Untot lebt's sich länger
30.05.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Trotz der finanziellen Pleite im vergangenen Jahr strömen an Pfingsten wieder die Anhänger düsterer Klänge zum 10. Wave-Gothic-Treffen nach Leipzig.
BERLIN. Sie sind nicht totzukriegen: Bereits zum zehnten Mal treffen sich bleichgeschminkte Gestalten mit spitzen Schuhen und schwarzen Gewändern in Leipzig, um sich in den düsteren und geheimnisvollen Welten von Bands wie London after Midnight, And one, Blutengel und Camouflage zu versenken. Ihre Themen: Fragen des Seins zwischen Leben und Tod.
Mythen, Zeichen und SymboleViele Bands aus der Wave-Gothic-Szene verarbeiten religiöse Mythen und Symbole. Dabei bedienen sie sich auch germanisch-heidnischer Motive, wie sie im Nationalsozialismus beliebt waren. Die größtenteils unpolitische Szene gerät deshalb immer wieder in den Verdacht, nazistisches Gedankengut zu konsumieren oder sogar zu verbreiten. So sorgte im vergangenen Jahr der Auftritt der Band «Thronstahl», der von der Stadtverwaltung verboten worden war, für Aufregung.
Überleben in der GruftKurz darauf folgte die finanziellen Pleite des Veranstalters, der Gagen nicht mehr zahlen konnte und die 25.000 Besucher nach zwei Tagen nach Hause schicken musste. Trotzdem - auch in diesem Jahr werden die «Grufties» wieder nach Leipzig kommen und mit ihnen etwa 150 Bands, darunter auch Laibach. Die wiederum haben bereits in den 80er Jahren Diskussionen darüber ausgelöst, ob ihre Verwendung Riefenstahlscher Ästhetik ironisch gemeint sei oder nicht und damit Diskussionen vorweggenommen, wie sie heute über Rammstein geführt werden. (nz)