27.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Jesus lebt, zumindest für diese Jesus Freaks
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Punk im Namen des Herrn könnte das Motto des «Freakstock»-Festivals lauten. Tausende «Jesus Freaks» kommen dort zusammen, um ihren Glauben zu feiern - und gute Musik zu hören.
Ihre Hochzeit soll ein unvergesslicher Tag werden. «Kommt alle!», fordern Maria und Ricky die Teilnehmer des diesjährigen «Freakstock»-Festivals auf, gemeinsam mit ihnen auf dem Gothaer Boxberg zu feiern. Die Pferderennbahn nahe der thüringischen Kreisstadt ist seit Donnerstag wieder von Tausenden «Jesus Freaks» bevölkert. Seit zehn Jahren kommen sie hier im Sommer zum größten christlichen Punk-Festival in Deutschland zusammen.
Die Anhänger der noch jungen christlich-charismatischen Erweckungsbewegung setzen zur Verkündigung der biblischen Botschaft auf harte Rhythmen. Punk im Namen des Herrn von Hardcore über Indie-Rock, Country und Reggae bis zu HipHop wollen dieses Jahr erneut mehr als 20 Bands zelebrieren. Sie kommen überwiegend aus der deutschen Szene, aber auch aus Portugal und den USA. Doch nicht alle sprechen ihr Anliegen so deutlich aus wie Preacher aus Hamburg.
Ihnen gehe es um «textlich klare Aussagen» zu allem, was sie beschäftigt, betonen die Musiker. Dazu gehöre «Soziales, Gesellschaft, das Leben, aber vor allem an erster Stelle: Jesus». Diese inhaltliche Orientierung sei in den vergangenen Jahren etwas aus dem Blick geraten, räumt «Freakstock»-Sprecher Martin Hünerhoff ein. Nach einer zunehmenden Unverbindlichkeit versuche das Treffen 2007 so etwas wie einen Neustart - «Freakstock rebooted» also.
«Freakstock rebooted»Unter diesem Motto ist diesmal alles etwas kleiner, aber auch stärker auf Inhalte fixiert. «Gemeinsam wollen wir wieder das 'Freakstock', wie es mal gedacht war», erläutert Mitbegründer Mirko Sander: «Wir wollen hier eine gute Zeit mit Jesus haben, und abends spielen dann ein paar Bands.» Was die Organisatoren mit einer «guten Zeit» meinen, spiegelt sich im Programm der zahlreichen Workshops wieder.
Die Themen reichen von Gemeindebau und Teamarbeit über «Glaubensbasics», Sozialarbeit und Drogenberatung bis zu Beziehungsfragen sowie Spaß und Spiel. Zudem bietet das «Kunstzelt» Gospel-Magie-Shows, die «Daily Impressions» mit den Fotos des Tages in einer Diashow und Lesungen unter anderem aus der «Volxbibel 2.0» zur Offenbarung des Johannes als «ne abgefahrene Vision». Und nach den täglichen «Hauptseminaren» mit Lobpreis und Predigt ist am Abend Gottesdienst in «Father's House».
Kontroverse Diskussion um die «Charta»Die «Jesus-Freaks» mit heute rund 2000 Anhängern in Deutschland sind vor 16 Jahren aus der freien «Anskar-Kirche» hervorgegangen. «Freakstock» wird im Internet längst auch als Event der alternativen Szene geführt. Aber trotz der bisweilen schrillen Punk-Attitüde gilt die geistliche Orientierung der Bewegung als eher konservativ bis fundamentalistisch. Davon zeugt auch die in diesem Jahr vom ersten Konzil der «Freaks» erarbeitete «Charta».
Diese «Familienverfassung» soll von «Freakstock» als Grundlage der künftigen Arbeit angenommen werden. Gleichwohl ist Festivalsprecher Hünerhoff skeptisch, ob bis Sonntag die 5000 Teilnehmer des Vorjahres wieder erreicht werden. Nach den kontroversen Diskussionen um die «Charta» in den vergangenen Wochen und Monaten müsse sich das neue Konzept erst noch durchsetzen, gibt er zu bedenken. Maria und Ricky jedenfalls freuen sich auf eine ausgelassene Hochzeit im Kreise zahlreicher Gleichgesinnter. (Thomas Bickelhaupt/epd)