16.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Pocher macht die Britney
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Oliver Pocher ist die bessere Britney, Mark Medlock findet Bohlen immer noch «geil» und Bushido hat mehr Humor als erwartet. Die 17. Echo-Verleihung war für einige Überraschungen gut, meint Julia Wilczok .
Was in den USA mit den Grammys oder den MTV Awards recht locker über die Bühne geht, gerät in Deutschland leider immer etwas steif. So ging sie dann auch los am Freitagabend, die 17. Echo Verleihung im Berliner Messezentrum.
«Ein weiterer musikalischer Höhepunkt dieser musikalische Woche», mit diesen Worten in Anspielung auf die im Rahmen der Berlinale gezeigten Musikfilme, eröffnete Musikverbands-Chef Dieter Gorny das wichtigste Event der Musikindustrie, die laut Gorny, weiterhin «sehr große Probleme» habe. Per Videoeinspielung richtete Madonna ein reichlich unmotiviertes Grußwort an die Zuschauer: «Ich wünschte, ich könnte dabei sein.» Aber was ist schon der «wichtigste deutsche Musikpreis», wenn man Madonna heißt?
Durch den Abend führten Oliver Geißen, der sich gleich zu Beginn verhaspelte, und Nazan Eckes. Die erste Laudatorin, Schauspielerin Muriel Baumeister, kündigte Geißen mit den Worten «das schönste Gesicht im Fernsehen» an. Na ja. Den Echo in der Kategorie «bester Künstler international» überreichte Baumeister dem britischen Sänger James Blunt.
«Die schwulste Performance seit Wham»Es folgte ein mäßig komischer Auftritt von Michael Mittermeier. «Roland Koch, unser George Busch für Arme» - keiner verzog eine Miene. Erst nach ein paar Dieter Bohlen-Gags schien das Publikum ein wenig aus der Schreckstarre aufzutauen. Das gemeinsame Video von Bohlen und «Superstar» Mark Medlock sei «die schwulste Performance seit Wham», scherzte Mittermeier. Anschließend überreichte er Herbert Grönemeyer den Preis als «bester Künstler national». Der war überraschend gut drauf und dankte allen, «die mich treten», sonst würde er gar nicht arbeiten, sondern den ganzen Tag nur «duschen, zähneputzen, telefonieren».
Danach gab man sich ein wenig weltfremd: Die Download-Plattform «Musikload» präsentierte den «Hit des Jahres», da ja heutzutage «der Download den Hit» mache. Diese Auszeichnung ging an DJ Ötzi und Nik P für deren Après-Ski-Schlager «Ein Stern». Ein Song, bei dem sich Bilder von Großraumdiskotheken, Endvierzigern auf Abschlepptour und Friseusen-Kegelclubs aufdrängen. Aber jedem das Seine, schließlich ist Ötzi alias Gerhard Friedle mit seiner Musik sehr erfolgreich. Der DJ mit der weißen Mütze verspricht jedenfalls, weiterhin «Vollgas» zu geben.
«Ich hätte dich geschwängert vom Feinsten!»Der als ach so «verrückt» angekündigte Mark Medlock wurde als «Newcomer national» geehrt, Konkurrent Jimi Blue [Ochsenknecht] zog in den Zuschauerreihen einen Flunsch. Medlocks nicht jugendfreie Dankesrede holte die Zuschauer aus dem Wachkoma. «Isch hab das Dreckssch...ding verdient», so Medlock, der sich für den Echo «den A... aufgerissen» habe. Den Preis widmete er seinem «geil geliebten Produzenten» Bohlen. An den richtete er noch schnell ein paar persönliche Worte: «Freu dich, dass du keine Frau bist. Ich hätte dich geschwängert vom Feinsten!» Die Moderatoren zeigten gespielte Empörung ob der selbsternannten «Drecksau» Medlock. Wie gut, dass die Sendung nicht live gesendet werde. Hihi.
Komiker Paul Panzer beehrte DJ Ötzi mit seinem zweiten Echo, diese Mal in der Kategorie «Schlager» und Moritz Bleibtreu sagte mit einer verunglückten Rap-Einlage den «besten Hip Hop-Act national» an. Zum wiederholten Mal ging der Preis an Rapper Bushido, der sich erstmal brav bei seiner Mama bedankte. So plätscherte der Abend vor sich hin, Jan Delay bekämpfte die Langeweile mit einem Ausflug ins Pressezentrum, wo er sich ein Gals Wasser einschenkte.
Pocher ist die bessere SpearsDoch dann, oh dann, trat der Retter des Abends auf die Bühne: Oliver Pocher, mit einer kreischend komischen Persiflage auf Britney Spears' Auftritt bei den MTV Awards 2007. Im schwarzen Glitzerbikini und mit blonder Perücke schubberte sich Pocher zu «Gimme More» an ein paar Background-Tänzern vorbei über die Bühne. Zugegeben, der Mann hat eine bessere Figur als Frau Spears. Nach seiner Performance, richtete er das Wort an Echo-Gewinner Medlock: «Ich weiß, was du gerade denkst. Vergiss es! Dasselbe gilt für Ross!» Und teilte ordentlich gegen Bushido und dessen rund zehnköpfige Entourage aus, die nach der Preisverleihung sicher «schnell wieder zurück in die JVA» müsse.
Die Auszeichnung in der Sparte «bester Künstler Rock/Pop national» durften die Fanatstischen Vier mit nach Hause nehmen. «Wenn Zahltag ist, muss man nicht 'Danke' sagen», bedankte sich Thomas D im Namen seiner «schwäbischen Kapelle».
Günter Jauch «laudatierte» für das «Album des Jahres». «Was hat seine Frau ihm denn da wieder rausgelegt?», fragte eine Stimme aus dem Hintergrund. Und tatsächlich, Jauch will es heute Abend wissen: Leichter Dreitagebart-Ansatz, Leder-Jackett und aubergine-farbenes Hemd so «wild» sah man ihn selten. Die schulsprecherhafte Steifheit passte leider nicht ganz zum Anlass, doch dafür liebt man Jauch ja auch irgendwie. Den Echo für das beste Album erhielt der «hübsche» Herbert Grönemeyer für «12». Der wirkte abermals völlig von der Rolle, vergaß jedoch nicht, seiner Plattenfirma EMI zu danken: «Was ist der Stürmer ohne die Verteidigung?» Gefolgt von Kylie Minogue, die ihren neuen Song «In My Arms» präsentierte und trotz der gewohnten Kylie-Hyperaktivität irgendwie müde wirkte.
«It's so dark in Germany»Silbermond überreichten der Band Nightwish den Echo als beste internationale «Alternative Band». Anschließend kam Vorjahressieger Ralf Siegel à la Jack Nicholson mit dunkler Sonnenbrille auf die Bühne («It's so dark in Germany») und hielt eine rührige Rede auf den diesjährigen Empfänger des Echo-Sonderpreises, Dieter Thomas Heck. Kameraschwenk auf Oliver Pocher, der im Publikum Rotz und Wasser heulte. Auch Heck ist bekanntermaßen nah am Wasser gebaut. Ihm sei heute überhaupt weniger nach reden, als nach einem Bier, so der Moderator in seiner Dankesrede. Weiterhin freute sich Heck über den Erfolg deutscher Bands im Ausland. Zum Beispiel Tokio Hotel, das seien «tolle Jungs». Worauf Geissen ihm endlich das ersehnte Bier brachte. Erwähnte Teenieband erhielt dann auch für «Spring nicht» den Echo für das «beste Video national». Den Preis entgegen nehmen konnten sie nicht, da sie dieser Tage ihr erstes Konzert in Hollywood geben.
Schauspieler Ingo Naujoks schlug in seiner Comedy-Einlage kritische Töne an, das Leben sei schließlich «kein Ponyhof». Die Auszeichnung als «bester Liveact national» überreichte er Bushido. Pocher sprang von seinem Platz, umarmte den Rapper und bedankte sich in Fantasie-Arabisch an Bushidos Stelle auf der Bühne. Der blieb dieses Mal gegenüber Pocher schlagfertig und drohte: «Heute Abend in der JVA auf jeden Fall duschen.»
Matthias Schweighöfer ehrte LaFee als «beste Künstlerin national», Roger Cicero überreichte Till Brönner den Preis als «bester Jazz-Künstler». Keine Überraschungen gab es in der Kategorie «Volkstümliche Musik», in der die Kastelruther Spatzen ihren 13. Echo gewannen. Zum Schluss wurde noch Kinderlieder-Macher Rolf Zuckowski von den Prinzen mit dem Echo für sein Lebenswerk bedacht. Im Publikum saßen prominente Gäste wie Topmodel Eva Padberg, Jeanette Biedermann, Klaus Wowereit, Oli P. oder Gülcan Kamps. Auf der Bühne performten Ich + Ich, Leona Lewis, James Blunt, DJ Ötzi und Nik P, Herbert Grönemeyer, Nightwish, Mark Medlock und Fettes Brot mit der Blödelnummer «Bettina, pack deine Brüste ein!».