netzeitung.de«Ist doch nur ein Lied»

 Herausgeber: netzeitung.de

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat am Dienstag erneut zwei Alben des Rap-Labels Aggro Berlin auf den Index gesetzt. Für die Rapper natürlich unverständlich.

Mehrere Songs der Rapper des Labels Aggro Berlin sind wegen der Verknüpfung von Gewalt und Sexualität sowie der Verachtung von Frauen als jugendgefährdend auf dem Index gelandet.

Nach dem Album «Aggro Ansage Nr.3» wurden nun auch «Aggro Ansage Nr.2» und «King of Kingz» von Bushido für den Verkauf von Kindern und Jugendlichen verboten, meldete am Dienstag die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Damit dürfen die Titel nur noch an Erwachsene abgegeben und nicht mehr offen verkauft werden.

Die Texte der indizierten Stücke verletzten im hohen Maße die Würde der Frau und zeichneten ein menschenverachtendes Bild, so das Urteil. Dies stehe dem Erziehungsziel diametral entgegen, «Kindern und Jugendlichen die Achtung gegenüber Mitmenschen zu vermitteln und sie für gleichberechtigte und liebevolle Partnerschaften stark zu machen». Andere Texte wiederum wirkten verrohend und reizten zur Gewalttätigkeit.

Nicht indiziert wurde entgegen der Erwartung Sidos «Arschficksong», weil das dazugehörige Video bereits früher für 16-Jährige frei gegeben worden war. Über dessen Album «Die Maske» werde allerdings noch verhandelt.

Neben Sexismus und Gewalttätigkeit findet sich in deutschen Rap-Texten derzeit auch Nationalismus, zuletzt beim Aggro-Rapper Fler, dessen Markenzeichen die Reichskriegsflagge ist. «Das Gefährliche an eurer Musik ist doch, dass Jugendliche plötzlich ganz selbstverständlich mit nationalistischen, sexistischen und extrem aggressiven Metaphern spielen», hat der ehemalige Solorapper Güngör dem Rapper Bushido in einem Streitgespräch der «Süddeutschen Zeitug» vorgeworfen.

Bushido, bei dem zwei von fünf Alben auf dem Index stehen und der jüngst von Aggro Berlin zu Universal wechselte, sah zwar ein, dass «Kollegen von mir mit Nazi-Verweisen spielen», doch habe besagter Fler aus Notwehr gehandelt, «alle seine Freunde sind verdammt stolz darauf, dass sie Araber oder Türken sind. Da hat sich Fler halt als stolzer Deutscher hingestellt», so Bushido. Er allerdings habe sich «immer von diesem Mist distanziert».

Kritik lässt er nicht an sich heran: Auf die Frage nach dem sadistisch sexistischen Frauenbild unter anderem in seinem Song «Gangbang» wusste Bushido nichts weiter zu sagen als: «So funktioniert Gruppensex». Verantwortung übernehmen wolle er nicht: «Ich sage den Kids: Wenn ihr auf Play drückt und meine CD hört, bekommt ihr 70 Minuten aus meinem Leben - wenn ihr auf Stop drückt, seid ihr wieder in eurem Leben, mit euren Eltern, euren Lehrern und der Polizei, die euch verhaftet, wenn ihr Mist baut.» Das produzierte heftige Kritik von Güngör: «Das kannst du ihnen sagen bei dir zu Hause. Aber du verlierst in dem Moment die Definitionsmacht über den Inhalt und die Intention deiner Songs, wenn sie veröffentlicht werden.»

«Es wird noch härter»
Auch als der ebenfalls mit am Tisch sitzenden Hannes Loh, ehemals Rapper bei Anarchist Academy, fragte, wie Bushido seiner Tochter, so er eine hätte, den «Gangbang»-Song erklären würde, sagte der Berliner: «Ich würde sie fragen: 'Glaubst du an das, was da erzählt wird?' Dann würde sie hoffentlich sagen: 'Papa, du weißt doch, das ist nur ein Lied.'»

Wenn Güngör Begriffe wie «Multikulti» und «Integrität» verwendete, um Rap in Deutschland zu erklären, verdrehte Bushido laut dem Bericht die Augen: «Ich mach doch nicht Musik, um Multikulti-Brei zu fördern. Mit ist das egal.»

«Die Leute können sagen, du klingst rassistisch, nationalistisch, sexistisch, kriminell, damit kann ich leben. Aber wenn sie sagen würden: Du machst politischen Rap - oh mein Gott.»

Güngörs Aufforderung, seine Popularität zu nutzen, um jungen Menschen klar zu machen, dass «nicht alles Scheiße ist, dass man nicht immer nur schlagen muss», wiegelte der Rapper ab: «In Sachen Verantwortung kann ich nichts versprechen. Ich glaube eher, es wird noch härter. Weil Leute wie ich immer mehr Aufmerksamkeit bekommen werden und das Publikum noch größer wird.» (nz)