netzeitung.deIch komm aus Grünwald, du Muschi!

 Herausgeber: netzeitung.de

Geld macht glücklich (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Geld macht glücklich
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vielleicht haben Sido und Bushido die größeren Autos, aber die Münchner Rapper Stehkrägen haben mindestens eine genauso große Klappe. Wohlstands-Reime sind die Antwort auf Hartz-IV-HipHop.

«Deine Armut kotzt mich an», rappt die Perlenketten-Tussi Lacrosse, «Für dich ist Polo nur ein Auto, für mich ist es Sport», fügt der blonde Beau namens Yachtmeister hinzu. Es wurde aber verdammt noch mal auch Zeit! Ausgerechnet München hat nun eine angemessene Antwort auf Berlins Asphalt-Aggressivität gefunden. Aggro Grünwald statt Aggro Berlin. Und anstelle der Kreissäge gibt es ein verschnörkeltes Wappen.

Aber nochmal ganz von vorn: Die Stehkrägen von Aggro Grünwald, das sind fünf Männer und eine Frau, die zwar auch auf Bling Bling, schnelle Autos und schöne Menschen stehen, Aggro steht jedoch für Aktien, Geld, Grundbesitz und Opulenz. Hier kommt keiner aus dem Ghetto, sondern alle aus Münchens Nobelviertel Grünwald. Musik machen, um reich zu werden? Nee, reich sind sie ja schon. Angeblich.
Mitten aus dem Herzen der Dekadenz
«Hey, kleiner Mann, hast du keinen Vater, keine Mutter, die was kann?», heißt es auf der Debütsingle «Eure Armut kotzt uns an», und das kommt «mitten aus dem Herzen der Dekadenz». Mit ihren aufgestellten Hemdkragen und weißen Hosen sehen sie so aus wie einem exklusiven Tennisclub der Achtziger entsprungen.

Dazu passend liefert die eindeutig durchgestylte Website den Crew-Mitgliedern MC Erbgraf, Yachtmeister, Bling Bling, Goldmann X und Sängerin Lacrosse die ebenso perfekten Lebensläufe: Zahlen mit Papis Kreditkarte, Elite-Unis, Kaviar, Lacrosse und am Wochenende Posen in Münchens Schickeria-Disko P1.

Ernst nehmen kann man das allerdings nicht, denn die Stehkrägen erfüllen einfach ein Paar Klischees zu viel. Sie seien nicht Fake, behaupten die Rapper Yachtmeister und Goldmann X im Interview mit der «taz». Sie hätten einfach die Nase voll vom Ghetto-Rap, heißt es auf ihrer Website: «Genug mit Ghetto- und Hartz-IV-Problem-Rap, jetzt kommt der exklusive Einblick in die wunderbare Welt der Reichen und Schönen aus dem Münchner Süden.» Schaut man genauer hin, entdeckt man im Video jedoch ein Magazin mit dem Titel «Teuer und Geschmacklos» und eine schwarze Kreditkarte, die von der «Reich und Doof»-Bank ausgestellt wurde.

Seitenhieb, Gesellschaftskritik, Inszenierung
Was steckt also hinter Aggro Grünwald? Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, ist der Zuständige für die Labelseite ein gewisser Philipp Walulis, und der ist Moderator und Spaßmacher beim Münchner Radiosender M94,5. Und auf dessen Homepage prangt... natürlich ein Stehkrägen-Banner.

Also ist alles nur ein Witz, ein Seitenhieb gegen die Berliner Aggro-Rapper? Oder eine Parodie auf das Leben der Reichen und Schönen? Auf jeden Fall war dieses Anti-Aggro schon lange überfällig. Und dann wird aus dem Spiel mit dem schönen Schein eben die perfekte Selbstinszenierung. Die fünf Münchner rappen im Video weiter um den großen weißen Mercedes und ziehen sich absurd große Mengen eines weißen Pulvers in die Nase. Immer schön aggro bleiben! (nz)

Das Debütalbum «Aus gutem Haus», mit Songs wie «Geld macht glücklich» oder «Kaviar für Somalia», soll im Oktober erscheinen.