07.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
'Wide Awake'-Cover
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Sampler «Wide Awake- Its All About Songs» gibt eine wunderbare Einführung in die Welt der Songwriter. Allen anderen dient es zur Vervollständigung der Sammlung.
«Wie Ryan Adams, der heißt doch Bryan?» Nein, heißt er eben nicht. Vier Jahre ist es her, dass der kauzige US-Künstler mit seiner Platte «Gold» die Musikwelt in Begeisterung versetzte. Sein Erfolg hat auch hierzulande einer Vielzahl unterschiedlicher Künstler die Türen geöffnet, die mit ihrer Musik an alte Traditionen des Songwritings anknüpfen, des Geschichtenerzählens.
Früher, als es noch keine Zeitungen gab, schreibt Maik Brüggemeyer in den Liner-Notes der Compilation «Wide Awake - It's All About Songs», erfuhr man aus Songs, was im Land so los war: Morde, Kriege, Schlachten, Streiks, Eisenbahnunglücke, Banküberfälle, Feste, Hochzeiten. Es dauerte zwar etwas länger, bis man davon erfuhr, dafür musste man nicht so oft zum Altpapiercontainer. Es gab die reale Wirklichkeit und die Wirklichkeit in den Liedern.
Songwriting, zu deutsch Liedermachen, erfreut sich derzeit einer prächtigen Blüte. Der irische Songwriter Damien Rice verkaufte Millionen von Tonträgern, nachdem Regisseur Mike Nichols seine Songs zum Soundtrack seines Liebesdramas «Hautnah» mit Julia Roberts und Jude Law machte. Der mittlerweile tragisch verstorbene Elliott Smith und die glücklicherweise noch lebende Aimée Mann wurden mit ihren Songs für den Oscar nominiert. Stephen Duffy, der in Bands wie Tin Tin und The Lilac Time spielte, schreibt neuerdings Lieder für Europas Entertainer Nr. 1 Robbie Williams. Alte Helden wie Lloyd Cole und Evan Dando, der Anfang der neunziger Jahre mit den Lemonheads nicht nur Mädchen den Kopf verdrehte, feiern ihren zweiten Frühling.
Von Elliott Smith bis Even DandoUnd sie alle sind auf dem «Wide Awake»-Sampler vertreten, ebenso wie der hierzulande weitgehend unbeachtete Schwede Nicolai Dunger, aber eben auch die bekannteren Helden der Szene wie der Ire David Gray (mit dem wundervollen «Easy Way to Cry») und Ron Sexsmith (mit «Whatever it Takes»). Ryan Adams ist auf dem Album übrigens mit «Come Pick Me Up» vertreten, dem in aller Bescheidenheit besten seiner Songs.
Die Compilation bietet all denen, die sich in diesem Genre noch nicht auskennen, eine optimale Einstiegshilfe. Und für die, die in dieser Musik schon lange zu Hause sind, ist es ein grandioses neues Album für die Sammlung.
LieblingsliederZusammengestellt wurde die CD übrigens von Dirk Darmstaedter, dem ehemaligen Frontman der Jeremy Days, heute seines Zeichens selber Songwriter. «Ich habe meine absoluten Lieblingskünstler mit ihren besten Songs zusammenführt», sagt er. Da verzeiht man ihm sogar, dass er gleich einen eigenen Beitrag auf den Sampler geschmuggelt hat: «Birds, Bugs and Animals», ein wundervolles Lied von seiner Ende September erscheinenden CD «Coming Up For Air».
Der Sampler «Wide Awake- Its All About Songs» wird exklusiv über Amazon vertrieben.