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Iggy Pop (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Iggy Pop
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Iggy Pop hat länger durchgehalten, als alle erwartet haben. Der Vollblut-Punk mit dem drahtigen, vernarbten Körper wird 60 Jahre alt.

«Jim» heißt Herr James Jewel Osterburg nur für seine alten Freunde. Für alle anderen ist er Iggy Pop, Mr. Igman oder auch nur The Ig. Mit sehnigem, vernarbtem Oberkörper und langen strähnigen Haaren tanzt der «Godfather of Punk» wie ein Derwisch durch die Musikgeschichte - seit kurzem auch wieder mit der einstigen Erfolgsband The Stooges.

Songs wie «I Wanna Be Your Dog» singt er nicht, er spuckt sie aus. Für seine Fans ist Iggy Pop die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Sein Leben findet Iggy Pop an seinem 60. Geburtstag, den er am 21. April feiert, spannender als je zuvor.

«Zum ersten Mal habe ich alles, was ich immer wollte: coole Autos, heißen Sex, eine gute Band und ordentliche Gigs. Und ich wache nicht auf und fühle mich krank», sagte der US-Musiker vor kurzem der Zeitung «New York Daily News». Statt an LSD, wie zu seinen wildesten Zeiten, hält sich Iggy Pop heute lieber an ein paar gepflegte Gläser Bordeaux. Er schwimmt regelmäßig, praktiziert Tai Chi und wohnt in einem kleinen Dorf in der Sumpflandschaft von Florida. Seinem mit tiefen Furchen durchzogenen Gesicht sind die Jahre trotzdem anzusehen.

Iggy Pop trägt seinen Spitznamen seit den Tagen mit seiner Highschool-Band The Iguanas (Leguane). Er war schon Punk, als es Punk noch gar nicht gab und gerade Woodstock und die Flower-Power-Bewegung angesagt waren. Statt Liebe, Frieden und Gemeinsamkeit besangen die Stooges Langeweile und Frustration mit misanthropischen Texten. 1969 klang das etwa so: «Last year I was twenty-one/ didn't have a lot of fun/ now I'm gonna be twenty-two/ another year with nothing to do.» (Letztes Jahr war ich 21 und hatte keinen Spaß. Jetzt bin ich 22, noch ein Jahr und nichts zu tun.)

Nackt durch Glassplitter
Bei seinen Bühnenshows demonstrierte er, dass nur Schmerzen ihn aus der Langeweile befreien konnten: Er robbte nackt durch Glassplitter, schmierte sich mit Erdnussbutter voll, goss heißes Wasser über seine Hose und taumelte blutend von der Bühne, während sich die gelegentlich in Naziuniformen gekleideten Musiker zum Rückkopplungsgeheul an die Verstärker lehnten.

So viel inszenierten Selbsthass hält auf Dauer keiner durch, und so war Iggy Pop zwei Mal schon fast von der Bildfläche verschwunden. Erstmals 1971, als sich die Band trotz exzellenter Alben («The Stooges», «Fun House», «Raw Power») auflöste und Iggy Pop sich zum Rasenmähen nach Florida zurückzog. Nach einem missglückten Comeback der Stooges im Jahr darauf landete er dann für längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik zum Drogenentzug.

Beide Male war es sein bester Freund David Bowie, der ihn wieder auf die Bühne schob. Gemeinsam produzierten sie mehrere Alben: «The Idiot» (1977) mit dem gemeinsam geschriebenen, späteren Bowie-Hit «China Girl», «Lust For Life» (1977) mit dem Disco-Dauerbrenner «The Passenger» und die Live-LP «TV Eye» (1978).

Real wild child
Mit Bowie lebte Iggy Pop in den achtziger Jahren auch eine Zeit lang in Berlin. «Ich wohnte in Schöneberg, in einem Hinterhof, ohne Zentralheizung, für 180 Mark im Monat», erinnerte er sich. Den ganz großen Erfolg landete Iggy 1987 mit der Cover-Version von «Real Wild Child». Es war seine erste Top-Ten-Platzierung.

Seit 2003 spielt er wieder regelmäßig mit den beiden Musikern der Stooges, dem Brüderpaar Scott und Ron Asheton. Es ist eine Art Hass-Liebe, die sie noch aus der Schulzeit verbindet. «Das sind die einzigen Kerle, die ich durch und durch kenne. Das bedeutet nicht: Oh, ich mag sie so sehr. Das bedeutet nur: Wir wohnten zusammen», erklärte Pop in einem Interview der «New York Times».

Er bewundere bis heute aber die «sture Musikalität» der Brüder, die oft nicht über drei Akkorde hinausging. Außerdem brauchte er sie zur Inspiration, weil er bei seiner Solo-Karriere feststeckte. Das Ergebnis ist das erste gemeinsame Album seit über drei Jahrzehnten: «The Weirdness», das vor kurzem erschien. Seitdem werden die Fans bei den Konzerten auch immer jünger - denn Iggy ist immer noch ein Erlebnis. «Unsere Musik ist nicht hart. Tatsächlich ist sie ganz entspannt. Selbst dann, wenn ich schreie.» (Carla S. Reissman, dpa)