Schüsse auf Massiv «waren kein PR-Gag»
16.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schüsse auf Massiv «waren kein PR-Gag»
Attentat oder nur üble Posse? Zwei Tage nach den Schüssen auf Rapper Massiv sind viele Fragen offen - auch bei der Berliner Polizei.
Ein maskierter Mann schießt aus nächster Nähe auf Rapper Massiv und das auch noch im Berliner Stadtteil Neukölln - kein Wunder, dass am nächsten Tag nicht nur die Boulevardpresse der Hauptstadt ganz elektrisiert ist. Doch die unter einigen Journalisten offenbar aufkeimende Hoffnung, nun endlich auch ein «Rapper-Krieg» US-amerkanischen Vorbilds in Deutschland zu haben, dürfte sich spätestens bei einem genaueren Blick auf die seltsamen Umstände der Tat erübrigen. Ein Sprecher des Sängers wies nun die zuletzt sogar aufkeimende Spekulationen zurück, dass es sich bei der Attacke um einen PR-Gag gehandelt habe. Massiv habe immerhin einen Schulterdurchschuss erlitten, der Angriff hätte viel schlimmer ausgehen können. «So eine Promo macht man nicht».
Keine heiße SpurDie Polizei wiederum hat nach eigenen Angaben noch keine heiße Spur. «Wir ermitteln in alle Richtungen», sagte ein Polizeisprecher. Was genau also ist passiert? Demnach stand Massiv, der beim Label Sony BMG unter Vertrag steht, am Montagabend nach einem Interview auf einer Straße in Neukölln, als gegen 22 Uhr ein maskierter Mann auf ihn zukam und ihm, so «Spiegel Online», eine «Waffe ins Gesicht hielt». Nach einem kurzen Gespräch seien drei oder vier Schüsse abgegeben worden, wobei auch der Wagen des Musikers, ein BMW, beschädigt worden sei. Der Täter sei dann in einem dunklem Wagen Richtung Hermannstraße geflohen, meldet der «Kurier».
Dass der Sänger bei Schüssen aus nächster Nähe vergleichsweise wenig verletzt wurde, ist eine der vielen Unwägbarkeiten bei dem Fall. Besonders mysteriös aber ist eine andere Tatsache: Als der Rapper laut Polizeibericht noch ins Krankenhaus transportiert wurde, stand die Nachricht von dem Angriff bereits im Internet: Um 22.35 erschien auf einer Fanseite des Rappers eine Nachricht über ein «Attentat» auf Massiv. Massiv - der eigentlich Wasiem Taha heißt - hat sich noch nicht öffentlich über den Zwischenfall geäußert, von der Polizei wurde er kurz befragt. Das Krankenhaus hat er bereits wieder verlassen - auf eigenen Wunsch hin.
«Wir sind entsetzt über diese feige Tat und hoffen, dass es Massiv schnell wieder bessergeht», heißt es auf der Homepage der Plattenfirma Sony BMG. Massivs Sprecher kündigte zudem auch eine Stellungnahme des Labels zu den nun kursierenden Vermutungen und Unstimmigkeiten bei dem Fall an. Der kräftige, stark tätowierte Star («Wenn der Mond in mein Ghetto kracht») inszeniert sich mit seinen Texten und seinem Auftritten gerne als «Gangsta Rapper» im Stile US-amerikanischer Vorbilder. Massiv, Sohn palästinensischer Flüchtlinge und relativer Neu-Berliner, bringt im Februar ein neues Album mit dem Titel «Ein Mann Ein Wort« heraus. (nz)