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Arctic Monkeys: «Tanzen ist Mädchenkram»

27. Jan 2006 07:53
Rekordspieler: Andy Nicholson, Bassist der Arctic Monkeys, geht ab bei einem Konzert der Band.
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Sie sind dreckiger als Franz Ferdinand, ihr Debüt stellt Rekorde auf. Die Netzeitung sprach mit den Briten über das Album, betrunkenes Tanzen und die Arctic Monkeys von vor 30 Jahren.

Von Steffen Rüth

Sie sind gerade erst aus der Schule – und trotzdem sind die Arctic Monkeys in Großbritannien über Nacht zu Stars geworden: Ihr erstes Album «Whatever People Say I Am, That's What I'm Not» verkaufte sich in der ersten Wochen öfter als jedes andere Debüt vorher, kein Tag vergeht, ohne dass die großen Zeitungen irgendetwas über die Arctic Monkeys zu berichten hätten.

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Dabei ist die Band kein gecastetes Produkt aus dem Labor, sondern wirklich echt und dreckig, beeinflusst von Disco und Punk und wird gerne mit den Libertines verglichen. Fans verbreiteten die frühen Demos so massiv über das Internet, bis sich die Arctic Monkeys die Plattenfirma aussuchen konnten, der sie die Ehre geben wollten. Grund genug für ein paar Fragen an Alex Turner (Gesang), Jamie Cook (Gitarre), Andy Nicholson (Bass) und Matt Helders (Schlagzeug)

Netzeitung: Sie sehen ziemlich brav aus…

Alex Turner: Ach ja, wir sind recht vernünftig. Geht ja auch nicht, sonst. Obwohl - einmal sind wir rausgeflogen aus einer Bar. In Cardiff war das.

Netzeitung: Warum?

Turner: Wir haben den Feueralarm ausgelöst. Das war verdammt Rock`n`Roll. Haben Ärger gemacht. Ganz manchmal haben wir so einen Ausbruch, aber meistens...

Netzeitung: Ihr Album ist gerade erst erschienen, doch der Hype um die Band war vorher schon gigantisch. Die Konzerte sind voll, die Zeitungen feiern Sie. Wie kommt das?

Turner: Gute Songs. Und viele Kids haben sie früh gehört, weil unsere ersten Demos schon im Internet waren. Dann waren die Konzerte gut und so sprach sich das alles herum.

Netzeitung: Wie kamen denn die Songs ins Netz?

Matt Helders: Das haben die Fans gemacht. Wir haben nur unsere Demos bei Konzerten verteilt. Aber mehr und mehr Leute wurden dann auf uns aufmerksam. Jetzt kannst du alles downloaden, auch Livesongs.

Netzeitung: Und trotzdem kam dann Ihre erste Single «I bet you look good on the dancefloor» auf Platz Eins der englischen Singlecharts.

Turner: Ganz richtig. Das zeigt, dass die Leute das Lied nicht nur haben, sondern auch besitzen wollten. Das macht man normalerweise nur bei einer Band, die man lieb hat.

Helders: Aber es war schon verrückt, die Sugababes und McFly von der Spitze zu verdrängen. McFly sind so alt wie wir, das ist eine in der Fabrik hergestellte Popgruppe. Da stehen die Achtjährigen drauf.

Netzeitung: Und wer steht auf die Arctic Monkeys?

Turner: Alle.

«Mit den Mädchen läuft es schlecht»

Netzeitung: In vielen der Songs auf dem Album geht es um Liebe – und meist läuft es schlecht für den Jungen...

Bestverkauftes Debüt: Albumcover der Arctic Monkeys.
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Turner: Ja, Mann. Aber so ist das Leben nun mal. Mit den Mädchen läuft es schlecht. Punkt.

Netzeitung: Um welches Mädchen geht es in «I bet you look good on the dance floor»?

Helders: Gemma Beans.

Turner: Wir sind mit ihr zur Schule gegangen. Wir fanden sie immer ganz okay, aber nie so «Ouh». Aber dann haben wir sie mal außerhalb der Schule gesehen, ohne Schuluniform. Wow - da fanden wir sie doch heiß.

Helders: Die ist mit Tony Bottom gegangen. Der hieß wirklich so. Und ihr Bruder hat bei Morrisons gearbeitet, im Supermarkt um die Ecke.

Netzeitung: Sehen eigentlich alle Mädchen gut aus, wenn sie tanzen?

Helders: Sagen wir mal: Die meisten. Einige wirken lächerlich und peinlich und fett, die sollten bitte besser nicht auf eine Tanzfläche gehen. Einige aber sind super. Und dann gibt es welche, die tanzen nur, wenn sie betrunken sind. .

Netzeitung: Und wie sehen Sie aus, wenn Sie tanzen?

Turner: Au, au. Nicht so gut. Ich tanze nicht gerne.

Helders: Ich auch nicht. Bloß, wenn ich betrunken bin.

Turner: Sonst nicht. Tanzen ist wirklich eher Mädchenkram.

Netzeitung: Hilft es denn beim Anbandeln, wenn man in einer coolen Band spielt?

Turner: Ich bin Single. Aber ich nutze das auch nicht. Höchstens mal kurz knutschen. Man weiß ja auch nie, wie aufrichtig die Mädels das nun meinen...

Netzeitung: Ist das nicht egal?

Turner: Naja, schon. Obwohl: Nein. Diese oberflächlichen Geschichten sind nicht so mein Ding. Ich bin jung, aber ich bin ein bisschen romantisch.

Helders: Als ich noch keine Freundin hatte, habe ich mich schon mal ein bisschen im Publikum umgeguckt.

«Wir sind die zweite Generation»

Netzeitung: Wie haben Sie das gelernt, mit dem Instrumente spielen und Songs schreiben?

Keine harten Drogen: Arctic Monkeys.
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Turner: Haben wir uns alles selber beigebracht. Und da sind wir auch ganz schön stolz drauf.

Helders: Mein Vater hat früher selbst in einer Band gespielt, er war Bassist. Hat uns eine Menge gezeigt.

Netzeitung: Stimmt es, dass die Band von Ihrem Vater auch Arctic Monkeys hieß?

Helders: Ja, das stimmt. Wir sind die zweite Generation. Dad und seine Jungs haben so Seventies Rock gemacht. Jetzt überlegen sie, ob sie sich nicht für ein einziges Konzert zusammen mit uns reformieren.

Netzeitung: Warum haben Sie sich denn überhaupt mit 15 Gitarren gewünscht?

Jamie Cook: Wir fanden das sehr cool. Damals fing ich an, sehr viel Musik zu hören, und die Gitarre elektrisierte mich eben am meisten.

Netzeitung: Was haben Sie gehört?

Cook: Angefangen habe ich mit Oasis, Oasis. Und Oasis. Vor ein paar Jahren gab es ja noch nicht so viel Indiemusik, die ich geil fand, eigentlich so gut wie gar nichts. Alles, was damals lief, war ja dieser blöde Nu Metal, Linkin Park und so. Dann kamen plötzliche die Strokes und The Coral und auf einmal hatten wir Dutzende von klasse Bands. Queens Of The Stone Ages oder System Of A Down höre ich allerdings auch gerne, das ist den anderen Jungs zu hart.

Netzeitung: Viele vergleichen Sie mit den Libertines.

Turner: Ja, und das ist auch wirklich nett, wir mögen die gern. Man kann verstehen, warum wir mit den Libertines verglichen werden, aber wir wollen nicht nachmachen, was die machen.

Helders: Und das gilt auch für unseren Crack-Konsum.

Turner: Ja, keine harten Drogen. Wirklich nicht. Wir bleiben sauber.

Helders: Trinken nur.

«Jeder Sumpfschädel hat eine Band»

Netzeitung: Wann haben Sie denn gemerkt, dass die Dinge aufwärts gehen?

Helders: Ende letzten Jahres. Da ging das los, dass die Leute bei den Liedern mitsangen. Wir haben immer schon gleichzeitig Gigs gespielt und unsere Demos aufgenommen.

Netzeitung: Kannten Sie sich eigentlich schon, bevor Sie die Arctic Monkeys gegründet haben?

Turner: Ja, wir vier sind schon ewig befreundet. Mit der Band angefangen haben wir aber erst, als wir mit der Schule fertig waren. Deshalb konnten wir nie vor unseren Schulfreunden mit der Band prahlen.

Helders: Turner und ich sind kurz aufs College gegangen. Dort hätten wir angeben können, aber da juckte das niemanden, wenn du sagst «Ich habe eine Band». Heutzutage hat halt jeder Sumpfschädel seine eigene Band. Als sie dann herausgefunden haben, was bei uns abgeht, dann hieß es immer «Warum hast du uns das nicht gesagt?» Und wenig später dann «Kann ich vielleicht bitte auf die Gästeliste?»

Netzeitung: Sind Sie alle auf dem College?

Helders: Nein, nur Alex und ich. Jamie fing mit einer Ausbildung als Maler und Lackierer an, und Andy wollte Friseur werden.

Netzeitung: In Großbritannien hat das Magazin «GQ» Alex Turner gerade zum «coolsten Mann des Planeten» gewählt…

Cook: Jaja, der arme Alex. Er ist gar nicht begeistert. Aber er ist ein ziemlich entspannter, ruhiger Typ. Das wird ihm nicht zu Kopf steigen. Vorletztes Wochenende waren wir im Pub, ein paar Kumpels von zu Hause, das ging dann die ganze Zeit so: «Hoho, coolest Man, hol mal Bier».

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Netzeitung: Wie cool ist eigentlich Ihre Heimatstadt Sheffield?

Helders: Cool wie Sau. Wirklich. Hat alles, was du brauchst.

Cook: Wir waren nicht diese typischen, gelangweilten Kids. Es gab immer eine Menge zu tun und zu erleben.

Netzeitung: Wer ist sonst noch aus Sheffield?

Cook: Human League, ABC.

Helders: Def Leppard.

Cook: Und jetzt wir.

 
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