Paris Hilton - irgendwie echt: 

netzeitung.deIrgendwie authentisch: Paris Hilton in Köln

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Paris Hilton (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Paris Hilton
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Paris Hilton hat in Köln Songs ihres ersten Albums vorgestellt. Die Hotelerbin hat gegen alle Erwartungen einen ganz eigenen Gesangsstil entwickelt.

Von Sascha Woltersdorf

Es gibt Medienexperten, die nennen Paris Hilton einen «fleischgewordenen Klingelton» und haben damit zumindest ein paar Lacher auf ihrer Seite. Das Gelächter könnte sich allerdings bald in Erstaunen verwandeln, denn sie dürfte demnächst tatsächlich von Handys runterklingeln. Am Dienstag hat die Frau, bei deren Namen wohl niemand mehr an Hotels denkt, vor etwa 100 Journalisten ihr erstes Album vorgestellt. Es wird den schlichten Titel «Paris Hilton» tragen und am 4. August erscheinen. Wer in Köln allerdings zuerst nicht erschien, war Paris Hilton.

Schon seit Anfang Juni gibt es die Single «Stars Are Blind» (Warner) zu betrachten auf ihrer deutschen Webseite (www.parishilton.de) - sozusagen als Appetithappen. Die besticht mit Schlichtheit und besteht hauptsächlich aus einem seitenfüllenden Schwarz-Weiß-Porträt der Millionenerbin. In einem Fenster so klein wie ein Lidschattendöschen läuft das Video zum Song.

Darin schubbert sich die Hilton an Palmenstämmen, wälzt sich im weißen Sand oder techtelt mit einem dunkelhaarigen, gut eingecremten Schönling rum. Sie trägt vier verschiedene Bikinis und ein hellbeiges Trägerkleid, das oberhalb des Bauchnabels sehr eng geschnitten ist. Vermutlich alles Ware ihres eigenen Modelabels. Ob das grenzdebil ekstatische Strandgereibe nicht ein bisschen zu viel Softporno sei, wird sie auf der Pressekonferenz in Köln gefragt. Der Song sei eben ein Liebeslied und das bisschen Küssen, das sei doch «keine große Sache, oder?», lautet die Antwort.

Handfest fleischlich
Ach ja, die Musik: Ein harmloser, völlig entwurzelter Jamaika-Sound, der irgendwie an «Sunshine Reggae» erinnert, diesem bis heute immer wieder neu zusammengemixten Sommerhit von 1981. Das ist übrigens das Geburtsjahr der Hilton.

Wer nun den Eindruck hat, die handfest fleischliche Geschäftsfrau sei gerade dabei, sich zurück in einen Klingelton zu entmaterialisieren, liegt nicht ganz falsch. Popmusik fehlte halt noch im Hilton-Produktportfolio. Und die vier Songs des neuen Albums, die in Köln auf einer «Listening-Session» vorgespielt wurden, haben auf jeden Fall Telefonpotenzial. Aber nicht nur das, es handelt sich auch um cleveren Hitparadenstoff, für den einige der momentan teuersten Produzenten, Komponisten und Klangtüftler eingekauft wurden: Scott Storch (50 Cent) zum Beispiel oder Kara DioGuardi (Gwen Stefani, Kylie Minogue) oder auch Tony Maserati (Black Eyed Peas). Sogar Gesangsstunden habe sie genommen, erzählt die weltbekannte Dachmarke auf der Pressekonferenz, zu der sie mit fast zweistündiger Verspätung erscheint.
Gepäckprobleme
Die als Begründung angegeben «Gepäckprobleme» glaubt man sofort angesichts der kolportierten 500 Paar Schuhe und 3000 Handtaschen, die sie besitzen soll. Die Investitionen in das Stimmtraining waren hörbar sinnvoller: Das dünne, nasale Stimmchen ist zu einem reizvollen und durchaus unterhaltsamen Sprech-Hauch-Gesang fähig, der vor allem den gitarrenorientierteren Stücken wie «Jealousy» gut steht. Andere Stücke wie «Turn It Up» gehen in Richtung Dancefloor. Es soll halt für jeden etwas dabei sein.

An den Texten könnte dagegen noch gearbeitet werden. Das als erstes Stück des Albums gehandelte «Turn It Up» zum Beispiel besteht im Wesentlichen aus Hiltons Werbespruch «It's hot» sowie den Fragmenten «turn it up», «turn it on» und «party». Das klingt ähnlich überschaubar wie die gern in kurzen Hauptsätzen sprechende «Ikone» (Warner). Und wenn man bedenkt, dass «fun» zu Frau Hiltons meistgebrauchten Wörtern gehört, dann ist ihr erstes Album sogar irgendwie authentisch. Wer hätte das gedacht.

Paris Hilton: «Paris Hilton» (Warner) erscheint am 4. August