15.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Subway to Sally
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mittelalter meets Metalmusik: Bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest setzten sich die neuen Bundesländer durch - mit eher düsteren Klängen.
Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie es schöner nicht sein konnte: Bei Stefan Raabs viertem Bundesvision Song Contest war das Finale so spannend, wie der große Bruder, der Eurovision Song Contest, sicher gerne manchmal wäre. Zwei Kandidaten aus den neuen Bundesländern (Clueso aus Thüringen und Subway to Sally aus Brandenburg) standen in der Gunst der Zuschauer ganz hoch. Und das Ergebnis fiel denkbar knapp aus - mit 147 zu 146 Punkten triumphierten die zumeist schwarz gewandeten Mittelalterfans mit ihrem dröhnenden Song «Auf Kiel». Damit, und das ist ja das Schöne an der ProSieben-Show, war wieder mal nicht zu rechnen.
Auftritt: Christian WulffDenn diesmal hatten sich zum Sängerwettstreit zwischen den 16 Bundesländern echte Schwergewichte angemeldet. Neben den Potsdamern Subway to Sally, die schon seit Anfang der Neunziger ihre Nische gefunden haben, wagten sich mit Laith Al-Deen, Sportfreunde Stiller und Culcha Candela mehrere bereits etablierte Acts in die Hannoverander Arena. Dazu passte auch, dass Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen ließ, und gemeinsam mit Moderator Stefan Raab die Show eröffnete. Auf einen Musiktipp ließ sich der alerte CDU-Politiker nicht festlegen, sondern verwies nur auf «sein» Bundesland.
Du hast die Haare schön...Dann ging es auch schon los, mit Rapper Das Bo aus Hamburg, der mit einer beeindruckenden Minipli-Frisur und einen schön anzuschauenden Bräute-Schar aufwartete. Die Haare schön hatte übrigens auch Moderatorin Johanna Klum (nein, weder verwandt noch verschwängert mit Heidi), die wie immer ziemlich blass neben den dauergrienenden Gastgeber Stefan Raab vor sich her moderierte. Dennoch war man froh, Klum immer mal wieder zu sehen, denn nach der zweiten Band, Jennifer Rostock (Mecklenburg Vorpommern), die durchaus achtbar zwischen Punk und NdW navigierten, verschwanden auf einmal die Frauen aus der Show.
Rapsoul (Hessen) trällerten sich zuvor noch mit Kinderchor durch ihren Song «Du bist was», der auch gut als Hymne für Kampagnen wie «Du bist Deutschland» taugen würden. Doch dann schlug die Stunde der Jung-Musiker, und die waren zumeist Männer. Casino Zero (Rock aus dem Saarland) die Far East Band (Macho-Powackel-Rap aus Sachsen), Pauls Rekorder (80er-Pop aus Bremen) und Down Below(Gruft-Rock aus Sachsen Anhalt, sie kamen auf den 3. Platz) verzichteten ganz auf Sängerinnen in ihren Reihen. Irgendwie kein Wunder, dass Cluesos Geigerinnen, die den Rapper unterstützten, nach soviel geballtem Testosteron eine Wohltat fürs Auge waren.
Nicht nur mangels Sexyness zog sich die Show (Sendestart 21 Uhr) doch ziemlich. 16 Bundesländer wollten schließlich nicht nur musikalisch, sondern auch anhand von Einspielfilmchen durchquert werden. Dazu die obligaten «Schalten» hinter die Bühne, Promi-Präsentatoren aus dem «TV Total»-Kosmos wie Elton & Regina Halmich, zahlreiche Werbepause - längst sind die TV-Shows von Stefan Raab Marathonveranstaltungen. Da konnten diesmal auch nur vergleichsweise wenige Musikifans mithalten: Nur knapp 1,6 Millionen TV-Zuschauer vermeldete der Sender. Vielleicht auch, weil der Sieger leider erst weit nach Mitternacht feststand - und somit auch der nächste Austragungsort. Auf nach Potsdam also, «Auf Kiel» ins Reich der Seen von Subway to Sally.