Orson: «Haben Sie mal eine Katze gewaschen?»
08.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Jahrelang tingelten sie durch Kalifornien, die Westküste rauf und runter, doch schien kein Label Interesse an der irgendwie ein bisschen britisch klingenden Band aus Hollywood zu haben. Ihr Album «Bright Idea» nahmen sie schließlich in Eigenregie selbstfinanziert auf.
Wie aus heiterem Himmel kam dann die Einladung nach England, und es kam Schwung in die Karriere von Orson. Dem Download-Rekord bei iTunes folgte dann auch der Plattenvertrag. Und Orson konnte sich aussuchen, welches Papier sie denn nun unterschreiben. Die Wahl fiel auf Mercury. Das unveränderte Debüt «Bright Idea» erreichte Nummer eins der englischen Albumcharts. Und dann kam Robbie Williams.
Netzeitung :Ihr Debütalbum «Bright Idea» ist wirklich schön, nur etwas verwirrend. Es ist wie ein amerikanisch-britischer Zwitter...
Netzeitung :Elton John hat sich gerade aufgeregt, dass amerikanische Rockmusiker immer tätowiert und gepierct sind. Sie sollten sich lieber an den Glam-Rock-Style eines Bowie halten... Und?
Pebworth: Ich könnte mir den Kopf rasieren und was draufkleben... Wäre das Glam? [lacht] Nein nein, Elton John ist schon fantastisch. Ich habe auch den «König der Löwen» gesehen, das war auch toll.
Netzeitung :Orson kommen aus Kalifornien, aus Hollywood. Nun leben Sie in London. Wie transferiert man das Gefühl des palmengesäumten Pazifikstrandes musikalisch ins verregnete England?
Pebworth: Tja, nicht viele Leute in Manchester werden jemals mit runtergekubeltem Fenster und der Pazifikbrise in der Nase den Highway 1 runtergefahren sein. Aber eigentlich ist die Musik doch gar nicht so anders, oder? In den USA haben wir mehr Van Halen, mehr Guns N'Roses, mehr Fleetwood Mac und hier eben die Stone Roses. Aber es hält sich die Waage, denke ich...
Netzeitung :Wenn es sich die Waage hält, warum hat es dann nicht mit dem Deal in den USA geklappt? Warum wird Orson hier so gefeiert und nicht in Ihrer Heimat?
Pebworth: Die waren schon interessiert, aber die Briten waren eben schneller...
Netzeitung :Vermissen Sie Kalifornien?
Pebworth: Natürlich vermisse ich mein Zuhause, meine Familie und Freunde. Aber würde ich tauschen wollen? Nein! Das ist gerade ein verrücktes Abenteuer!
Netzeitung :Sie touren noch bis Ende September mit Robbie Williams. Verblüfft Sie der plötzliche Erfolg, die Riesenbühnen, auf denen Sie nun spielen?
Netzeitung :Orson betont, eine Gitarren-Rockband zu sein. Was bedeutet Ihnen Rock'n'Roll eigentlich?
Pebworth: Eigentlich heißt es doch, dass man seinen Eltern auf die Nerven geht. Ich bin ein Songwriter und spiele sehr gerne sehr laut [lacht]... und ich nerve meine Eltern immer noch. Manchmal...
Netzeitung :Sprechen wir mal über das Thema Popstars im digitalen Zeitalter: Orsons Erfolg begann, nachdem Sie Ihre Songs beim Onlinenetzwerk «myspace» hochgeladen haben. Dort hat sie Paul Scaife gefunden, dem wiederum der Onlineservice «Record of the Day» gehört, wo Orson empfohlen wurde. Und dann landeten Sie bei iTunes, wo sie Download-Rekorde brachen. Brauchen wir keine Plattenfirmen mehr?
Pebworth: Wir wurden von einer Menge Leute gefunden, und viele Leute haben uns auf ihre Seite gepackt. Aber bei «Record of the Day» ist dann eben die Industrie auf uns aufmerksam geworden. Ich denke, die Musikindustrie ist im Wandel, seitdem sie erfunden wurde. Die Leute hatten Angst vor CDs, und jetzt haben sie Angst vor iTunes. Wenn Leute etwas wirklich mögen, finden sie Mittel und Wege, dran zu kommen und es zu unterstützen. Und natürlich kommen sie letztlich, um die Band live zu sehen.
Plattenfirmen sind gut und wichtig für die Werbung. Sie stellen die Mittel bereit für die größten Poster, Auftritte im Fernsehen, sie haben Geld um Künstler aufzubauen. Die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten werden sich ändern, denke ich. Das hat dann Auswirkungen auf den Wettbewerb. Ob wir nur noch «myspace» brauchen? Nein! Menschen haben eine kurze Konzentrationsspanne, sie hören oder sehen etwas, und dann wollen sie was Neues. «Myspace» ist toll, weil es visuell ist, man kann sehen, was man hört, und Bands werden behandelt wie Leute. Aber ohne Label wäre es uns gar nicht möglich gewesen, nach Europa zu kommen. Wir hatten normale Jobs...
Netzeitung: Was haben Sie gemacht?
Pebworth: Ich war Haustierbetreuer... Haben Sie schon mal versucht, eine Katze zu waschen?
Netzeitung: Nein...
Pebworth: Das ist kein Vergnügen! In Hollywood haben die meisten Leute mehrere Jobs. Man findet immer was auf den Filmsets, Kulissen malen und so...
Netzeitung: Ich kann Ihnen diese Frage leider nicht ersparen: Wie war Robbie Williams?
Pebworth: Großartig.
Pebworth: Ja, aber die Sache mit Robbie Williams ist, dass er tatsächlich eine Überdosis-Persönlichkeit ist. Das hört sich jetzt an, als würde ich ihm in den Arsch kriechen, tue ich aber nicht. Es ist einfach gigantisch - wie U2 oder die Stones, die Venues, wo wir aufgetreten sind... Der ganze Typ ist gigantisch. Amsterdam war vier Mal ausverkauft, noch Fragen?
Netzeitung: Eine hätte ich tatsächlich noch: Auf dem PR-Blatt von Orson steht über den Bandnamen diese nette Sandwich-Geschichte...
Pebworth: Was für eine Sandwich-Geschichte?
Netzeitung: Dass Sie im Diner gesessen haben, wo es Filmstar-Sandwiches gab, und dass eines Orson Welles hieß...
Pebworth: Ach die Geschichte..., ja genau, und es gab auch ein Greta-Garbo-Sandwich, aber wir fanden Orson Welles sehr cool. Der Typ war ein Rebell...
Netzeitung: Sie haben den Zettel also auch gelesen...
Pebworth: Ja. [lacht] Aber mal ehrlich: Orson Welles war ein Alien, wer nennt sein Kind denn schon Orson?
Mit Jason Pebworth sprach Sophie Albers.

