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Warten auf den Durchbruch: Blumentopf (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Warten auf den Durchbruch: Blumentopf
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Trotz Fanta 4-Unterstützung und ausverkaufter Tournee sind Blumentopf bisher nur Insidern bekannt. Ein neues Album der freundlichen Rapper soll das nun ändern.

«Zum Abspielen die Nadel in die Rille legen.» Die Navigation durch Blumentopfs Homepage wird manch jüngerem Besucher nicht leicht fallen. Sind Plattenspieler doch längst aus der Grundausstattung eines deutschen Durchschnittshaushalts verschwunden.

Aber Blumentopf machen Hip-Hop, besser gesagt Rap mit deutschen Texten und mit so etwas wie Seele. Da ist das aus der Mode gekommene Abspielgerät auf der Bühne natürlich ein Muss. Und weil's so schön anachronistisch wirkt, führt bei den fünf Freisinger Freidenkern daran selbst im Internet kein Weg vorbei.

«Nicht mal an Gage gedacht»
«Die Töpfe», wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden, erinnern ohnedies gerne an die Zeiten, in denen Mikros noch Kabel hatten, und die Security bei Konzerten noch «freundlich» war.

Und da das alles nach ehrlichem Bedauern klingt, nimmt man ihnen den Rückblick auf die eigenen musikalischen Gehversuche auch ab. «Bei den ersten Gigs haben wir nicht mal an Gage gedacht, und als es Fahrtkosten gab, glaubten wir, wir haben's geschafft...,

Auf der Suche nach dem Kabel: BlumentopfFoto: Fourmusic
heißt es auf dem neuen Album «eins A».

Ihre Musik am Publikums- oder gar am Kritikergeschmack auszurichten, kommt natürlich weiterhin «nicht in die Tüte». Da probieren DJ Sepalot und die vier MCs Kung Schu, Holunder, Specht und Master P lieber auf Umwegen populärer zu werden: Wenige Wochen vor ihrem am 1. Oktober erscheinenden dritten Album veröffentlichen sie mit den befreundeten österreichischen Bands Total Chaos und Texta ein Gemeinschaftsprojekt. Ziel des Unternehmens «Kaleidoskop», das seinen Ursprung bei gemeinsamen Auftritten 1998 nahm, ist es, deutschem Hip-Hop völlig neue Seiten abzugewinnen.

Kritik an der SzeneKeine Lust auf Kaffeklatsch: BlumentopfFoto: Fourmusic
Doch so spannend die Zusammenarbeit mit anderer Formationen auch sein mag, Blumentopf pur – das beweist das «eins A» Album – ist weitaus spannender als alle Kooperationen. Auch, weil sie sich auf ihrem Longseller kritischer mit der in allen Medien omnipräsenten «Rapszene» auseinandersetzen. Kung Schu «kotzt das ganze Kaffeeklatschmäßige» nach eigener Aussage schon länger an: «Wenn so viele Leute plötzlich am Besten Bescheid wissen, geht´s einem langsam auf den Keks.»

Zwar gehören die begnadeten Freestyler nicht zu den unmittelbaren Begründern der hiesigen Szene - sie traten 1996 mit der EP «Abhängen» ans Licht der Öffentlichkeit – aber immerhin gehören sie zu dem Beständigsten, das der deutsche Markt in Sachen Hip-Hop-Musik derzeit zu bieten hat.
Plattenvertrag von Smudo
Dafür ist die bestehende Fangemeinde umso eingeschworener, und bescherte den Töpfen drei ausverkaufte Tourneen in Folge und eine viertel Million verkaufter Longseller. Ihre alltägliche Sichtweise, ihre Geschichten von nebenan fielen auch Smudo von den Fantastischen Vier auf, und das bereits gleich zu Beginn ihrer Karriere. Seither veröffentlichen die Jungs beim Fantaeigenen Label «Four Music» und fühlen sich dort auch offenkundig wohl. Was vor allem daran liegt, dass sie keine Angst haben, verheizt zu werden, sondern behutsam aufgebaut werden.