Hundertausende protestieren bei Live-8-Konzerten gegen Armut:
Hundertausende kommen zu Live-8-Konzerten
02. Jul 2005 16:45, ergänzt 19:21
 |  Live-8-Konzert in Rom | Foto: dpa |
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Allein in Berlin, so die Polizei, strömten 150.000 Menschen zur Siegessäule, um der Veranstaltung gegen Armut und Elend beizuwohnen. In Philadelphia werden bis zu eine Million Menschen erwartet.
Beim größten Konzertereignis der Geschichte haben Rock- und Popstars am Samstag rund um den Globus ein Zeichen gegen Armut und Elend in der Welt gesetzt. Bei insgesamt zehn Live-8-Konzerten appellierten Stars wie Madonna, Paul McCartney und Elton John an die Staats- und Regierungschefs des bevorstehenden G8-Gipfels in Schottland, mehr für die Ärmsten der Armen zu tun.
Schon zum Auftakt des deutschen Live-8- Konzerts in Berlin drängten sich mehr als 150.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor. Im Londoner Hyde Park wurden mehr als 200.000 Fans erwartet, in der US- Metropole Philadelphia am Abend bis zu einer Million. Die Live-8-Konzerte sind nach Angaben von Organisator Bob Geldof weltweit von drei Milliarden Fernsehzuschauern verfolgt worden. Geldof machte die Angabe am Samstag drei Stunden nach dem Beginn der Show in London. Die Zahl der Konzertbesucher wurde auf insgesamt zwei Millionen geschätzt.
In einer Anzeige in der britischen Zeitung «The Times hatten die beteiligten Musiker geschrieben: «Die 8 von Live 8 sind nicht etwa 8 Musiker oder Bands, sondern Sie - die 8 G8-Führer.» UN- Generalsekretär Kofi Annan dankte in London allen engagierten Musikern: «Ich glaube, dass Ereignisse wie diese wirklich dazu beitragen können, die Welt zu verändern», sagte er. «Es ist wunderbar zu sehen, dass sich so viele junge Leute an dieser Kampagne gegen die Armut beteiligen.»
Mit einem flammenden Appell von Südafrikas Ex-Präsidenten Nelson Mandela ging Afrikas einziges Konzert der weltweiten Live-8-Proteste gegen Armut zu Ende gegangen. «Wo es Armut gibt, gibt es keine Freiheit», rief der Friedens-Nobelpreisträger auf dem Mary Fitzgerald-Platz in Johannesburg. Vor dem
Schlussakt forderte er die Staats- und Regierungschefs der acht größten Industrienationen auf, keine leeren Versprechungen zu machen: «Sie haben die historische Gelegenheit, das Tor zur Hoffnung aufzustoßen.«
Toten Hosen eröffnen in Berlin
In Berlin eröffnete die Band Die Toten Hosen mit Frontmann Campino den Musikmarathon. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen über 20 Grad wechselten sich dann Rock- und Pop-Stars im Viertelstundentakt auf der Bühne ab. Mehr als 20 Bands und Künstler wie Green Day, BAP, Die Söhne Mannheims, Wir sind Helden, Juli, Silbermond, Audioslave, Roxy Music, «Beachboy» Brian Wilson und zum Abschluss Herbert Grönemeyer wollten dem jungen Publikum einheizen.«Man sieht, dass die Mächtigen dieser Welt dabei sind, leicht einzuknicken. Aber man muss sie schubsen, schubsen, schubsen», sagte Campino. Grönemeyer und Top-Model Claudia Schiffer hatten zuvor am Brandenburger Tor ein Transparent «Deine Stimme gegen Armut» unterzeichnet.
Ex-Beatle McCartney trat als erster beim Live-8- Konzert im Londoner Hyde Park ins Rampenlicht. Zusammen mit U2-Frontmann Bono sang er den Beatles-Hit «Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band». Die Anfangszeile «It was 20 years ago today.........» erinnerte an das legendäre Live-Aid-Konzert vor 20 Jahren, das ebenfalls der irische Musiker Bob Geldof organisiert hatte. Diesmal hofft er, mehr als zwei Milliarden Menschen zu Aktionen für die Ärmsten der Welt zu mobilisieren.
Robbie Williams in London
Robbie Williams wollte in London «Let Me Entertain You» singen, Elton John unter anderem «Saturday Night's Alright For Fighting». Gegen Ende sollten The Who unter anderem mit «Won't Get Fooled Again» und die nur für Live 8 wiedervereinigten Pink Floyd mit «Wish You Were Here» auftreten.Die Londoner Polizei hatte sich mit einer Urlaubssperre auf das größte Musikereignis eingestellt, das die britische Hauptstadt bisher je erlebt hat. Ein Mitglied des Königshauses wurde zu dem Konzert allerdings nicht erwartet. In der schottischen Hauptstadt Edinburgh demonstrierten am Samstag 120 000 Menschen für eine stärkere Bekämpfung der Armut. Bei der Kundgebung sollte auch eine Botschaft von Papst Benedikt XVI. verlesen werden.
Anfang machte Tokio
Das erste Live-8-Konzert hatte am Morgen in der Nähe von Tokio begonnen. In einem Stadion 60 Kilometer westlich der japanischen Hauptstadt jubelten die Fans der isländischen Sängerin Björk zu. Auch in Johannesburg erklangen Pop-Rhythmen. Auf dem 40.000 Menschen fassenden Mary-Fitzgerald-Square traten überwiegend südafrikanische Musiker und Bands auf.Das Musikeraufgebot liest sich wie ein Who's Who der internationalen Top-Stars: So wurden am Abend am Museum of Art in Philadelphia Will Smith, Jon Bon Jovi, Destiny's Child, Linkin Park, Stevie Wonder und die Black Eyed Peas erwartet. Auch in Rom und Paris waren Konzerte angesetzt. In Moskau, wo etwa die Pet Shop Boys angekündigt waren, wurden ebenfalls 200.000 Menschen auf dem Roten Platz erwartet.
Zahlreiche deutsche Fernsehsender waren mit Live-Übertragungen und Zusammenschnitten bei Live 8 dabei. Erst nach Mitternacht sollte der Musikmarathon enden. (nz)