Für immer Punk
Songs wie «I Wanna Be Your Dog» singt er nicht, er spuckt sie aus. Für seine Fans ist Iggy Pop die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Sein Leben findet Iggy Pop an seinem 60. Geburtstag, den er am 21. April feiert, spannender als je zuvor.
Iggy Pop trägt seinen Spitznamen seit den Tagen mit seiner Highschool-Band The Iguanas (Leguane). Er war schon Punk, als es Punk noch gar nicht gab und gerade Woodstock und die Flower-Power-Bewegung angesagt waren. Statt Liebe, Frieden und Gemeinsamkeit besangen die Stooges Langeweile und Frustration mit misanthropischen Texten. 1969 klang das etwa so: «Last year I was twenty-one/ didn't have a lot of fun/ now I'm gonna be twenty-two/ another year with nothing to do.» (Letztes Jahr war ich 21 und hatte keinen Spaß. Jetzt bin ich 22, noch ein Jahr und nichts zu tun.)
So viel inszenierten Selbsthass hält auf Dauer keiner durch, und so war Iggy Pop zwei Mal schon fast von der Bildfläche verschwunden. Erstmals 1971, als sich die Band trotz exzellenter Alben («The Stooges», «Fun House», «Raw Power») auflöste und Iggy Pop sich zum Rasenmähen nach Florida zurückzog. Nach einem missglückten Comeback der Stooges im Jahr darauf landete er dann für längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik zum Drogenentzug.
Beide Male war es sein bester Freund David Bowie, der ihn wieder auf die Bühne schob. Gemeinsam produzierten sie mehrere Alben: «The Idiot» (1977) mit dem gemeinsam geschriebenen, späteren Bowie-Hit «China Girl», «Lust For Life» (1977) mit dem Disco-Dauerbrenner «The Passenger» und die Live-LP «TV Eye» (1978).
Seit 2003 spielt er wieder regelmäßig mit den beiden Musikern der Stooges, dem Brüderpaar Scott und Ron Asheton. Es ist eine Art Hass-Liebe, die sie noch aus der Schulzeit verbindet. «Das sind die einzigen Kerle, die ich durch und durch kenne. Das bedeutet nicht: Oh, ich mag sie so sehr. Das bedeutet nur: Wir wohnten zusammen», erklärte Pop in einem Interview der «New York Times».
Er bewundere bis heute aber die «sture Musikalität» der Brüder, die oft nicht über drei Akkorde hinausging. Außerdem brauchte er sie zur Inspiration, weil er bei seiner Solo-Karriere feststeckte. Das Ergebnis ist das erste gemeinsame Album seit über drei Jahrzehnten: «The Weirdness», das vor kurzem erschien. Seitdem werden die Fans bei den Konzerten auch immer jünger - denn Iggy ist immer noch ein Erlebnis. «Unsere Musik ist nicht hart. Tatsächlich ist sie ganz entspannt. Selbst dann, wenn ich schreie.» (Carla S. Reissman, dpa)

