netzeitung.deLoveparade vor der Wiedergeburt

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Die Nackten und die Bunten: Die Loveparade findet wieder statt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Nackten und die Bunten: Die Loveparade findet wieder statt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Alles spricht dafür, dass am 15. Juli nach zwei Jahren Pause wieder eine Loveparade durch Berlin ziehen wird. Versehen mit frischem Geld, setzen die Macher diesmal auf Basisdemokratie.

«Die Loveparade 2006 findet definitiv statt.» Starke Worte von Maurice Maué, seines Zeichens Pressesprecher der Loveparade GmbH. Aber in der Tat stehen die Chancen sehr gut, dass die Techno-Parade nach zwei Jahren Pause am 15. Juli 2006 wieder in Berlin über die Straße des 17. Juni ziehen wird.

In ihren Glanzzeiten in den Neunziger Jahren hatte die Loveparade bis zu 1,5 Millionen Raver nach Berlin gelockt. Dann allerdings folgte der Niedergang: Zu sinkenden Besucherzahlen kamen Auseinandersetzungen um den Status des Umzugs als Demonstration, mit dem sich die Macher etwa die Kosten für die Müllbeseitigung vom Leib gehalten hatten – im Jahr 2004 musste die Parade zum ersten Mal seit der Premiere 1989 abgesagt werden. Nach dem zweiten Ausfall ein Jahr später folgte die Insolvenz des Organisators Planetcom.

Umso überraschender kommt jetzt die Ankündigung der Wiedergeburt, die durch Rainer Schaller möglich wurde. Schaller ist Inhaber der McFit Fitness GmbH, mit 56 Studios und 330.000 Mitgliedern einer der Marktführer unter den deutschen Fitness-Ketten, und ihm ist es gelungen, die Insolvenz wieder rückgängig zu machen - wohl unter Einsatz eines nennenswerten Geldbetrags.

«Tanzende Friedenskundgebung»
«Wir sehen unser Engagement mittel- bis langfristig», so Schaller auf der Präsentation des Events. McFit soll bei der kommenden Loveparade auch den Platz des Hauptsponsors einnehmen und dafür eine Million Euro in den Topf tun – was Organisator Dr. Motte schon dazu brachte, wieder in die alte Hochstimmung zu verfallen: «Worte können missverstanden werden, Musik spricht alle Sprachen», so der DJ, die Loveparade sei die «größte tanzende humanitäre Friedenskundgebung», man nehme «Kontakt zu unseren Vorfahren auf, die schon im gleichen Rhythmus getanzt haben».

Eine reine McParade soll aus der Loveparade allerdings nicht werden, auch wenn Moderatorin Mo Asumang mit «Ist das der Anfang der Kommerzialisierung der Loveparade?» offenbar auf eine zehn Jahre alte Fragenliste zurückgegriffen hatte. Neben McFit will man weitere Sponsoren suchen, die helfen sollen, die Gesamtkosten von zwei bis 2,5 Millionen Euro zu decken – auch wenn Schaller andeutete, dass es an ein paar hunderttausend Euro Deckungslücke wohl nicht scheitern wird.

DJ-Suche per Abstimmung
Dafür hat man einige Modernisierungsmaßnahmen für die Parade vorgenommen: Neben stärkerer Öffnung für alle Arten elektronischer Tanzmusik ist das vor allem die Tatsache, dass die Teilnehmer am Zug die Kosten für die Loveparade-Trucks nicht mehr selbst tragen müssen.

Stattdessen soll es ein Bewerbungsverfahren über die Website geben, an dem alle interessieren Institutionen und Clubs teilnehmen können. Die Entscheidung, wer auf die Trucks darf, soll dann zur Hälfte von den Usern der Website per Abstimmung und zur Hälfte von einem noch nicht benannten Expertenteam getroffen werden – auch wenn Dr. Motte in seiner Rede merkwürdigerweise von den «von mir ausgewählten wichtigsten DJs» sprach.

«Querulanten» und «Abstauber»
Verlierer der jüngsten Entwicklung sind damit die Macher der »B Parade«. Die hatten nach der Insolvenz versucht, die Tanz-Lücke im Tiergarten zu schließen - wegen vorher geschlossener Verträge zwischen Loveparade und Land Berlin hat der Alternativ-Event allerdings jetzt keine Chance mehr auf den Paraden-Termin und wurde inzwischen abgesagt.

Dr. Motte – der sich übrigens auf der Präsentation vehement gegen Drogen aussprach – hielt das nicht davon ab, den Lückenbüßern noch ein paar markige Worte hinterher zu schicken: «Energiezerstörer», «Querulanten», «Abstauber» und «provinziell» waren nur einige der Ausdrücke, die fielen, bevor Geldgeber Schaller das Thema mit einem diplomatischen »Wir werden mit allen Interessierten Gespräche führen« und »die B Parade darf Kontakt aufnehmen« vom Tisch wischte.


Für das Web ediert von Kai Kolwitz