«Stones strecken Spanien die Zunge heraus»
Frustration statt Satisfaction: Die Rolling Stones haben mit der Absage von insgesamt vier Konzerten in Spanien ihre Anhänger in dem Land nachhaltig verärgert. Zehntausende Fans waren Hunderte von Kilometern gereist, um die legendäre Rockband zu erleben. Aber als sie ankamen, konnten sie nur noch ansehen, wie die errichteten Bühnenanlagen wieder abgebaut wurden. «Ich liebe die Stones, aber ich habe den Eindruck, dass sie sich über uns lustig machen», meinte ein junger Fan aus dem Baskenland.
Nun fielen wegen einer Kehlkopfentzündung des Sängers auch die beiden Auftritte aus, die die Stones für diese Woche in der spanischen Provinz geplant hatten. Das Konzert in Valladolid (nordwestlich von Madrid) wurde wenige Stunden vor dem geplanten Beginn abgesagt. Die Show in El Ejido (Südostspanien) werde aber «mit 100-prozentiger Sicherheit» stattfinden, versicherten die Veranstalter zunächst. Keine 24 Stunden später sagten sie auch dieses Konzert ab.
Einige Spanier stellten gar die Erkrankung Jaggers in Frage. Die Zeitung «El País» bezeichnete die Kehlkopfentzündung als einen «Vorwand». Ein Fan, der vergeblich die Reise nach El Ejido unternommen hatte, äußerte den Verdacht: «Die Musiker wollen sich nur schonen, damit sie bei den anstehenden Konzerten in ihrer britischen Heimat in bester Form sind.»
Für die Stadt El Ejido bedeutete die Absage eine besonders herbe Enttäuschung. Bürgermeister Juan Enciso hatte 3,6 Millionen Euro investiert, um die Gruppe in die Stadt zu holen. Er wollte damit das Image des Orts aufpolieren, der vor sechs Jahren mit rassistisch motivierten Übergriffen auf Zuwanderer weltweit eine traurige Berühmtheit erlangt hatte. El Ejido gilt als «Europas Hauptstadt der Tomaten und Paprika». Die Stadt mit ihren 80 000 Einwohnern ist das Zentrum einer Gegend, in der unter Plastikplanen ein intensiver Gemüseanbau betrieben wird.(nz)

