netzeitung.deHooverphonic: Soundtrack fürs Wohnzimmer

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Hooverphonic im Garten. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hooverphonic im Garten.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die belgische Band Hooverphonic hat ein neues Album gemacht. Es zeichnet das Leben der Sängerin Jackie Cane nach und liefert feines Kino für die Ohren.

«Jetzt sind sie 80er hip, und wir haben keine Lust mehr darauf», erklärt Alex Callier, Kopf der belgischen Gruppe Hooverphonic. Fünf Jahre gingen seit ihrem ersten Album in die Geschichte ein, und nun steht das vierte Album der Band kurz vor der Veröffentlichung: «Hooverphonic presents Jackie Cane». Ein Werk, das so wenig dem ersten, stark durch die 80er Jahre beeinflussten Album ähnelt, dass die verstrichenen fünf Jahre auch eine halbe Ewigkeit hätten sein können. Vordergründig brachte der Ausstieg der ersten Sängerin Liesje Sadonius schon einen deutlichen Richtungswechsel.

Ende der 90er befreite sich die Band um Callier aus der nichtssagenden Triphop-Schublade und gelangte über ein melancholisches, Streicher geladenes Album («The Magnificent Tree») zu einem gelungenen Zusammenspiel von orchestralen, melancholischen und funky Elementen.

Möchte man den Hooverphonic-Raum definieren, bieten sich drei Ebenen an. Die Tiefe einer Portishead-Platte, die ätherische Stimmung eines Goldfrapp-Stücks und die Laune einer Morcheeba-Produktion treffen sich im Werkraum der drei Musiker Alex Callier, Raymond Geerts und Geike Arnaert.

Keine Konserven hier
Grooviger Sixties-Sound, wie ihn ein Frank Popp zelebriert, bestimmt Anfang und Ende des neuen Albums. «Sometimes» beginnt mit dem bittersüßen Gesang der Geike Arnaert, und unvermittelt sieht man sie akustisch eine glitzernde Showtreppe hinuntersteigen.

Rechts und links davon spielt eine Bigband mit umfangreichem Bläsersatz. So falsch ist diese Vorstellung jedoch nicht, denn Hooverphonic haben tatsächlich keine staubigen Samples gekauft, sondern sie ließen die Bläserelemente live einspielen. Ob Geike eine Showtreppe beschreiten musste, ist nicht kolportiert. Das Album schließt mit Glamour und einem letzten «Kiss» für den Hörer.

In «One», dem zweite Stück, erinnert Geikes Stimme in ihrer Zerbrechlichkeit an goldfrappige Harmonien.

Spanische Klänge
Auch indianische und spanische Einflüsse tauchen bei der Wanderung durch die Soundlandschaften des Albums auf. Alles wird überspannt von der bewegten Story der «Jackie Cane», einer Pop-Diva, die an ihrem Erfolg zerbrach. Die Stücke zeichnen die Erfolge und Niederlagen der Sängerin Cane nach.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass es Titel gibt wie «Jackie's Delirium», «Opium» und «The Last Supper».

Bei der Produktion steht der Band Hooverphonic als Toningenieur Ali Staton zur Seite, der schon Lamb, Nitin Sawhney oder Mushtaq abmischte.

Die Band selbst schreibt im Übrigen die meisten Stücke gemeinsam, obgleich Callier im wahrsten Sinne federführend ist. Doch Geerts und Calliers Verbundenheit beruht nicht nur auf der oberflächlichen Liebe zur Musik. Beide wurden durch Angelo Badalamenti beeinflusst, der wegweisende Komposition in die Welt entließ, wie die Soundtracks zu den Filmen «Twin Peaks», «Kampfstern Galaktika» oder «The Beach».

Geeignet auch als Werbeclip
Da das Schicksal es besser mit Hooverphonic meint als mit ihrer tragischen Heldin Jackie Cane, verzeichnen die drei Musiker mit jedem Album Erfolge.

Nicht nur die eingefleischten Homelistener schätzen sie, auch Werbe- und Filmregisseure. So schmückten Hooverphonics Stücke unter anderem verschiedene europäische Werbespots, den Bertolucci-Film «Gefühl und Verführung» und unterlegten Szenen in «Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast». Nun ist das neue Album der Belgier dann als ein Soundtrack für private Wohnzimmerabenteuer erhältlich.


Für das Web ediert von Marc Strucken