04.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Madonna
Foto: Promo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In den USA war sie bereits ein kleiner Aufreger. Aber nur drei Kilometer entfernt vom Vatikan kommt Madonnas Kreuzigungsshow richtig schlecht an.
Auch wenn die Sängerin Madonna ihre wilden Zeiten - wir erinnern uns: Kuscheln mit einem schwarzen Jesus, SM-Videos und vorehelicher Sex - am liebsten komplett vergessen würde, die katholische Kirche hat ein gutes Gedächtnis. Und wohl auch deshalb gibt es nun Ärger für die mittlerweile tief religiöse Sängerin (Kabbalah-Sekte), die sich auf ihrer jüngsten Tour mit Dornenkrone schmückt und sich an ein edelsteinübersätes Kreuz binden lässt.
Beim Tourstart in den USA gab es dafür bereits Kritik, doch nun ist Madonna in Rom angekommen, wo sie am Sonntag im Olympiastadion auftreten will - gut drei Kilometer entfernt vom Zentrum des katholischen Glaubens, dem Vatikan.
Die kurze Entfernung zwischen Popstar und Kirchenvertretern hat nun den Aufruhr um die Kreuzigungsszene der «Confessions»-Tour noch einmal befeuert. Ein Kardinal fordert gar die Exkommunikation der Sängerin.
«Sich in der Stadt des Papstes und der Märtyrer selbst zu kreuzigen, ist ein Akt offener Feindseligkeit», lässt sich Kardinal Ersilio Tonini von der Zeitung «La Stampa» zitieren. «Es ist ein Skandal, der von listigen Geschäftsleuten ersonnen wurde, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen.» Das sei Blasphemie.
Nur noch erbärmlichAuch muslimische und jüdische Religionsvertreter haben Madonnas Auftritt bereits verurteilt. «Es ist nicht das erste Mal, dass Madonna so etwas aufführt. Wir missbilligen das, es ist der Ausdruck schlechten Geschmacks», so Mario Scialoja, Präsident der Muslimischen Weltliga in Italien.
«Einen respektlosen Akt» nennt es auch Riccardo Pacifici, Sprecher der jüdischen Gemeinde Roms, «und in Rom ist es um so schlimmer.»
Die US-Geistlichen hatten sich etwas gelassener gebärdet: Als die Tour im Mai in Kalifornien startete, hatte der Vorsitzende der Katholischen Liga, Bill Donohue, Madonna aufgefordert, endlich vom «Christen-Bashing» abzulassen, «es ist nur noch erbärmlich.»
Jesus wäre nicht böseMadonnas Antwort damals überlieferte ihre Sprecherin: «Madonna glaubt nicht, dass Jesus böse auf sie wäre und die Botschaft, die sie überbringen will. Jesus hat gesagt, wir sollen unseren Nächsten lieben.»
Immerhin aber ist sich die 47-Jährige mit der altbewährten Jesus-Nummer immer noch der Aufmerksamkeit sicher. Und die braucht sie auch, denn angeblich finden die Tickets nicht mehr so reißend Absatz wie in früheren Zeiten. (nz)