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Ende eines Clubs: Dauerparty und Tränen im Tresor

18. Apr 2005 17:23
Tresor
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Nach zwei Wochen Abschiedsfeiern hat der legendäre Berliner Techno-Club seine Türen geschlossen. Die Fans mochten bis zum Schluss nicht glauben, dass das Gebäude nun gesprengt wird.

Von Domenika Ahlrichs

Die letzten Fans mussten von den Sicherheitsleuten nach draußen getragen werden. Einige weinten, andere klammerten sich an das, was sie gerade greifen konnten, als könnten sie damit das verhindern, was kurz darauf im Internet gemeldet wurde: «Wir haben es jetzt 14 Uhr und den Tresor gibt es seit einigen Minuten nicht mehr.»

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Ein Marcel, der selbst bis zum Schluss ausgehalten hatte, gab der Fangemeinde in aller Welt damit bekannt, dass der legendäre Berliner Techno-Club Tresor nach 14 Jahren seine Türen im wahrsten Sinne des Wortes für immer geschlossen hatte. «Ich hab zum ersten Mal seit Jahren wieder geheult, so traurig bin ich», schrieb Marcel ins Gästebuch der Tresor-Seite.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten viele Fans gehofft, dass die angekündigte Sprengung der Clubräume doch nur ein PR-Gag gewesen sein könnte. So oft schon hatte dem Tresor das Ende gedroht, doch immer war es dann irgendwie weitergegangen. Nun aber muss der kurz nach der Wende im Niemandsland nahe dem Potsdamer Platz entstandene Club einem Bürogebäude der Volksfürsorge weichen.

Stahlbeton und Rost

Betreiber Dimitri Hegemann hatte 1991 im leer stehende Wertheim-Kaufhaus in der Leipziger Straße seinen Tresor gegründet. Dort, wo die vorherigen Inhaber einst hinter schweren eisernen Gittertoren ihre Wertpapiere und Geldreserven in dutzenden Schließfächern bunkerten – daher der Name. Vor der Kulisse aus kargem Stahlbeton und Rost legten im Laufe der Jahre alle auf, die in der Techno-Szene etwas galten, etwa die DJs Paul van Dyk und Sven Väth. Binnen kurzer Zeit avancierte der Tresor zum weltweiten Inbegriff für Technokultur.

Mehr im Internet:
Im März dieses Jahres meldete Hegemann dann kurz auf der Website: Der Tresor muss schließen. Er verabschiedete sich standesgemäß. Seit dem 1. April feierte der Club dauerhaft und extensiv Abschied. Es kamen noch einmal fast alle, die sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten als Techno-DJs einen Namen machten, um mit ihren dumpfen Beats die Massen zum Kochen zu bringen. Frischluft war einer der wenigen Genüsse, die der Tresor nie zu bieten hatte, zumindest nicht unten im Keller, dort wo ein Gemisch aus Schweiß und Atem-Kondensat von der niedrigen Decke auf die Tanzenden herabtropfte.

Drei Tage Party

Am Samstag begann die letzte Party. Wer wie gewohnt weit nach Mitternacht im Tresor ankommen wollte, hatte kaum eine Chance, es in der Nacht noch hinein zu schaffen. Bereits um 22 Uhr war die Warteschlange hunderte Meter lang und so breit, dass der Bürgersteig sie nicht zu fassen vermochte. Die dritte Spur der Leipziger Straße war nur im Schritttempo befahrbar. Die meisten Autos, die dort entlang schlichen, hatten jedoch ohnehin nur weitere Fans an Bord, die sich mit Sektflaschen oder Jägermeister und Plastikbechern beladen einreihten.

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Im Tresor selbst waberte bald eine Menschenmenge aus heißgetanzten und schwitzigen Leibern. Wer tanzte, tat das auf der Stelle tretend, wer durch wollte woanders hin, musste sich mittreiben lassen oder in nasse T-Shirts greifen, um voranzukommen. Und immer noch strömten Menschen nach. Die Stimmung war ausgelassen, um 23 Uhr schon so, wie sie manche Nacht im Tresor zuvor erst gegen 1 Uhr oder später gebrodelt hatte. DJs wie S.p.u.d. ließen sich antreiben und trieben selbst an. Stunden um Stunden um Stunden.

Erschöpfte Raver

Wie reife Früchte sackten völlig erschöpfte Raver in der milden Frühlingsnacht des Gartens auf den Kies. Gegen Sonntagmorgen war es in der beschaulichen Oase mit beleuchteten Bäumchen und kleinen Teichen fast ebenso voll wie drinnen. Und immer noch standen Menschen vor den Tresor-Toren Schlange.

Die Party ging bis Montagmittag. «Der Tresor ist zu, alles findet zu seiner Ruh. Danke für die schönen Stunden, mit dir hab ich die Tristigkeit überwunden und in dir später sogar meine Frau gefunden,» dichtete ein Marco zum Schluss.

Dokumentation im Kino

«Bässe, Blitze, Klang und Farben hinterließen bei mir körperliche und emotionale Narben. Die ich aber gerne trage, denn du gleichst den Alltag aus wie eine Waage. Dein Flair soll weiter getragen werden und ihr alle sollt davon berichten euren Erben!»

Nun kommen die Sprengmeister. Hegemann darf den echten Tresor mitnehmen, wenn er möchte, um die Stahlgitter an anderer Stelle neu aufzubauen. Rechtzeitig zur Schließung kommt die Dokumentation «Tresor Berlin: The Vault & The Electronic Frontier» ins Kino.

 
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