Zu den Aufnahmen zog er sich zusammen mit der Mystic Valley Band (u.a. Bright-Eyes-Trompeter Nate Walcott und Jason Boesel von Rilo Kiley) in ein Landschlösschen im mexikanischen Tepoztlán zurück. In diesem Mikrokosmos entstand ein Album, das gleichermaßen mystisch und beschwingt ist und vor allem vom Abwechslungsreichtum lebt. Folk und Country, Rock und Soul konkurrieren miteinander, Vocals und Instrumentierung rotieren umeinander wie die Stränge einer DNS-Kette. Mal gwinnt Oberst' zittrige Stimme die Oberhand, mal dominieren akustische, elektronische Gitarren oder das Piano. Die Songs «Danny Callahan» und «Souled Out!!!» überzeugen mit Ohrwurmcharakter, «I Don't Want to Die (In The Hospital)» kommt rock'n'rollig daher und «Milk Thistle» bringt Herzen zum schmelzen.

Mit den 12 neuen Songs kratzt Oberst nicht nur an der Oberfläche, er geht direkt unter die Haut. Ob man ihn nun unbedingt mit Kurt Cobain vergleichen muss, ist Geschmacksache. Nicht abstreiten lassen sich hingegen die Seventies-Referenzen. In «Get-Well-Cards» klingt Oberst tatsächlich wie der junge Bob Dylan. Ob er sich vielleicht deshalb in Hippie-Manier im Südwesten verkrochen hat?

Als rastloser Tramp gibt er sich auch textlich, so ertönt beispielsweise im Song «Moab» das wiederkehrende Mantra «There is nothing that the road can not heal». Komisch, denn «on the road» kann man sich den introvertierten Oberst überhaupt nicht vorstellen. Vielleicht verhält es sich bei ihm wie bei vielen berühmten Poeten - die großen Abenteuer passieren nur in ihren Köpfen, auf große Entdeckungstour gehen andere. Vom Wunderkind-Image hat Oberst sich jedenfalls erfolgreich freigestrampelt und spätestens mit diesem Soloalbum wird klar, dass er bereit ist in die Liga der ganz Großen aufzusteigen.

Conor Oberst: Self titled (V2 + Coop/Universal)

Conor Oberst and The Mystic Valley Band:



Auf Tour in Deutschland:

07.09. München - Backstage Werk

11.09. Köln - Gloria

14.09. Mannheim - Alte Feuerwache

15.09 Berlin - Columbia Club