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Gitarre und Streicher laden zum Kuscheln ein: Russell Malone (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gitarre und Streicher laden zum Kuscheln ein: Russell Malone
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Von Charlie Parker bis Wes Montgomery haben Jazzer musikalische Romantik am liebsten mit Streichern ausgedrückt. Jetzt wird es auch bei Russell Malone ganz soft.

Chet Baker, Clifford Brown Charlie Haden haben es längst schon vorgemacht. Wenn es romantisch werden soll, dann spielt man am besten mit Streicherensembles.

Gitarrist Russell Malone dürfte die Aufnahmen seiner Musiker-Kollegen kennen. Sein am Dienstag erscheinendes sechste Solo-Album «Heartstrings» ist dennoch nicht ganz die übliche Jazzkuschelei.

Nicht das übliche Repertoire
Normalerweise werden bei den Jazz-mit-Streichern-Projekten allseits bekannte Jazzstandards der 20er, 30er und 40er Jahre genommen und zum x-ten Male eingespielt. Russell Malone und Produzent Tommy LiPuma haben sich stattdessen
für Anne Murrays Hit «You Needed Me», den Gospel-Klassiker «What A Friend We Have In Jesus» und «Guess I`ll Hang My Tears Out To Dry» von Sammy Cahn und Jule Styne entschieden.

Jazz ist für Malone «ein Synonym für die Art und Weise, wie man etwas macht.» So nimmt Malone denn auch Songs unterschiedlichster Herkunft. Da gibt es «Wind In The Willow», das durch den Varietésänger Michael Feinstein bekannt wurde, aber auch «Handful Of Stars», ein Klassiker von Nat King Cole und Stan Getz.

Keine Festlegung auf Jazz
Für Malone haben alle Songs des Albums «starke Melodien». «Ich bin stolz darauf, jede Menge Stücke zu kennen. Deshalb wird mir wohl nie das Material ausgehen.»
Der Gitarrist will sich nicht auf Jazz festlegen. Zwar spiele er Jazz, aber er höre «alles». Rhythm'n'Blues, Gospel, Rock, Blues, Varieté-Musik oder Country.

«So sehr ich den Jazz liebe, ich würde nie den Fehler machen zu behaupten, daß er mehr wert sei als Rock, Rhythm`n`Blues, Gospel oder Country», versicherte Malone jüngst dem Branchenblatt «Jazzecho».

«Ich würde das nie sagen, weil ich selbst alle Arten von Musik liebe. Mir macht es genauso viel Spaß, mir ein Album von Willie Nelson anzuhören wie eine Einspielung von Duke Ellington. Es gibt genug Jazzer, die Künstler, die eine andere Musik machen, herablassend behandeln. Das käme mir nicht in den Sinn.»

Gute Streicher-Arrangeure
Malone war 25 Jahre alt, als er 1988 von der Hammond-Legende Jimmy Smith in dessen Band geholt wurde. Von 1990 bis 1994 begleitete er den populären Sänger und Pianisten Harry Connick Jr.

Seine erste Aufnahme unter eigenem Namen machte Russell Malone 1992 für Columbia Records. Dem titellosen Debütalbum folgte 1993 «Black Butterfly» und 1995 «Wholly Cats».

Arrangiert wurden die Streicher auf «Heartstrings» von den größten Namen in der Branche. Johnny Mandel schrieb die Streicherarragements für «How About Me?» und den Titelsong «Heartstrings». Der Pianist Alan Broadbent lieferte die Arrangements für «Loved Ones», «You Needed Me» und «Why Try To Change Me Now?».

Große Vorbilder und Lehrer
Inspiriert wurde Malones Stil ganz offenkundig von den Jazz-Größen der Gitarre George Benson, Wes Montgomery und Charlie Christian. Von Nat King Coles Gitarrist John Collins lernte er, dass «die Gitarre klingen kann, wie ein kleines Orchester».

Auf «Heartstrings» spielen damit gleich mehrere Orchester neben Malones Gitarre. Es ist Musik für einen entspannten Abend, an den Tagen, an denen es niemals so richtig hell wurde. Noch mag es zu früh dafür sein, doch der Herbst kommt, und dann ist es gut, diese CD zu haben.



Für das Web ediert von Jens Teschke