netzeitung.deRichard Ashcroft: Knietief im Flokati

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Auf «Keys To The World» läuft Richard Ashcroft zu großer Form auf. Allerdings nur als Sänger - am Songwriting ließe sich noch arbeiten.

von Sascha Woltersdorf

Es gibt sicher schlechtere Referenzen, als von Coldplays Chris Martin vor gefühlten sechs Milliarden Fernsehzuschauern als «bester Sänger der Welt» angekündigt zu werden. So geschehen beim «Live 8»-Festival. Angesichts solcher Adelungen sollte beim Comeback-Album von Richard Ashcroft doch eigentlich nichts schief gehen können. Oder gibt es da doch ein «aber»?

Er war ja eigentlich schon ein Fall für das große Pop-Geschichtsbuch, dieser dürre Ashcroft, der damals noch mit The Verve durch Tantiemenzahlungen für ein Jagger/Richards-Sample in «Bittersweet Symphony» ordentlich gebeutelt wurde und der danach zwei kommerziell nur mäßig erfolgreiche Solo-Alben zu Stande brachte.

Aber vielleicht hat man sich an Ashcroft als einen erinnert, der mit seiner Stimme eben jene – im positiven wie negativen Sinne – Allgemeingültigkeit erschaffen kann, eben jenen berühmten Draht zu den Millionen. Und das hätte man nirgendwo anders besser demonstrieren können als auf dem Welt-Pop-Festival namens «Live 8».

Ausgeschmachtet bis zum Ende
Nun also das Comeback mit dem, wer hätte anderes erwartet, Angeber-Titel «Keys To The World». Musikalisch irgendwo zwischen Britpop und Northern Soul angelegt, bietet die Platte das perfekte Kuschelvlies für den großen Auftritt. So wie sich der ehemalige Verve-Frontmann in die zehn Songs hineinwirft, sie durchwühlt und bis zum bittersüßen Ende ausschmachtet – das hat schon was und erinnert an die ganz großen Gesten der großen Pop-Produktionen aus den späten 60er und frühen 70er Jahren.

Gut, beim Superlativ vom weltbesten Sänger muss ein bisschen der Faktor Werbung angerechnet werden, schließlich sind Coldplay und Ashcroft auf demselben Label: Parlophone. Aber es gibt und gab tatsächlich nicht viele, die Ashcrofts Sendeleistung bei der Massenansprache erreichen können.

Es hätte ein Meilenstein sein können
Da muss man schon ein bisschen weiter zurückblättern und kann feststellen: Der Mann ist auf dem besten Weg, zu einem Neil Diamond der Indierock-Generation zu werden.

Und damit zum «aber»: Zumindest in einem Punkt hätte der Frauenschwarm ein bisschen besser aufpassen können. Meistens versinkt nämlich seine blendende Hymnik in den viel zu seichten und gesichtslosen Songteppichen. Schade, aber wenn der weltbeste Sänger im Harmonie-Flokati versinkt, bleibt es bei einem «nur» ordentlichen bis gutem Mainstream-Album, auf dem vor allem der stramm rockende Opener «Why Not Nothing» die Kanten hat, die anderen Songs fehlen.

Aber insgesamt vergibt «Keys To The World» leider die Chance, ein Pop-Meilenstein zu werden.

Richard Ashcroft: „Keys To The World“ (Parlophone/EMI)