Bundesvision Song Contest : 

netzeitung.de«Wir sind an zwei böswillige Typen geraten»

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Panik (Foto: Universal<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Panik
Foto: Universal
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nevada Tan heißen jetzt Panik, und wollen damit nicht nur Stefan Raab überzeugen. Ricarda Landgrebe befragte Sänger Frank Ziegler zu Namenswechseln, geldgeilen Managern, Casting-Shows und seinen Kochkünsten.

Während der griechische Hirtengott «Pan», von dem der Begriff Panik abgeleitet wird, eine Massenflucht ausgelöst hat, lockt die Band Panik Massen an. Auch bekannt unter dem Namen Nevada Tan gab es in den letzten Wochen viel Wirbel um die sechsköpfige Band. Von den Produzenten und Managern hatten sie sich getrennt und ihren ursprünglichen Bandnamen wieder angenommen. Am heutigen Donnerstag tritt Panik bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest (ProSieben) für Schleswig Holstein an. Vorab beantworteten sie Netzeitung.de noch einige Fragen.

Netzeitung: Ihr seid ja gerade gut beschäftigt: Die Echo-Verleihung und der Bundesvision Song Contest stehen an und am Freitag erscheint auch eure neue Single «Was würdest du tun». Was würdest du denn gerade tun, wenn du jetzt nicht auf meine Fragen antworten müsstest?

Frank Ziegler: Vermutlich wäre ich mit der Band unterwegs in Richtung Neumünster und wir würden anfangen zu produzieren. Statt zu quatschen, würde ich jetzt also Musik machen.

Netzeitung: Bis vor kurzem hießt ihr noch «Nevada Tan». Jetzt habt ihr euren alten Namen «Panik» wieder angenommen und euch von euren Produzenten und Managern getrennt. Wie kam es dazu?

Ziegler: Zu dem Bruch kam es relativ früh. Eigentlich schon, bevor das Album überhaupt draußen war. Wir haben ganz früh gemerkt, dass die Produzenten uns von der Plattenfirma abschotten. Also, dass sie zwischen der Plattenfirma und uns stehen und uns immer wieder komische Sachen übermitteln, was Styling und die Musik betrifft. Dinge, die die Plattenfirma angeblich gefordert hat. Irgendwann haben wir gemerkt, dass etwas mächtig schief läuft und dann haben wir uns eben als Band gesagt: «Wir müssen da ganz schnell raus. Die Zusammenarbeit mit denen geht gar nicht.»

Nachdem das Album draußen war, haben wir dann die Verträge checken lassen und ungefähr zur gleichen Zeit haben die Herren ja auch versucht uns unsere Urheberrechte zu erpressen, indem sie gemeint haben, dass sie 40% von unseren Songs haben wollen. Da fühlt man sich als junger Musiker eben schon über den Tisch gezogen. Eine Woche später haben wir dann von unserem Anwalt gehört, dass die Verträge sittenwidrig sind. Wir haben die Verträge daraufhin noch mal von den Universal-Anwälten checken lassen und die waren der gleichen Meinung. Wir haben sofort eine Kontaktsperre verhängen lassen. Eine Zusammenarbeit war nicht mehr möglich und wir haben einfach ohne sie weiter gemacht. Wir waren ja trotzdem auf Tour und bei jedem Auftritt mussten wir Angst haben, dass uns die Tour verboten wird, weil unsere Manager nämlich die Namensrechte an «Nevada Tan» haben. Das wussten wir bis dato allerdings nicht.

Netzeitung: Die Musikindustrie - eine skrupellose Branche?

Ziegler: Wir sind einfach an zwei böswillige Typen geraten. Die haben die ganze Zeit Regionalliga gespielt. Dann sind sie auf einmal in die Profiliga gerutscht und haben gemerkt, dass sie mit uns das dicke Geld machen können. Sie haben den Hals nicht voll genug bekommen. Das haben wir leider erst im Nachhinein gemerkt.

Netzeitung: Was habt ihr denn noch alles entdecken müssen?

Ziegler: Universal zahlt ja Vorschüsse bei einem Vertragsabschluss, also Geld, von dem du die ersten Monate leben sollst, von dem du dein Album finanzierst, auf Tour gehen und dir Instrumente kaufen kannst. Und wir haben damals noch Scherze gemacht: «Tja, der Plattenindustrie geht’s halt schlecht. Es gibt keine Vorschüsse mehr.» Und im Nachhinein mussten wir erfahren, dass unser Management klammheimlich 100.000 Euro eingesteckt hat. Das ist natürlich sehr bitter.

Netzeitung: Was würdet ihr jungen Bands angesichts eurer Lage raten?

Ziegler: Also definitiv sollte man mehrere Meinungen einholen. Wenn man an einem Punkt ist, an dem man einen Vertrag unter die Nase kriegt, sollte man sich definitiv die 500€ nehmen und zu einem Anwalt gehen, die Verträge checken lassen und von einem anderen Anwalt am besten noch mal checken lassen.

Netzeitung: Dir wurde ja einmal gesagt, dass du dir die Haare blondieren sollst. Was wurde euch denn noch alles vorgeschrieben? «Durftet» ihr Freundinnen haben?

Ziegler: Dieses Freundinnen-Ding wurde uns nie vordiktiert, aber uns wurde beispielsweise «geraten», dass wir uns bunter anziehen sollten. Stirnbänder tragen und so’n Quatsch, um bei den Teenies beliebter zu sein.

Netzeitung: Aber ihr habt das damals alles ohne Widerwillen mitgemacht?

Ziegler: Ja klar. Du willst ja die ganze Arbeit von zwei Jahren nicht aufs Spiel setzen, nur weil du sagt: «Ne, ich färbe meine Haare nicht.» Du bist da ja auch noch relativ jung und wartest einfach mal ab, was da so alles passiert.

Netzeitung: War die Änderung eures Bandnamens von «Panik» in «Nevada Tan» auch eine Vorschrift?

Ziegler: Nein, das war keine Vorschrift, aber ich und Juri waren neue Bandmitglieder und wenn man die Karten neu mischt, gibt man sich auch einen anderen Namen. Nur so ist ein wirklicher Neustart möglich. Der Name wurde uns vorgeschlagen aber es wurde nicht gesagt, dass wir uns umbenennen müssen.

Netzeitung: Als «Nevada Tan» wurde eine zwölfjährige Japanerin bekannt, die eine elfjährige Klassenkameradin ermordet hat. Ging es euch mit dem Namen um Provokation?

Ziegler: Wir fanden die Geschichte wahnsinnig erschütternd und hatten zunächst ganz krasse Berührungsängste. Dann haben wir uns aber gedacht, dass wir nach Erfurt und auch weil das «Mobben» und «Dissen» immer schlimmer wird, dass man deswegen darauf hinweisen sollte und den Leuten sagt: «Hey, macht mal eure Augen auf, bevor es so endet, wie in Japan!» Hinter dem Bandnamen sollte eine Botschaft stehen.

Netzeitung: Und was soll der Name «Panik» aussagen?

Ziegler: Oh, das macht jetzt alles zunichte, was ich eben gesagt habe. Der Name stammt von David und Timo, als sie die Band gegründet haben. Sie saßen vor einem Duden und haben überlegt, wie sie die Band nennen sollen und dann fanden sie «Panik» halt besonders geil und provokant. Wir haben uns wieder so genannt, weil wir zurück wollten zu den Anfängen. Wir wollten uns nicht noch einmal Namen ausdenken. Und ich fände es bescheuert, wenn jetzt überall stände «Früher Panik, dann Nevada Tan und jetzt Cola-Automat, oder so.»

Netzeitung: Wovor hast du Panik?

Ziegler: Im Moment vielleicht ein bisschen vor dem Bundesvision Song Contest. Denn da schauen eine Menge Menschen zu und da könnte ich ja über mein Mikro stolpern und auf die Nase fliegen. Aber worauf ich mich tierisch freue, ist der Moment, wenn die Punkte vergeben werden.

Netzeitung: Gut möglich, dass der Ärger der letzten Wochen ganz gelegen kam, oder? Die Medienpräsenz ist ja ziemlich gestiegen.

Ziegler: Ich weiß nicht. Vielleicht kennen uns jetzt einige Leute, denen wir vorher noch kein Begriff waren aber es ist immer möglich, dass ihnen andere Songs besser gefallen. Ich hoffe dennoch, dass die Leute, die uns bisher nicht kannten und jetzt eine Reportage oder so über uns gesehen haben, vielleicht sagen: «Hey, das ist «handmade music». Die können ja was. Für die rufe ich jetzt mal an.»

Netzeitung: Also doch ein guter Zeitpunkt für den Ärger.

Ziegler:Ja, mediale Präsenz ist immer ein Vorteil.

Netzeitung: Beim Echo seid ihr in der Kategorie «Bester Künstler national Rock/Alternative» neben den Ärzten, der «besten Band der Welt», nominiert. Was sagst du dazu?

Ziegler: Da weint mein Herz vor Stolz. Also besser geht es ja gar nicht.

Netzeitung: Außerdem seid ihr in der Kategorie «Erfolgreichster Newcomer National» nominiert. Wie hoch schätzt du eure Chance ein, einen Echo mit nach Hause zu nehmen und in welcher Kategorie versprecht ihr euch höhere Chancen?

Ziegler: Gegen die gestandenen Rockbands werden wir wohl nicht so hohe Chancen haben. Ich meine, in der letzten Woche haben die Ärzte wohl mehr Alben verkauft, als wir im ganzen letzten halben Jahr. Aber es ist ein «standing» für uns. Bei den Newcomern ist es schwer, gegen so TV-präsente Leuten, wie Mark Medlock anzukommen. Ich glaube, wir sind in dieser Kategorie die einzige Band, die nicht zusammen gecastet wurde.

Netzeitung: Du bist also gegen Casting-Shows?

Ziegler: Generell würde ich sie nicht verteufeln, aber ich würde dort nicht mitmachen.

Netzeitung: Welche Auszeichnung würdest du gern einmal entgegen nehmen?

Ziegler: Am Freitag den Echo! Das wäre schon ein Traum, einfach unfassbar. Wir waren ja letztes Jahr bei der Echo-Verleihung und dachten damals: «Boah, wie geil wäre das jetzt selbst nominiert zu sein.» Klar, es geht immer noch größer, aber der Echo wäre schon mal super.

Netzeitung: Wo siehst du euch in zehn Jahren?

Ziegler: Auf der Panik-Jubiläumstour. Also auf jeden Fall werden wir noch zusammen Musik machen.

Netzeitung: Die nervigsten Eigenschaften der anderen Bandmitglieder?

Ziegler: Timo ist seit einem halben Jahr so’n Öko. Ein wirklich krasser Öko (lacht). Das sag ich jetzt auch nur, weil er neben mir steht. Ach was, wir nerven uns alle mal gegenseitig. Ich nerve wohl damit, dass ich zu spät komme und andere nerven mich damit, dass sie nicht auf ihre Gesundheit achten und sich totarbeiten.

Netzeitung: Wenn ihr streitet, worüber?

Ziegler: Streit gibt es eigentlich fast nie. Wir haben so viel mit unserem Ex-Management gestritten, da blieb keine Kraft sich auch noch innerhalb der Band zu streiten.

Netzeitung: Das beste Fan-Geschenk?

Ziegler: Wir haben mal einen Fanbrief aus Tapete bekommen, der war so 300-400 Meter lang. Und was mich, als Hobbykoch, immer sehr freut, ist, wenn ich Kochbücher geschenkt bekomme.

Netzeitung: Du kochst also gern. Auch gut?

Ziegler: Ja, ich denke schon. Ich bin auch Bandkoch. Kochen habe ich von meiner Oma gelernt. Ich mache auch gern mal so ausgefallene Sachen wie Entenbrustfilet an Schokoladensauce.

Netzeitung: Was möchtest du den Personen, die das hier lesen, noch sagen?

Ziegler: Wir sind verdammt erleichtert und froh, dass wir jetzt endlich diese gesamte Situation aufgeklärt haben und können uns nun endlich wieder in die Arbeit stürzen. Wir freuen uns auf 2008 und denken, das wird ziemlich dick unser Jahr.