26.04.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Thomas Anders
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach Modern Talking bastelt Thomas Anders an seiner Solo-Karriere. Im Vorfeld von zwei Konzerten und diversen TV-Auftritten stellte er sich der Presse - und Dieter Bohlen war auch irgendwie mit dabei.
Auf zwei großen Videoschirmen läuft Viva, allerdings ohne Ton. Man sieht Avril Lavigne wütend durch die Straße rennen, und Nelly Furtado fühlt sich «Powerless». Etwa 20 Medienvertreter sind gekommen, um bei Keksen und Kaffee Thomas Anders zu treffen. An den Wänden hängen Poster, die zeigen einen lächelnden Ex-Modern-Talking-Sänger mit Blick von unten, zwei «frechen» Strähnen im Gesicht, gebräunt wie immer. «Thomas Anders live in Concert» steht da. Plötzlich kommt Moderator Cherno Jobatey vorbei und fragt eine PR-Frau, ob «sein Kollege» schon da sei. «Nein, aber gleich. Er kommt pünktlich», sagt sie. Da geht er wieder.
Zwei Minuten später kommt Anders. In dunkelbraunem Cord-Jackett und hellbrauner Wildleder-Hose. Er geht vorbei an den Journalisten in den hinteren Teil des Berliner Restaurants und fängt an zu telefonieren. In diesem Restaurant sitzen sonst gerne Politiker. Aber heute ist es Anders.
«Meinen Tee bitte»Bei Viva zertrümmern Korn gerade einen Plattenladen und fragen, ob die ganze Geldscheffelei wirklich das «Music Business» ist. Anders telefoniert immer noch. Und um 11 Uhr 03, als Lionel Richie gerade in «Just For You» sehr traurig aussieht, stellt sich der Sänger vor die Kameras. «Da bin ich schon», sagt er fröhlich. Dann muss er posieren: «Noch mal zu mir bitte, und jetzt den Arm so und noch mal die Augen, Thomas.» «Ist das eigentlich gesund, so viel Blitzlicht», fragt er und bittet darum, seinen Tee nach vorne bringen zu lassen.
Die erste Frage klingt fast aggressiv: Warum er denn nur zwei Konzerte gebe, ob es zu einer Tournee nicht gereicht habe. Anders reagiert yogisch gelassen: Die kommt im Herbst, das wäre nicht so zügig zu planen gewesen. Ins Ausland will er auch, in die Türkei, nach Spanien, Russland, Litauen und Griechenland, sagt er.
Immer wieder BohlenAuf der Einladung stand zwar ausdrücklich, dass Herr Anders gerne Fragen zu seinem Konzert und seinen anderen Projekten (Grand Prix Moderation, «Best of Formel 1», TV Total und Single-Veröffentlichung) beantwortet, doch es kommt trotzdem Bohlen: Anders hat Dieter Bohlen verklagt, weil der ihm in seinem Buch Betrug vorgeworfen hat. «Bohlens Anwalt sagt, Sie hätten aufgrund des öffentlichen Interesses gerade die beste Zeit Ihres Lebens. Ist das so?» Der warme, braune Blick vereist kurz: «Wenn der das sagt, wird es wohl stimmen.»
Publikum lacht, weiter. Nein, er hätte keine Zeit für ein Album in diesem Jahr. Es sei froh, dass sein Sohn ihn überhaupt noch Papa nenne. Und da kommt schon wieder Bohlen: Ob sein ehemaliger Band-Kollege der beste Produzent gewesen sei, mit dem er je zusammengearbeitet habe. Anders hält sich wacker: «Er hat verstanden, seine Kompositionen, seine Musik, mit meiner Stimme perfekt zu produzieren.» Die neuen Produzenten seien auch sehr gut, aber es sei andere Musik.
Lustige FragenFrank Farian hat ein Buch geschrieben, in dem er Bohlen heftig angegangen ist. Dafür habe er Prominente angerufen. «Hat er sie auch angerufen?» Antwort:«Ja hat er. Aber ich will mich an der Sache nicht so beteiligen. Das Thema ist für mich abgeschlossen. Ich stehe in einem neuen Lebensabschnitt und bin recht erfolgreich.» Und falls das keiner verstanden haben sollte, wird er deutlicher: «Ich möchte meine Zukunft nicht darauf aufbauen, mich über Bohlen auszulassen.» «Fehlt ihnen Bohlen manchmal beim Musikmachen?» Starrer Blick: «Nein. Sie stellen immer so lustige Fragen.»
Max hat gute ChancenDann gehorcht das Publikum: Da er den Grand Prix moderiere, wie schätze er die Chancen des deutschen Kandidaten Max ein, will jemand wissen. Im Fernsehen ertrinkt gerade Britney Spears. Anders: «Max hat eine einzigartige Stimme. Aus meinem Gefühl heraus wird er sicher weit vorne landen. Unter den ersten drei.» Aber es komme natürlich auf die Form des Sängers an, wie er drauf sei und wie die Kleider der Tänzerinnen aussehen. Dann sagt Anders noch kurz etwas zu seinem Auftritt als Moderator bei «Best Of Formel 1». Seine manikürten Finger umklammern die Tasse Tee.
Kein Hau-zurück-BuchEine ältere Dame fragt, ob er denn auch vorhabe, ein Buch zu schreiben, und es entsteht eine gespannte Pause. «Ich habe grundsätzlich die Absicht und werde ein Buch schreiben». Natürlich wäre er damals den Zeitpunkt lässt er offen, meint aber das Bohlen-Buch vermehrt angerufen und gebeten worden, auch ein Buch zu schreiben. «Doch wäre das ein Hau-zurück-Buch geworden. Das mag ich nicht.» Es solle um ihn und sein Leben gehen «Ich möchte mit dem Finger auf mich zeigen. Nicht andere vorführen.» Natürlich werde es auch um Modern Talking gehen, schließlich sei das die Hälfte seines Leben gewesen.
Als Anders schließlich um eine Gesangsprobe gebeten wird, setzt er sich tatsächlich an ein Klavier und singt den 80er-Hit «Mandy». Und da ist es still, denn singen kann er.
»Er hat mich geküsst«Draußen stehen mittlerweile zwei Japaner und vier junge Mädchen. Als Anders fertiggesungen hat, nimmt er einen Stoß Autogrammkarten und einen Stift und geht auf die Straße. Die Mädchen kreischen wie bestellt. Er lässt sich mit ihnen fotografieren. Als er wieder verschwunden ist, kann sich eine 18-Jährige mit wallender Mähne kaum beruhigen. «Hiiiih, er hat mich geküsst», quietscht sie immer wieder. «Aber er könnte dein Vater sein...» «Ich finde den süß, da spielt das Alter keine Rolle», sagt sie mit strahlendem Blick und zeigt das Foto auf ihrem Mobiltelefon herum: «Guck mal, man erkennt sogar was».