In Sehnsucht eingehüllt
29.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Verpackt in romantischen Versen hat Selma Meerbaum-Eisinger über Gefühle und ihren Alltag geschrieben. Mit nicht einmal 18 Jahren dichtete sie über ihre erste Liebe und den Krieg, der damals ihre Welt prägte. Seinen frühen Tod fand das jüdische Mädchen in einem ukrainisches Arbeitslager. Auf abenteuerliche Art und Weise konnten ihre handschriftlichen Aufzeichnungen, denen sie den Titel «Blütenlese» gab, über den Krieg hinweg erhalten werden.
Selma Meerbaum-Eisinger, Nichte Paul Celans, begann mit 15 Jahren eigene Gedichte zu verfassen. Sie übersetzte Verse aus dem Französischen, Hebräischen und Rumänischen, dichtete aber selbst in deutscher Sprache. Als 1941 die deutschen Truppen in ihrer Heimatstadt Czernowitz einmarschierten, lebte sie noch ein paar Monate zusammen mit ihren Eltern und 60.000 anderen Juden im Czernowitzer Ghetto.
Tragischerweise starb der damals 21-Jährige kurze Zeit später bei seiner Flucht nach Palästina. Das Büchlein jedoch trat eine weite Reise durch ganz Europa an, bevor er 1948 in Israel landete. Bis zur Veröffentlichung im Jahre 1980 verblieb «Blütenlese» bei Meerbaum-Eisingers Freundin aus Jugendtagen.
«In Sehnsucht eingehüllt» ist unglaubliches, beeindruckendes Zeitzeugendokument. Natürlich stimmt es nachdenklich und macht traurig, trotzdem schwinkt eine liebevolle Nuance mit. Die bildliche Sprache, derer sich Meerbaum-Eisinger bedient, ist eindeutig und auserlesen und gerade deshalb mit Musik nur noch schöner.
Leider stehen die Tourneedaten des Projekts noch nicht fest, losgehen soll es jedoch spätestens im Oktober dieses Jahres.

