10.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Blond und talentiert: Sophie Milman
Foto: Linus Promo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Klar, gutes Aussehen kann bei der Karriere behilflich sein. Bei Sophie Milman stimmt zum Glück nicht nur das Äußere - die Frau hat auch Talent. Jüngst gab es den Juno Award für ihr zweites Album. Jens Teschke hat mal reingehört. Mit Video
Okay, sie ist schon sehr attraktiv diese Sophie Milman. Als sie vor gut einem Jahr in Berlin in einer kleinen Jazzkneipe auftrat, war ihr Aussehen durchaus mit ein Grund der Einladung zum Clubkonzert zu folgen. Aber bei Milman ergänzen sich Schönheit und Talent. Die 24-Jährige präsentiert jetzt ihr zweites, gerade als «Vocal Jazz Album of the Year» mit einem Juno-Award ausgezeichnetes Album «Make Someone Happy». Musikalisch ist ihr Stil klar: Jazzgesang in der Tradition Ella Fitzgeralds und Sarah Vaughns.
Milman ist dabei, anders als ihre Landsfrau Diana Krall, jazziger, weniger weich gespült, improvisierter. Es gibt auf «Make Someone Happy» viele Arrangements, die überraschen, die Milmans rauhes Timbre bestens unterstützen. Ihr Produzent Bill King verglich ihre Stimme einmal mit der von Marlene Dietrich und er hat Recht damit. Milman verschlürft die Texte, ist nicht ganz so dunkel-stimmig wie Diana Krall und klingt immer ein bisschen nach etwas, was im Englischen bei gewissen Blicken als «come-hither stare» (etwa: «Wie wärs mit uns?-Blick») bezeichnet wird.
Meisterliches «Fever»-ArrangementDer Titeltrack beginnt mit einem schönen, verschlafenen Saxophon-Intro um Milman dann als langsamer Rumba die Möglichkeit zu geben, eine sehr verführerische Perspektive zu artikulieren. Ja, sie macht uns durchaus «happy». Auch «(It's Not Easy) Bein' Green» kommt sehr balladesk rüber. Nichts zu hören von der «Kermit, der Frosch»-Vergangenheit des Songs.
Arrangiert hat die Songs auf dieser zweiten Milman-CD ihr Saxophonist Cameron Wallis. Sein Meisterwerk hat er dabei mit «Fever» abgeliefert. Dieser Klavierlauf, der als Thema immer wiederkehrt, macht diesen Standard doch noch einmal sehr sexy. Milmans «Fever» ist weniger Verführung wie einst bei Peggy March, sondern mehr ein sehr heißer Flirt.
Von Russland nach Israel nach Kanada«Make Someone Happy» ist abwechslungsreich, aber kein Nebenbei-Album. Wie schon beim Debüt zollt Milman auch ihrer persönlichen Vergangenheit Tribut. Geboren in Russland, aufgewachsen in Israel und mittlerweile in Kanada lebend hat Milman durchaus schon einige Lebenserfahrungen sammeln können.
Wenn sie zum Schluss dann das hebräische «Eli Eli (A Walk to Caesarea)» singt, dann ist das kein Jazz, aber einfach ein sehr bewegender Moment. Ähnlich war es schon mit dem russichen «Ochi Chernye» auf ihrer ersten CD und bei ihrem Auftritt in Berlin. Damals schon konnte man ahnen, dass Milman wirklich eine tiefe musikalische Seele hat, ganz zum Schluss ihres Nachfolgeralbums weiß man es nun ganz sicher.
Sophie Milman: «Make Someone Happy» erscheint am 11.4. bei Linus (ZYX)
Kurze Youtube-Doku über Sophie Milman: