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Fred Durst: «Es gibt Leute,
die mich fertig machen wollen«

04. Mrz 2004 07:45
Fred Durst
Limp Bizkit touren durch Deutschland. Frontmann Fred Durst sprach mit der Netzeitung über seine Affäre mit Britney Spears, den Kampf gegen sich und andere und den befreienden Abschied von der Kappe.

Eigentlich waren Limp Bizkit fast schon durch. Mit dem Album «Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water» und ihrem wuchtig-rüpeligen Nu Metal räumten Sänger Fred Durst und Gitarrist Wes Borland weltweit ab. Doch dann stieg Borland aus, und Fred fiel in ein Loch. Das neue Album «Results May Vary» stieß zunächst auf wenig Begeisterung – bis sich Durst die Kappe vom Kopf zog und begann, mit «Behind Blue Eyes» von The Who das schönste Lied dieses Winters zu singen. Ab kommenden Freitag sind Limp Bizkit in Deutschland auf Tour.

Netzeitung: Freuen Sie sich auf Deutschland?

Fred Durst: Ja, ich liebe Euer Land.

Netzeitung: Warum?

Durst: Ich mag die Mentalität. Ihr Deutschen seid recht ernsthaft, aber Ihr verarscht die Leute nicht. Man kann mit Euch reden. Außerdem hat Deutschland irgendwie was Starkes, was Mutiges an sich.

Netzeitung: Ihr Nachname klingt irgendwie deutsch.

Durst (lacht): Ganz genau. Das mag ich. Kein sehr cooler Name, muss ich sagen, aber zumindest klingt mein Name in den Vereinigten Staaten cooler als bei Euch. Hier heißt sonst fast niemand Durst.

Mehr in der Netzeitung: Limp Bizkit
Netzeitung: Mit «Behind Blue Eyes» haben Sie einen großen Hit gelandet. Überrascht Sie das?

Durst: Oh ja, das überrascht mich sehr. Vor allem deshalb, weil das Lied überhaupt nicht nach Limp Bizkit klingt. Unser traditioneller Sound ist aggressiv - laut und wütend. Eine Ballade kannten die Leute von Fred Durst bislang nicht. Ich meine, der Song ist ja sehr melodisch und sehr sanft, und ich musste mich erstmal selbst daran gewöhnen, dass ich soviel singe. Am Anfang dachte ich 'Mein Gott, Fred, ist das wirklich von dir?'

Netzeitung: So wird es auch den meisten Leuten gehen, die «Behind Blue Eyes» zum ersten Mal hören.

Durst: Es ist schon ein sehr spezieller Moment. Irgendwas passiert während dieses Songs. Ich bin wirklich glücklich, dass die Leute Limp Bizkit ganz neu, ganz anders kennenlernen. Im Video bin ich ja richtig, naja...

Netzeitung: ... nackt?

Fred Durst ohne Kappe bei
Durst: Ja, nackt. Ich habe zum ersten Mal in einem Limp-Bizkit-Video keine Kappe auf. Plötzlich kriege ich auch viel mehr Briefe und E-Mails von Mädchen, die vorher bestimmt dachten 'Hm, dieser Durst, nee, der ist mir zu wüst'. Jetzt schreiben sie plötzlich 'Eigentlich siehst du ja echt süß aus'.

Netzeitung: Haben Sie schon mal einen Song gut gefunden, und dann war es Ihnen peinlich, als Sie herausgefunden haben, von wem er ist?

Durst: Nein, wenn ich einen Song geil finde, dann finde ich den geil. Dann ist mir egal, von wem der ist. Der kann dann meinetwegen sogar von Justin Timberlake sein.

Netzeitung: Sie sagen, Sie mögen den Text des Songs besonders gerne. Warum?

Durst: Nun ja, ich habe blaue Augen, das war die Grundvoraussetzung. Und dann ist da dieses Leben, dieses Rockstar-Ding. Ich habe nie erwartet, dass sowas mit meiner Art von Musik möglich sein würde. Und niemand kann sich vorstellen, wie ich manchmal fühle.

Trotz vieler Preise nicht immer glücklich: Fred Durst
Netzeitung: Macht Sie Ihr Leben denn traurig und einsam?

Durst: Ach, ich bin schon sauglücklich, dass ich alles das machen kann, was ich immer machen wollte, und dazu ein eigenes Auto und zwei Kinder habe. Okay, ich bin nicht mit den Müttern meiner Kinder zusammen, aber trotzdem bin ich stolz auf Adriana und auf Dallas. Die zwei sind 'fucking unbelievable'. Aber manchmal bin ich auch schrecklich allein und schrecklich einsam. Ich bin immer ein sehr emotionaler Mensch gewesen.

Netzeitung: Was war denn Fred Durst für ein Teenager?

Durst: Ein Außenseiter, ein Underdog. Das ist eine Geschichte, die sich durch mein komplettes Leben zieht. Ich fühle mich immer noch nicht etabliert, immer noch unsicher. Und ständig gibt es Leute, die mich klein halten und fertig machen wollen. Viele scheinen es nicht akzeptieren zu können, dass ich so bin wie ich bin. Aber da bin ich sehr stolz drauf. Ich habe mich nie verstellt, und ich lüge nicht, auch wenn die Wahrheit manchmal unangenehm für mich sein kann.

Netzeitung: Wie wichtig war es für die Band, dass Sie nach dem Ausstieg von Wes Borland den neuen Gitarristen Mike Smith gefunden haben?

Durst: Mike ist ein Segen für Limp Bizkit. Wir kennen uns schon seit Jahren, aber ich habe nie daran gedacht, dass er zu Bizkit passen würde. Dann jedoch war klar, dass er einfach wunderbar passt, als Mensch und als Musiker. Wir haben eine tolle Chemie.

Limp Bizkit noch mit Wes Borland
Netzeitung: Eine Weile scheinen Sie gedacht zu haben, dass Sie keinen Gitarristen mehr brauchen. Oder warum haben Sie alles selbst gespielt?

Durst: Ich wusste immer, dass wir einen brauchen. Ich habe bloß nach außen so getan, als wenn ich das alles selbst machen könnte, damit dieser Druck aufhört und die Leute mich in Ruhe lassen. Wir haben halt lange niemanden gefunden. Das war ein Riesenproblem.

Netzeitung: Sie hatten angeblich im vergangenen Jahr eine kurze Affäre mit Britney Spears. Was haben Sie empfunden, als Sie in der Zeitung die Bilder von ihrer Hochzeit gesehen haben?

Durst: Scheiße, Mann.

Netzeitung: Sie haben 'Scheiße, Mann' gedacht?

Durst: Ja, ich konnte es nicht fassen. Ich meine, ich habe ja selbst mitgekriegt, dass sie ganz gerne mal einen trinkt. Aber dass sie sich so abschießt, um dann diesen Scheiß zu machen, das hätte ich selbst Britney nicht zugetraut. Mann, die ist verrückt, habe ich gedacht. Und dann: Wow, was passiert wohl als nächstes? Aber mir persönlich hätte nichts Besseres passieren können, als das, was passiert ist.

Spielt gerne den Kaspar: Fred Durst
Netzeitung: Wieso?

Durst: Im Angesicht dieses Wahnsinns ist es nicht schwer zu realisieren, dass ich kein Lügner bin. Alle dachten doch, der Durst ist ein Angeber, die hätte den sowieso nie rangelassen und überhaupt: Das arme Mädchen. Schwachsinn! Ich habe die völlige Wahrheit erzählt. Und nach diesem Las Vegas-Ding kann sich das auch jeder wohl gut vorstellen.

Netzeitung: Was macht ein Fred Durst, wenn er sich entspannt?

Durst: Das wüsste ich auch gerne! Ich mache immer irgendwas. Entweder bin ich im Studio oder arbeite in meiner Firma, oder ich schreibe am Drehbuch zu meinem ersten Film - über das ich aber noch nichts verraten möchte - oder ich lese Bücher über Philosophie. Mann, ich bin unfähig, mich zu entspannen. Das nervt ganz schön.

Netzeitung: Und wie könnte sich das ändern?

Durst: Indem ich die Frau meines Lebens treffe. Ich weigere mich, diese Hoffnung aufzugeben, weil die Zukunft aus Hoffnung besteht, sonst wären wir unfähig zu existieren. Die Traumfrau wird mir mir alle Last von den Schultern nehmen, und ich werden nur noch schweben vor Glück.

Mit Fred Durst sprach Steffen Rüth

 
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