netzeitung.deG.B.Z. Connectz: Alles dreht sich um Berlin

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Harris und Dean - die Spezialisztz aus Berlin (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Harris und Dean - die Spezialisztz aus Berlin
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Berliner Rapper Harris von den Spezializtz hat es mit seinem Kollegen Dean geschafft, die deutsche Hiphop-Szene gemeinsam ans Mikrofon zu bekommen. Im Interview mit der Netzeitung spricht er über den langen Weg dorthin und deutsche Kritiker.

Vor zwei Jahren traten zwei Berliner Hiphopper an, ein Vorurteil zu wiederlegen. Dean und Harris, auch bekannt als die Spezializtz, wollten zeigen, dass die deutsche Hiphop-Szene doch miteinander kann. Die zwei afro-deutschen Rapper haben jetzt den Beweis erbracht: Mit der «G.B.Z. Connects»-Party startet am Freitag in der Columbiahalle in Berlin eine der größten Recordrelease-Parties für einen Hiphop-Sampler. Das Lineup ist ein Who-is-Who der Szene. Wie es zu dieser Kooperation kam, warum es zwei Jahre dauerte und was Harris von Reggae hält, sagte er im Interview mit der Netzeitung.

Netzeitung: Harris, welche Idee steht hinter dem Projekt «G.B.Z. Conntectz»?

Harris: Wir saßen vor zwei Jahren im Café und kamen da auf die Idee. Wir wollten zeigen, dass das alles so nicht stimmt, was die Medien über Rapper bringen. Der kann den nicht leiden und so weiter. Wir wollten Musiker zusammen bringen, die schon immer etwas zusammen machen wollten und das nicht geschafft haben. Freunde von uns sagten: Ich würde gerne mal was mit dem und dem machen. Fragen kostet nichts und die ersten Verbindungen standen. Wir haben einfach unsere Connections spielen lassen und alle Freunde und Kollegen gefragt, ob sie mitmachen wollen. Tja, und jetzt machen wir die Release-Party in der Columbiahalle. Das ist schon irgendwie dreist!

Netzeitung: Aber es hat immerhin zwei Jahre gedauert bis alles fertig war. Was stand im Weg?

Harris: Zum einen haben wir kein Label wie Sony im Rücken, das uns Geld für alles hinlegt. Wenn Künstler zu uns nach Berlin kommen, dann müssen wir die Bahntickets und das Hotel selber bezahlen. Außerdem hatte nicht jeder Zeit, wie er will. Moses P. hätte sehr gerne mitgemacht, hatte aber zu viel mit seinen Sachen zu tun. Einer konnte nicht zum Videodreh kommen, weil er von seiner Plattenfirma nicht freigestellt wurde.

Netzeitung: Welche Kollaborationen sind bei euren Connections heraus gekommen?

D-Flame ist auch bei G.B.Z. Connectz dabei.Foto: Dackel Enerprise
Harris: Was soll ich sagen? Jede Menge Tracks, die teilweise gar nicht mehr auf dem Sampler sind, weil es einfach zu viele sind. Ich mache ein Stück mit Ferris MC, Samy Deluxe und Bintia. Mein Partner Dean macht ein Stück zusammen mit Xavier Naidoo und eins mit Black Kappa und D-Flame. Auf jeden Fall haben wir viele Berliner MCs auf der Liste, die mit Jungs aus Stuttgart oder Hamburg zusammen rappen. Es war wie ein kleiner Spielplatz für alle.

Netzeitung: Das Stück von Dean, Black Kappa und D-Flame ist sehr Reggae-lastig. Was haltet ihr überhaupt vom Sommer-Trend «Reggae»?

Harris: Wir werden nicht auf diesen Zug aufspringen! Aber wir haben schon auf unserer ersten Platte solche Tracks gehabt und Dean ist noch mehr bei der Sache. Aber wir bleiben bei Hiphop. Allerdings habe ich Respekt vor der Reggae-Szene. Die ist viel offener für Neues. Sonst wäre so ein Boom wie bei Gentleman, Seeed und wie die Chaoten sonst noch heißen nicht möglich. Im Reggae wird man als neuer Act schneller akzeptiert, als im Hiphop. Da muss man erst einmal einiges über sich ergehen lassen. Wo kommst du her? Machst du überhaupt echten Hiphop? Und ähnliches. Ich bin aber auch offen für Neues. Ich gehe im Moment zum Beispiel voll auf House ab.

Netzeitung: Wo wir schon bei Trends sind – wohin geht der Trend in Berlin?

Harris: Der Trend ist auf jeden Fall, nach Berlin zu ziehen. Die Leute finden es, glaube ich, cool und trendy zu sagen, ich wohne in Berlin. Aber das hängt wohl auch damit zusammen, dass hier die ganzen Plattenfirmen vor Ort sind. Aber auch die kleinen Labels sind hier und geben Leuten die Möglichkeit, einzusteigen.

Bintia - die Grande Dame des HiphopFoto: Dackel Enerprise
Netzeitung: Ihr Spezializtz seid in verschiedenen Medien wegen eures recht offenen Umgang mit dem Kiffen kritisiert worden. Was sagst du zu eurer Vorbildfunktion für die Kids, die eure Musik hören?

Harris: Wenn ich vom Kiffen rappe, dann ist das nicht annähernd so schlimm, wie das, was Kerle wie Eminem und Jay-Z von sich geben. Die Kids kaufen die genauso wie unsere Platten, aber in deren Texten geht es darum, wie viele Nigger jemand umgelegt hat oder wie viele Kilos Kokain der vertickt. Deshalb finde ich deutsche Kritiker zum Kotzen, wenn sie solche Platten in der Juice über alles loben und unsere verreißen, weil wir vom Kiffen reden. Wenn aber ein 10-Jähriger zu mir kommt und meint: Ich habe wegen dir mit dem Kiffen angefangen, dann sage ich ihm: Chill mal und geh in die Schule. Ich hab auch nicht mit zehn angefangen zu kiffen. Wir passen schon auf mit unseren Texten.

Netzeitung: Was steht nach der Release-Party am Freitag als nächstes auf dem Plan?

Harris: Ein Monat Pause erst einmal. Ich lege aber weiter beim «Club G.B.Z.» im Tacheles auf. Unser neues Album fangen wir im Herbst an, damit es dann so im Februar 2003 fertig wird. Und ansonsten dreh ich noch einen Film.

Netzeitung: Was für ein Film wird das wohl, wenn du mitspielst?

Harris: Das wird ein «Starsky&Hutch»-Remake mit mir sogar in der Hauptrolle. Mein Partner wird Max von Thun sein, und Dean ist mein Drogendealer. In der Nebenrolle spielt auch Sandra Nasic, die Sängerin von den Guano Apes, mit. Der Film soll so ein bisschen wie «Snatch» sein und spielt in Paris, New York und Beirut. Gedreht wird das ganze von den Wanowski Brothers, die auch schon die legendäre «Rettet-das-Tacheles-Party» gemacht haben. Unser Drehbeginn ist im Januar.