Kaiser Chiefs: «Die wollen eine richtige Band»
Seit ihrem Majordeal im vergangenen Sommer haben sie Tourneen in Europa, Asien, Australien und den USA absolviert und die Titel zahlreicher Magazine geschmückt. Band-Mitgründer Nick «Peanut» Baines hofft, dass es das noch nicht gewesen ist.
Netzeitung: Wie ist es, wenn der Traum wahr wird, in dem man plötzlich ein begehrter Popstar ist und es all den Mädchen zeigen kann, die einem einen Korb gegeben haben?
Peanut: [lacht] Das war Ricky [der Sänger]! Jeder hat Probleme mit Mädchen, also versteht es jeder, wenn man so eine Geschichte erzählt. Mit den Mädchen in der Wirklichkeit hat es allerdings nicht geklappt. Ricky hat jetzt eine neue Freundin. Ich glaube, er ist glücklich, über sie gibt es noch keinen Song.
Netzeitung: Also keine Verflossenen, die an den Türen kratzen...
Netzeitung: ...ich war diese Blonde...
Peanut: ...in diesem Club.
Netzeitung: Der Ruhm kam sehr schnell über Sie. Nachdem der erste Vertrag geplatzt war, kam im vergangenen Jahr der zweite, und plötzlich waren die Kaiser Chiefs Popstars. Kann man sich darauf vorbereiten?
Peanut: Es hat ja schon einige Zeit gebraucht, den zweiten Vertrag zu bekommen. Wir haben hart daran gearbeitet, herauszufinden, in welche Richtung wir wollen, worin wir eigentlich gut sind. Welche Art von Sounds und Songs. Aber stimmt, der Vertrag kam vergangenen Sommer, und dann ging alles sehr schnell. Auf den Ruhm kann man sich wohl nicht vorbereiten, aber darauf, die Band auf die nächste Ebene zu heben. Wir spielen jetzt große Gigs in Europa, nicht nur in Großbritannien, wir spielen in den USA, in Japan, in Australien...
Netzeitung: Und wie ist es, plötzlich japanischen Fans gegenüber zu stehen. Die sind ja etwas extremer als in Europa...
Peanut: Großartig war's. Man ist am anderen Ende der Welt, und diese Leute können unsere Songs auswendig. Vor zwei Jahren sind wir gerade mal in Leeds aufgetreten. Obwohl: Einmal in Japan, da haben uns diese ganzen verrückten Mädchen zugewunken...
Netzeitung: Und das war beängstigend?
Netzeitung: Woher kommt eigentlich dieser relativ neue Hunger nach Authentizität. Die Leute wollen wieder richtige Gitarren, richtiges Schlagzeug...
Peanut: Sie wollen, dass die Band, die auf die Bühne geht, dieselbe ist, wie die, die im Studio war. Und nicht nur etwas, das dem ähnelt. Wie häufig passiert es einem doch, dass man ein Album einlegt und es mag, und dann sieht man die Band live, und es kommt einfach nicht dran. Es ist fast die Band, die das Album aufgenommen hat, aber eben nur fast. Deshalb schreiben wir Songs, die live genauso gut klingen wie bei der Aufnahme. Wir haben zu viele Bands kommen und gehen sehen. Wir würden gerne noch ein bisschen bleiben.
Netzeitung: Und woher kommt Ihrer Meinung nach der Trend zur Live-Band?
Peanut: Die Leute hatten es satt, dass die Form vor dem Inhalt stand. Die britische Musikszene war stark an den USA orientiert. Die Strokes und die White Stripes hatten einen massiven Einfluss. Als der verebbt ist, wollten die Leute etwas anderes. Und dann tauchten Bands wie Franz Ferdinand oder eben die Kaiser Chiefs auf und haben den Hunger nach richtigen Bands gestillt. Es ist so wie in den Sechzigern mit den Beatles oder den Stones: vier, fünf Typen, die sich auf die Bühne stellen, ihre Instrumente spielen und die Menge unterhalten - und nicht sich selbst.
Netzeitung: Sind diese Bands aus Notwendigkeit entstanden oder waren sie die ganze Zeit da und haben auf den richtigen Moment gewartet?
Peanut: Bands gehen verloren und werden wieder gefunden. Ich glaube, manche Musiker haben eine Idee im Kopf davon, was sie machen wollen, aber die Zeit ist einfach nicht reif dafür. Es kommt auf den Trend an, und momentan sind Bands wie Bloc Party oder wir einfach angesagt. Das wollen alle hören. In fünf Jahren ist es dann wieder anders. Aber man weiß es ja nicht. Wir machen halt, was wir machen und verdienen damit Geld [lacht]. Ich wäre wirklich enttäuscht, wenn es nach «Employment» schon wieder vorbei wäre.
Netzeitung: Gibt es so etwas wie ein Verfallsdatum für Bands?
Netzeitung: Waren Sie immer davon überzeugt, dass es irgendwann klappen wird? Einige Kaiser-Chiefs-Mitglieder spielen zusammen seit sie 15 sind.
Peanut: Ich bin jetzt 27 und hätte eigentlich schon vor vielen Jahren aufgeben können. Zum Beispiel als ich mit meinem Ingenieursstudium fertig war oder als der erste Vertrag geplatzt ist. Aber wir haben weitergemacht. Wir haben immer darauf vertraut, dass es klappen wird, denn wir wussten, dass wir gut sind. Und das hat es dann ja auch. Darüber bin ich sehr froh, denn wir haben ziemlich viele Opfer gebracht. Keiner von uns hatte einen richtigen Job, wir haben in irgendwelchen Bars und Büros gejobbt, keine richtigen Karrieren gemacht. Manchmal war das alles andere als angenehm. Wir hatten kein Geld, konnten nicht proben.
Aber das ist es irgendwie: Ich hätte nicht gewusst, was ich sonst machen soll. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir weiter gemacht hätten, wenn es nicht geklappt hätte. Wir haben uns nie ein Limit gesetzt, wie «Mit 29 hören wir auf». Darüber haben wir einfach nicht nachgedacht.
Mit Peanut sprach Sophie Albers.

