netzeitung.de«Daddy Cool» wächst für Berlin

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Lupe «Daddy Cool» wächst für Berlin

Produzent Frank Farian plant mit «Daddy Cool» ein Musical der Superlative. Es soll in Deutschland größer werden als in London.

«Daddy Cool» heißt das Boney M.-Musical, das am 26. April in Berlin Deutschland-Premiere feiert. Und es wird nach Angaben von Frank Farian noch spektakulärer als in London, wo es seit der Weltpremiere im vergangenen September fünf Monate lang lief. «Das wird eine richtig fette Show», kündigte der Produzent im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt an.

Eine Premiere ist auch der Ort des Geschehens selbst: Der 120 mal 120 Meter große «Boney M.-Theaterpalast» neben dem Ostbahnhof ist das erste von mehreren geplanten mobilen Theatern, in denen Farian «Daddy Cool» um die ganze Welt schicken will.

«Es sieht gewaltig aus», zeigte sich der Hobbyarchitekt, der in den vergangenen Wochen fast täglich zwischen seinem Wohn- und Arbeitsdomizil in Rosbach bei Frankfurt und Berlin hin und her jettete, schon begeistert, als noch Tag und Nacht an dem von ihm entworfenen Mobiltheater gebaut wurde. Auch wenn er «auf dem Zahnfleisch» gehe, fühle er sich «wie im Rausch» und verspricht, dass zum Premierentermin alles fertig ist. «Wenn ich morgens ankomme, denke ich, wir schaffen das nicht. Aber nach einer Stunde vor Ort und einem Liter grünen Tee bin ich sicher: wir schaffen es.»

Was Farian schaffen will, übersteigt die Dimensionen der Show, mit der er in London Publikum und Presse überzeugte und begehrte Branchen-Awards einheimste: «Größere Bühne, mehr Licht und Ton, noch üppigere Bühnenbilder, 45 statt 35 Mitwirkende.» Anstatt wie geplant neue Darsteller zu suchen, wird nun auch in Berlin der «Original London Cast» die Story erzählen, die rund um die Farian- Hits von Gruppen wie Boney M., Milli Vanilli, Eruption, La Bouche oder No Mercy gestrickt wurde. «Meine Musik hatte noch nie eine Botschaft, außer der, dass die Leute sich gut fühlen sollen», setzt Farian mehr aus die Wirkung der Hits aus 30 Jahren als auf die Handlung, die an «West Side Story» erinnert.

14 Millionen Euro
Bis zum 24. Juni soll «Daddy Cool» in Berlin laufen und von dort aus auf Welttournee starten. Ab September gehe es ins Ruhrgebiet, wo Farian zudem nach einem festen Spielort Ausschau hält. «Das wird der erste Standort, wo wir Kasse machen.» Farian geht davon aus, dass sich in der «Musical-Region» seine Investitionen, die er bisher auf 12 bis 14 Millionen Euro schätzt, bezahlt machen. Paris, Moskau und Barcelona oder Madrid sollen erste internationale Stationen werden, USA, Asien und Australien stellt er sich in Übersee vor und denkt an ein Franchise-System mit immer mehr mobilen Theatern.

Mit dem bisherigen Kartenverkauf in Berlin ist Branchenneuling Farian, der nach einer beispiellosen Karriere als Musikproduzent mit bisher 800 Millionen verkauften Tonträgern pünktlich zu seinem Einstieg ins «Rentenalter» seine neue Karriere als Musicalproduzent gestartet hatte, «sehr zufrieden». Gleichwohl gibt er zu erkennen, dass das 2050 Besucher fassende Theater noch längst nicht für das komplette Berlin-Gastspiel ausgebucht ist: «Wenn sich nach der Premiere rumspricht, wie gut die Show ist, wird es richtig losgehen», setzt er auf ähnliche Reaktionen wie in London.

«Boney M. wird es nie wieder geben.»
In Berlin fühle er sich «sehr willkommen», auch wenn er seine ursprünglichen Träume von einer Aufführung vor dem Reichstag begraben musste: «In Berlin wurde Boney M. geboren, von hier aus ging es um die ganze Welt. Ich freue mich auf die Rückkehr.» Auch wenn die Musik der Gruppe bis heute auf kaum einer Party fehlt, wenn CDs neu herausgebracht werden und diverse Gruppen im In- und Ausland unter dem Namen auftreten, stellt ihr Erfinder klar: «Boney M. wird es nie wieder geben.»

Die offizielle Erlaubnis zur Verwendung des Namens hat allein die frühere Sängerin Liz Mitchell, die im Herbst auch wieder als «Boney M. feat. Liz Mitchell» auf Tour geht. Gegen die vielen anderen Plagiate seines «musikalischen Babys» vorzugehen, erspart sich der millionenschwere «Hit-Man». Vielleicht, weil er sich seine gute Laune, für die auch ein echtes Baby zuständig ist, nicht verderben lassen will: «Es wird ein Mädchen, in der ersten Maiwoche erwarten wir es», freut sich Farian auf die bevorstehende Geburt seiner dritten Tochter. (Max Blosche, dpa)