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Wenn der Teufel chillt

30. Jun 2008 09:18
Hellsongs
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Hellsongs, ein Akustiktrio aus Schweden, verwandelt Hardrock- und Metal-Klassiker in loungige Folkballaden. Das funktioniert höllisch gut, findet Sascha Woltersdorf.

Die Schweden können Rockmusik, das weiß man. Manch eine Band aus Nässjö, Fagersta oder Borlänge klingt wie direkt verdrahtet mit den weltgrößten Rock'n'Roll Citys. Unsere Nachbarn hinter Kattegat und Skagerrak sind gut im Kopieren. Sie sind sozusagen die Chinesen des Rock'n'Roll. Hellsounds aus Göteborg setzt dem Ganzen nun die schwedische Krone auf.

Ihr Debütalbum «Hymns in the Key of 666» kleidet zehn Hardrock- und Metal-Klassiker in ein vollkommen anderes Gewand: Statt Donner-Drums, Gitarrengetürme und Stimmen in Exorzismus-Tonlage gibt es nun «Lounge Metal». Ein hübsches neues Genre hat sich das Trio da ausgedacht. Stücke wie «Blackened» von Metallica, «Run To The Hills» von Iron Maiden oder «Paranoid» von Black Sabbath werden von Akustikgitarre, Piano, Streichern, Tambourine und Triangel getragen. Außerdem ist Frontfrau Harriet Ohlssons Stimme äußerst bezaubernd. Hellsongs kommen bei ihren Covers also ohne Hellsounds aus.

Magischerweise funktioniert dieser komplette musikalische Blutaustausch sogar. «Symphony Of Destruction», im Original von Megadeth, tanzt Dank eines mitreißenden Ratime- und Honky-Tonk-Pianos umher wie ein Dutzend aufgedrehter Hippies um ein Lagerfeuer. Da kann man nur den Hut ziehen und sich noch mehr sympathy for the devil wünschen. Die übrigen ehemaligen Metal-Knaller sind tendenziell langsamer: Die beiden Iron Maiden-Cover – neben «Run To The Hills» wird noch «The Trooper» entschleunigt – bekommen ein zweites Leben als melancholische Folk-Ballade. Und die alte Fledermaus Ozzy Osbourne, der mit der Sabbath-Hymne «Paranoid» gewürdigt wird, mutiert zu einem zarten und von Selbstzweifeln geplagter Nachtfalter.

Ozzy zu Hause ohne Spandex-Hosen

'Hymns in the Key of 666'
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Na klar, könnte man jetzt denken, im Schwermetall lag eben immer schon viel Schwermut. Das wirklich Überraschende beim Hören von Hellsongs sind aber die Texte. Die muten stellenweise sogar elegant und vielschichtig an. Wer hätte das gedacht? Man muss den Eisenfäusten nur das Posen austreiben und schon wird es richtig nett. Schließlich sind die scheinbar harten Jungs im Stillen oft zartbesaitet und Ozzy hat zu Hause auch nicht die Spandex-Hosen an.

Ihre verträumt folkigen Covers verstehen Hellsongs, die es schon seit 2004 gibt, übrigens als Tribut und Huldigung an die so oft als stumpf verschriene Musik. Und ihr erstes Air Play bekam die Band ausgerechnet von dem schwedischen Heavy Metal-Radiosender «Rundgång». «Wir haben halt ein Herz aus Metal», sagt Hellsongs Akustikgitarrenrocker Kalle Karlsson dazu.

Hellsongs: «Hymns in the key of 666» (Bodogmusic/Soulfood Music)

Hellsongs - "Symphony of Destruction"


 
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