Hooverphonic: Soundtrack fürs Wohnzimmer
Ende der 90er befreite sich die Band um Callier aus der nichtssagenden Triphop-Schublade und gelangte über ein melancholisches, Streicher geladenes Album («The Magnificent Tree») zu einem gelungenen Zusammenspiel von orchestralen, melancholischen und funky Elementen.
Möchte man den Hooverphonic-Raum definieren, bieten sich drei Ebenen an. Die Tiefe einer Portishead-Platte, die ätherische Stimmung eines Goldfrapp-Stücks und die Laune einer Morcheeba-Produktion treffen sich im Werkraum der drei Musiker Alex Callier, Raymond Geerts und Geike Arnaert.
Rechts und links davon spielt eine Bigband mit umfangreichem Bläsersatz. So falsch ist diese Vorstellung jedoch nicht, denn Hooverphonic haben tatsächlich keine staubigen Samples gekauft, sondern sie ließen die Bläserelemente live einspielen. Ob Geike eine Showtreppe beschreiten musste, ist nicht kolportiert. Das Album schließt mit Glamour und einem letzten «Kiss» für den Hörer.
In «One», dem zweite Stück, erinnert Geikes Stimme in ihrer Zerbrechlichkeit an goldfrappige Harmonien.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass es Titel gibt wie «Jackie's Delirium», «Opium» und «The Last Supper».
Die Band selbst schreibt im Übrigen die meisten Stücke gemeinsam, obgleich Callier im wahrsten Sinne federführend ist. Doch Geerts und Calliers Verbundenheit beruht nicht nur auf der oberflächlichen Liebe zur Musik. Beide wurden durch Angelo Badalamenti beeinflusst, der wegweisende Komposition in die Welt entließ, wie die Soundtracks zu den Filmen «Twin Peaks», «Kampfstern Galaktika» oder «The Beach».
Nicht nur die eingefleischten Homelistener schätzen sie, auch Werbe- und Filmregisseure. So schmückten Hooverphonics Stücke unter anderem verschiedene europäische Werbespots, den Bertolucci-Film «Gefühl und Verführung» und unterlegten Szenen in «Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast». Nun ist das neue Album der Belgier dann als ein Soundtrack für private Wohnzimmerabenteuer erhältlich.
Für das Web ediert von Marc Strucken

