«Mehr als nur ein paar lustige Typen»
Sie waren die Pioniere des deutschen Hip-Hop und auch nach über zehn Jahren ist das schwäbische Sprechgesang-Quartett noch immer erfolgreich im Musikgeschäft. Für Bandmitglied Smudo, der im wahren Leben Michael Schmidt heißt, ist ein Ende daher nicht abzusehen. Für ihn ist Hip-Hop ohnehin keine ausgesprochene Jugendmusik.
Netzeitung:«BAP» hat Wim Wenders als Regisseur für ihren neuen Musikfilm gewonnen - sind Sie da nicht eifersüchtig?
Smudo:«Wim Wenders kann sich ja jeder kaufen (lacht). Die wahren Talente wie unser Regisseur Dieter Zimmermann hingegen müssen erst entdeckt werden.»
Netzeitung:Wer hatte die Idee zu dem Filmprojekt? Die Marketingstrategen der Plattenfirma?
Smudo:«Nein, der Film ist völlig unabhängig von einer neuen Platte oder Tour entstanden.
Netzeitung:Welchen Einfluss hatten die «Fantas» auf den Film über die «Fantas»? Waren die Interviewfragen vorher abgesprochen?
Smudo:«Nein, das war eher eine entspannte Gesprächsführung. Es gibt unendlich viel Material. Der Regisseur hat uns fast zwei Jahre lang ständig begleitet. Eigentlich haben wir uns nur im Schneideraum ein wenig eingemischt, wo es allerdings nur um zwei winzige Kleinigkeiten ging.
Netzeitung:Werden «Fanta»-Fans nach dem Film klüger sein?
Smudo:«Ich denke schon. Auch der Hardcore-Fan hat vermutlich noch nicht gesehen, wie wir nach einem Konzert unseren Auftritt kritisieren. Oder wie wir leben, was Thomas etwa auf seinem Bauernhof so macht.»
Netzeitung:Man sieht die Eltern und Kindheitsaufnahmen - welche Freundinnen die «Fantas» haben, bleibt allerdings tabu.
Smudo:«Eltern können eben nicht mit einem Schluss machen oder einfach neue Söhne bekommen.
Netzeitung:Die Fantas haben den deutschen Hip-Hop einst gesät, heute ernten viele andere mit - Stolz darauf?
Smudo:«Die technische Voraussetzung, Hip-Hop zu machen, ist heute natürlich anders, aber deswegen wird es nicht automatisch besser. Aber Fortschritte in der Popmusik haben überwiegend mit der Technik zu tun, mit der man die Musik macht.
Was deutschsprachige Musik angeht, sind wir mit ein Auslöser und Symptom dafür, dass es neues deutschsprachiges Bewusstsein in der Popmusik gibt. Unser Erfolg hat andere Bands wie »Echt« sicher auch inspiriert. Andererseits gäbe es auch für uns diesen Erfolg gar nicht, wenn nicht ein Bedürfnis nach deutschsprachiger Musik bestünde.»
Netzeitung:Viele der Bands entpuppen sich als Eintagsfliegen - schadet Ihnen diese Inflation?
Smudo:«Uns direkt wohl kaum, aber als Fan dieser Musik und als Label-Macher sehe ich das schon etwas mit Bedauern, denn Talent oder Bandqualität lassen sich nicht einfach herstellen, das muss man finden und entwickeln. Weil Hip Hop momentan jedoch noch immer ein betriebswirtschaftlicher Faktor in der Branche ist, wird jede Band, die eigentlich besser noch zwei Jahre im Proberaum geblieben wäre, öffentlich präsentiert, auch wenn sie nie noch gar nicht reif dafür sind, irgendeine Aussage zu haben.»
Netzeitung:Die «Fanta» waren die Pioniere, zugleich auch die Ersten, die beim kommerziellen Ausverkauf dabei waren mit einem Werbesong für einen Orangensaft. Diese Jugendsünde fehlt im Film, warum?
Smudo:«Die Sache ist schon ziemlich alt und wurde in genügend Interviews durchgekaut.
Netzeitung:Hip-Hop ist Jugendkultur - Angst vor dem Ende?
Smudo:«Ich bin nicht der Ansicht, dass es eine biologische Grenze gibt, um Hip-Hop-Musik zu machen. Auch Rock'n Roll war einmal eine Jugendkultur und ist irgendwie alt geworden. Wir werden sehen, ob Hip-Hop das nicht auch kann.
Netzeitung:Wächst das Publikum mit den «Fantas» mit?
Smudo:«Lustigerweise wächst das Publikum tatsächlich mit. Eigentlich schade, dass man im Film nur die jungen Fans sieht. Aber das sind eben die, die sich bis zur Bühne vorarbeiten, weil sie die Zeit haben, sich früh anzustellen. Das ältere Publikum steht immer weiter hinten.»
Netzeitung:Von unheimlichen Fan-Begegnungen der dritten Art ist im Film nicht viel zu sehen.
Smudo:«Na, diese beiden Mädels mit den Zahnspangen sind schon unheimlich genug - ich könnte doch glatt deren Vater sein.»

