15.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Gunter Gabriel
Foto: Warner Music
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Gunter Gabriel covert jetzt Peter Fox und Radiohead, hat sein neues Album «Sohn aus dem Volk» genannt und packt in seiner Biografie über seine Lebenskrise aus. Eine Begegnung mit einem, der einfach nicht aufgeben will.
Es ist sein gefühlt 30. Comeback: Country-Barde und Steh-Auf-Männchen Gunter Gabriel promotet dieser Tage in Frankfurt eine neue CD und seine Autobiografie. Das Album ist das erste seit seiner Johnny-Cash-Platte vor sechs Jahren und trägt den Titel «Sohn aus dem Volk». Es ist vor allem ein wildes Sammelsurium an Cover-Nummern, etwa des Peter-Fox-Hits «Haus am See», und kommt am 23. Oktober in die Läden. Eine erste Kostprobe daraus gab Gabriel am Mittwochabend im minikleinen Club Ponyhof im hessischen Alt-Sachsenhausen zum Besten - vor etwa 70 Fans. Für Donnerstagabend hatte sich der 67-Jährige dort erneut angekündigt. Am Samstag liest er auf der Buchmesse aus seinem vorige Woche erschienenen Buch «Wer einmal tief im Keller saß».
«Ich will jetzt mal 'nen anderen Gabriel zeigen...»«Ich will jetzt mal 'nen anderen Gabriel zeigen, runderneuert, im feinen Zwirn, etwas gesetteltere, nachdenklichere Lieder», erzählt Gabriel der Nachrichtenagentur dpa. «Sonst war ich ja mehr rockabillymäßig unterwegs, jetzt mach ich mehr auf Ballade, in dem Bewusstsein ein alter ... Mann zu sein - um das Wort Sack mal zu vermeiden.» Die erste Single-Auskopplung seines Albums heißt «Ich geb' den Rest für dich» und ist eine echte Schnulze. Ziemlich überraschend auch das Cover der Radiohead-Hymne «Creep». Bei Gabriel: «Ich bin ein Nichts».
«Ich hör' auch Eminem»Radiohead und Peter Fox nachgesungen von Gunter-«Komm unter meine Decke»-Gabriel - das wirkt bizarr. Findet Gabriel selbst nicht: «Ich hör' auch Eminem und auch Bela B. und Silbermond.» Die Auftritte in Frankfurt seien «Warm Ups», Anfang 2010 soll die große Comeback-Tournee folgen. Dabei hört er selbst den Begriff Comeback ungern: «Ich war ja immer im Volk drin, hab' immer Musik gemacht, vielleicht nicht mehr in der Bundesliga, aber dann eben in der Kreisklasse», schildert der 67-Jährige, der nach seinen Herzproblemen nun gesünder lebt. «Ich bin natürlich ein Ersatzteillager inzwischen. Man muss sich einschränken: viel Sport, Gewicht runter, keine Zigaretten, kein Alkohol.»
Wie man aus'm Keller wieder rauskommtUnd nun noch das Buch. «Das war eine lange geplante Geschichte, es haben sich schon einige Ghostwriter an mir die Zähne ausgebissen, der dritte hat's nun tatsächlich geschafft», erzählt Gabriel. «Ich wollte eben einen besonderen Witz in das Buch kriegen, ein bisschen so eine kleine Lebenshilfe: Wie kommt man aus'm Keller wieder raus.»
In dem 256 Seiten starken Werk, das den Untertitel «Erinnerungen eines Rebellen» trägt, gibt es Kapitel wie «Ohne Moos nix los - Der Beginn meines Untergangs» oder «Damen wollen Kerle - oder was von ihnen übrig geblieben ist». Zu Gute gekommen sei ihm bei der Arbeit an dem Projekt, dass er seit seinem 13. Lebensjahr Tagebuch schreibe.
Und was machen die Frauen?Und was machen die Frauen? «Pass auf, ich hab jetzt vier Ehen hinter mir, ich sag, was soll's, ich kann allein super gut klarkommen», sagt Gabriel, der seit drei, vier Jahren das Single-Dasein auf seinem roten Hamburger Hausboot genießt. «Ich liebe mich nämlich, ich gucke in den Spiegel morgens und denke geil, hätte ich nicht gedacht, dass du mit 67 noch so geil bist.» Da ist der alte Gabriel wieder, der neue intellektuelle ist auf einmal ganz weit weg. (Von Inga Radel, dpa)
Gunter Gabriel (mit Oliver Flesch): Wer einmal tief im Keller saß. Erinnerungen eines Rebellen. Edel, Hamburg, 256 Seiten, Euro 19,95.