Musik als Therapie: 

netzeitung.deSehnsucht und Melancholie = Melody

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Sängerin Melody Gardot liebt den Blues (Foto: Promo<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sängerin Melody Gardot liebt den Blues
Foto: Promo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die User der Musik-Site «Mog.com» sind sich einig: Melody Gardot ist eine fantastische Neuentdeckung. Jens Teschke findet das Album einfach angenehm ruhig.

Der PR-Mann hatte handschriftlich vermerkt «Das Album wird Dir wirklich gefallen». Da ist man als Journalist gleich sehr misstrauisch, lehnt das so empfohlene Album erst einmal aus Prinzip ab. Aber der PR-Mann kennt den Journalisten doch schon ziemlich gut. Ja, «Worrisome Heart» von Melody Gardot hat mir gefallen.

Nein, mehr: „Worrisome Heart“ ist in der Reihe von vielen Alben mit neuen Stimmen ein akustischer Lichtblick. Vom ersten Track an wird Neugier geweckt. Von einer Künstlerin mit dem Vornamen Melody erwartet man dann auch schon gleich melodiöses. Die Stimme Gardots ist rauh und melodisch, zieht uns in den Titelsong rein. Da schwingt Einsamkeit, Blues und Sehnsucht mit. Endlich ist da eine Stimme, die nicht zu glatt klingt, nicht zu gewollt nach irgendeinem Ausdruck sucht, sondern einfach da ist – authentisch.
Tragischer Unfall
Dass Gardot nicht richtig alt ist, hört man schon, aber dass sie erst 22 Jahre ist, überrascht. Dafür schwingt nämlich doch sehr viel Reife sowohl in Stimme als auch in ihren Texten mit. Erschreckend dann der Grund für diese Reife. Als Gardot 19 Jahre alt war, wurde sie auf ihrem Rad von einem Auto erfasst. Mehrfacher Beckenbruch sowie Wirbelsäulen-, Nerven- und Kopfverletzungen waren die Folge. Noch heute ist Gardot beim Gehen auf einen Stock angewiesen und muss wegen einer nervlich bedingten Lichtempfindlichkeit eine Brille mit getönten Gläsern tragen.

Als Teil des Gesundungsprogramms entstand dann ein erstes Album, dass die Kritiker in den USA wohl auch aufgrund dieses Hintergrunds faszinierte. Relativ autodidaktisch hat sich Melody Gardot nun weiter entwickelt. Bis wir in den Genuss von „Worrisome Heart“ kommen konnten, mussten aber immerhin zwei Jahre vergehen. Das Album erschien nämlich bereits 2006 in den USA. Schön, dass Gardot es auch hier zu hören gibt. Ihre Songs liegen musikalisch zwischen Blues, Jazz und vielleicht auch ein wenig Pop oder sogar Country.

Unvergleichlich
Natürlich setzt die Musikindustrie gerne auf Vergleiche und bemüht mal wieder Norah Jones, Diana Krall und Madeleine Peyroux. So richtig passt aber keiner der Vergleiche. Gardot ist rauchiger als Jones, positiv ungestylter als Krall und auch anders als Peyroux.

Wie aufmerksam die Musikszene auf die junge Sängerin nach ihrem Debüt wurde zeigt ein Blick auf die Mitwirkenden bei ihrem zweiten Album. Begleitet wurde sie bei der Einspielung der zehn durchweg selbst verfaßten Songs von «Worrisome Heart» unter anderen von Gitarrist Jef Lee Johnson, der schon mit Billy Joel, Aretha Franklin und David Sandborn zusammen im Studio arbeitete und dem Keyboarder Joel Bryant (Aretha Franklin, Harry Connick Jr.). Auch Herbie Hancock wurde schon auf sie aufmerksam und lud sie kürzlich ein, mit ihm Joni Mitchells Klassiker «Edith And The Kingpin» für die «Live From Abbey Road»-Fernsehserie aufzunehmen.

Die Arrangements bringen die Intimität ihrer Stimme und Lyrics bestens zur Geltung und machen „Worrisome Heart“ zu einer CD, die es lohnt immer wieder zu hören. Da singt einfach eine tolle Frau, ruhig, unaufgeregt, selten laut, aber immer intensiv. Leider aber ist das Album wohl eher eine Herbst-CD als eine Frühlings-CD, denn die Songs sind insgesamt melancholisch, nachdenklich, mehr Abend- als Morningsongs. Vielleicht für ein paar zerbrochene Frühlingslieben schon mal vormerken.

Melody Gardot live bei der NBC-Today Show: