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Zu müde, um sexy zu sein

28. Jul 2008 09:13
Nicht mehr ganz bei der Sache? CSS
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Diesmal machen die Indie-Popper und schrägen brasilianischen Modesaboteure von CSS ihrem Bandnamen wirklich alle Ehre, meint Sascha Woltersdorf.

Der Bandname stammt angeblich von Beyoncé Knowles. Die stets bestens gestylte R’n’B-Dame soll irgendwann einmal geklagt haben, sie sei furchtbar müde vom ewigen sexy Sein. Diesen Stoßseufzer fand ein halbes Dutzend - so erzählt es die Bandlegende - «Freunde» aus den Kulturkellern von São Paulo wohl sehr lustig. Ihre 2003 gegründete Band hieß jedenfalls fortan Cansei De Ser Sexy oder CSS.

Wobei die Vorstellung der damals sechs und heute fünf Brasilianer vom sexy sein nicht den Maßstäben entspricht, die müde Frauen wie Beyoncé auf die Titelseiten der Magazine bringt. Da geht es eher um das spielerische Ramponieren von Stilvorschriften. Die dicksten Keulen dabei sind die Modesünden der 80er Jahre und ein kräftiger Körpereinsatz von Sängerin Lovefoxxx. Man beachte die drei X, den Platzhalter für Pornografisches. Die 24-jährige Lovefoxxx schlüpft zum Beispiel gern in sehr bunte und sehr enge Catsuits, von denen sie manchmal mehrere in Zwiebelmanier übereinander trägt und dann einen nach dem anderen auszieht. Das ist Kreativität, das ist persönlicher Style. Und das ist anstrengend.

Live ist live

«Donkey», das zweite Album der knalligen Brasilianer, hat vielleicht deshalb viel weniger Esprit als das Debüt. Das war nämlich sensationell und außerdem massenkompatibel bei scheinbar unvereinbaren Schnittmengen: Auf Festivals wie «Mayday» und «Rock am Ring» zum Beispiel finden die Modesaboteure gleichermaßen ihr Publikum. Von Rocker zu Raver sozusagen. So etwas passiert wirklich nicht oft. Die Bands und Musiker, mit denen das schräge Quintett in den vergangenen Jahren als Support aufgetreten ist, kann man da nur als kleine Wegmarken im stilistischen Dschungel der Brasilianer betrachten: Gwen Stefani, Primal Scream, Klaxons, Ladytron.

Aber live ist live und den elf neuen CSS-Stücken fehlt fast alles, was das Debütalbum so - jawohl - sexy gemacht hat. Lässigkeit ist schön. Schließlich ist man immer dann am besten, wenn es eigentlich egal ist, wie ein gewisser Bela B. Felsenheimer mal in einem lichten Moment gesagt hat. Leider klingt «Donkey» so, als wäre der Band alles nicht nur eigentlich, sondern total egal.

«Sing diesen Song so laut es geht», tönt die gute Lovefoxxx zum Beispiel in «Air Partner». Und hält sich selbst nicht daran. Das Stück, das den Charme späterer Blondie-Aufnahmen ganz gut einfängt, wirkt dadurch ungefähr so spannend wie ein David Hasselhoff, der Telefonnummern rezitiert.

Ausrutscher und Anleihen bei den Pixies

Müder Esel: Zweites Album 'Donkey'
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«Air Partner», auf dem Album auf die letzte Position gesetzt, ist leider kein Ausrutscher. Ähnliches lässt sich von «Left Behind» sagen, in dem Lovefoxxx bis zum Umfallen trinkt, vorher aber noch auf die Theke springen will, um «den Arsch abzutanzen bis ich sterbe». Komisch nur, wie nüchtern das klingt. «Rat Is Dead (Rage)» versöhnt wenigstens mit ein paar Anleihen bei den Pixies. «Move» springt lustig zwischen Indie Rock und Synthie Pop der 80er hin und her. So etwas könnte auch von Madonna kommen. Und die Wackler bei den Gesangstönen ebenfalls.

Insgesamt ist nichts mehr so lässig und wunderbar schluderig wie beim vorherigen Album. Höchstens nachlässig, manchmal sogar fahrlässig, trotz der klanglich hervorragenden Abmischung, durch Mark «Spike» Stent, der schon für Madonna, Björk, Massive Attack, U2 und M.I.A. am Mischpult saß. Kurz: Die Band macht den Eindruck, als wäre sie nicht ganz bei der Sache gewesen. Man könnte auch sagen, «Donkey» klingt müde.

CSS: «Donkey» (Sub Pop/Cargo Records)

CSS - «Rat Is Dead (Rage)»


 
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