«Ist doch nur ein Lied»
28.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Nach dem Album «Aggro Ansage Nr.3» wurden nun auch «Aggro Ansage Nr.2» und «King of Kingz» von Bushido für den Verkauf von Kindern und Jugendlichen verboten, meldete am Dienstag die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Damit dürfen die Titel nur noch an Erwachsene abgegeben und nicht mehr offen verkauft werden.
Nicht indiziert wurde entgegen der Erwartung Sidos «Arschficksong», weil das dazugehörige Video bereits früher für 16-Jährige frei gegeben worden war. Über dessen Album «Die Maske» werde allerdings noch verhandelt.
Neben Sexismus und Gewalttätigkeit findet sich in deutschen Rap-Texten derzeit auch Nationalismus, zuletzt beim Aggro-Rapper Fler, dessen Markenzeichen die Reichskriegsflagge ist. «Das Gefährliche an eurer Musik ist doch, dass Jugendliche plötzlich ganz selbstverständlich mit nationalistischen, sexistischen und extrem aggressiven Metaphern spielen», hat der ehemalige Solorapper Güngör dem Rapper Bushido in einem Streitgespräch der «Süddeutschen Zeitug» vorgeworfen.
Kritik lässt er nicht an sich heran: Auf die Frage nach dem sadistisch sexistischen Frauenbild unter anderem in seinem Song «Gangbang» wusste Bushido nichts weiter zu sagen als: «So funktioniert Gruppensex». Verantwortung übernehmen wolle er nicht: «Ich sage den Kids: Wenn ihr auf Play drückt und meine CD hört, bekommt ihr 70 Minuten aus meinem Leben - wenn ihr auf Stop drückt, seid ihr wieder in eurem Leben, mit euren Eltern, euren Lehrern und der Polizei, die euch verhaftet, wenn ihr Mist baut.» Das produzierte heftige Kritik von Güngör: «Das kannst du ihnen sagen bei dir zu Hause. Aber du verlierst in dem Moment die Definitionsmacht über den Inhalt und die Intention deiner Songs, wenn sie veröffentlicht werden.»
Wenn Güngör Begriffe wie «Multikulti» und «Integrität» verwendete, um Rap in Deutschland zu erklären, verdrehte Bushido laut dem Bericht die Augen: «Ich mach doch nicht Musik, um Multikulti-Brei zu fördern. Mit ist das egal.»
«Die Leute können sagen, du klingst rassistisch, nationalistisch, sexistisch, kriminell, damit kann ich leben. Aber wenn sie sagen würden: Du machst politischen Rap - oh mein Gott.»
Güngörs Aufforderung, seine Popularität zu nutzen, um jungen Menschen klar zu machen, dass «nicht alles Scheiße ist, dass man nicht immer nur schlagen muss», wiegelte der Rapper ab: «In Sachen Verantwortung kann ich nichts versprechen. Ich glaube eher, es wird noch härter. Weil Leute wie ich immer mehr Aufmerksamkeit bekommen werden und das Publikum noch größer wird.» (nz)

