Fury in the Slaughterhouse: Zurück auf Anfang
Netzeitung: Wenn Sie sich als 17-Jähriger heute sehen könnten, würden Sie sich mögen?
Netzeitung: Und womit nicht?
Wingenfelder: Es gibt im Leben Augenblicke - meist beruflich - da fragt man sich, ob das schon alles gewesen sein soll. Die permanente Wiederholung der ewig gleichen Sache kann langweilig werden. Das macht hilflos, das stumpft ab.
Netzeitung: Ist Rockmusik ein Dinosaurier? Was kann da noch Neues kommen?
Wingenfelder: Wir erfinden nicht das Rad neu. Das wollten wir auch nie. Wenn wir progressiv sein wollen, dann weil wir einen Song im Hier und Jetzt machen. Wir werden nicht die Musikgeschichte weitertreiben. Wir wollen Musik machen, zu der Leute heiraten, sich trennen oder Freunde zu Grabe tragen. Einen Soundtrack fürs Leben eben. Für das Modern-Progressive sind andere zuständig. Zudem hat vieles in der modernen Musik keinen bleibenden Wert. Aber ich habe den Wunsch, etwas zu machen, das die Leute mit nach Hause nehmen.
Netzeitung: Kommt mit Bands wie Franz Ferdinand oder The Strokes der Rock zurück?
Wingenfelder: Auf jeden Fall mehr Authentizität. Immer mehr Kids haben Bock auf etwas Richtiges. Die aktuelle Musik hat nichts, was dem Leben Klang verleiht. Ich glaube nicht, dass man zu irgendwelchen Armand-van-Helden-Leck-mich-am- Arsch-Remixen sagen kann «Das ist unser Lied». Das geht nicht! Aber man kann nichts dagegen tun. Man muss warten, bis es weh tut. Die Jugendkultur muss wieder das Verlangen aufbauen. Das gibt es zur Zeit nicht. Grönemeyer verkauft woanders. Vielleicht haben Bands, die jetzt brav üben, später eine Chance. Aber zur Zeit ist es eben schlecht.
Netzeitung: Woran liegt das?
Netzeitung: Ich dachte vor allem Raubkopien entwerten...
Wingenfelder: Klar gibt es ein Download-Problem. Aber das ist weniger schlimm. Sehen Sie sich mal die Musiksender an. Was gibt es denn da noch außer Sendungen wie «Dissmissed». Die Musikkultur stirbt in Deutschland vor sich hin. Und jetzt wollen auch noch Sony und BMG fusionieren. Ein «Plattenfirmenoberer» hat einmal gesagt: «Wir machen Musik, um CD-Spieler zu verkaufen, nicht um der Musik Willen.» Die Musikkultur ist nicht mehr wichtig. Brenner verkaufen ist wichtiger. Die Musik hat ihre Bedeutung verloren. Wenn Jugendliche es nicht selbst in die Hand nehmen und was machen, gehöre ich sicher einer aussterbenden Gattung an.
Mit Thorsten Wingenfelder sprach Sophie Albers

