Afro-Beats und ehrliche Botschaften: 

netzeitung.dePatrice oder die Weisheit eines Teebeutels

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Afro-Beats und ehrliche Botschaften 

Lupe Patrice oder die Weisheit eines Teebeutels

Nach langer Pause meldet sich Patrice zurück. «Free-Patri-Ation» ist eine folkige HipHop-Odyssee und noch dazu sehr persönlich. Der Sänger verriet Ricarda Landgrebe , was die Songs mit ihm selbst zu tun haben.

Lange nichts mehr von ihm gehört, doch denkt man an Songs wie «Lions», ist sie sofort wieder präsent: diese eindringliche rauchig-sanfte und manchmal fast weinerliche Stimme, die beim Zuhören so oft eine wohlige Gänsehaut produziert. Mit seinem vierten Album im Gepäck ist Patrice nun zurück. Und auch die Platte hat etwas mit Rückkehr zu tun - mit der Heimkehr zu sich selbst.

Der Albumtitel «Free-Patri-Ation» soll an die Befreiung der Sklaven erinnern, die wieder zu Hause ankommen aber auch symbolisch dafür stehen, dass man zu sich selbst findet. Der erste Song «Clouds» ist ein schöner Gitarrenpopsong, der bereits im Radio läuft. «Der Song ist richtungweisend für das ganze Album», sagt Patrice, während seine großen braunen Augen ein wenig träumerisch in die Tasse blicken, in der er gerade seinen Yogi-Teebeutel hin und herschwenkt. «Es ist wie zu James Browns Zeiten ein sehr kurzes Stück, das sich sofort in den Gehörgängen festsetzt.»
Kreisen ums eigene Ich
In seinen Liedern spricht Patrice persönliche Themen an, ohne eine Meinung aufdrängen zu wollen. So geht es in «Is it me» darum, «wie es ist, wenn man in einer Beziehung steckt und sich irgendwann überlegt: Ist es eigentlich wirklich die Person, die ich liebe, oder vielmehr ein Wunschbild, das ich von dieser Person habe», erklärt der 28-Jährige. Der Song «Praise His Name» scheint sehr religiös. Patrice definiert seine Religiosität in Taten und der Art und Weise wie man lebt. Dieses Stück wurde von einem südafrikanischen Kinderchor unterstützt. Und auch die anderen Songs sprechen Themen an, die um das eigene Ich kreisen.

«Free-Patri-Ation» wirkt frischer und mehrdimensionaler als der Vorgänger «Nil» aus dem Jahr 2005. Der Musiker setzt jetzt auf afrikanische Beats und ist der festen Überzeugung, dass westafrikanische Elemente nach dem «Jamaica-Hype» zukunftsweisend sind. Patrice Bart Williams lässt sich ungern in eine Reggae-Schublade zwängen «Außerdem haben diese Einflüsse ja auch viel mehr mit mir zu tun. Ich habe schließlich afrikanische Wurzeln», erklärt der Musiker.

Viel «Herzblut und Arbeit»
«Die Produktion des Albums unterlag einem langen Prozess. Zu jedem Song gibt es auch eine Akustikversion. Vielleicht bringen wir eine Special Edition raus, so wie Michael Jackson. Es ist genauso schwer zu glauben, dass Jackson eine Akustik-CD raus gebracht hat, wie die Vorstellung, dass es sich bei ihm um einen Menschen handelt. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Jackson ein Mensch ist.» Patrice lacht laut, doch schon im nächsten Moment wirkt er wieder ganz ruhig und in sich gekehrt. Den Teebeutel zwischen Daumen und Zeigefinger gepresst, redet er weiter: «Ich habe so viel Herzblut und Arbeit in mein neues Album investiert.»

«Free-Patri-Ation» hat sehr viel mit mir selbst zu tun. Das verrät auch schon der Albumtitel: Patri klingt wie Patrice und bedeutet Vaterland. Es geht um Heimat in diesem Album,aber nicht nur die ortsbezogene Heimat sondern auch die Heimat in sich selbst.» Ein schöner Schluss-Satz, mit dem sich Patrice verabschiedet. Was bleibt, ist der Ohrwurm «Clouds» und eine leere Tasse, aus der ein Zettelchen mit der Yogi-Tee-Weisheit «Zähle nur die gesegneten Momente des Lebens» baumelt.

Das Album «Free-Patri-Ation» erscheint am 23.05.2008