Rock auf «Nummer sicher«
18. Apr 2001 16:15
Mit Birken und Broschüren gegen das Gedrängel: Nach dem Unglück wird beim Roskilde-Festival die Sicherheit groß geschrieben - erwartet werden 70.000 Fans.
KOPENHAGEN. «Von Grund auf neu angehen» wollen die Veranstalter des Rockfestivals Roskilde die diesjährigen Konzerte. Nach dem Tod von neun Fans im vergangenen Jahr betonte Festivalchef Leif Skov am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms für die viertägige Veranstaltung (28. Juni bis 1. Juli): «Wir wollen mit Taten zeigen, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind.» Neben praktischen Veränderungen unmittelbar vor der «Orange Stage», der größten Freilichtbühne, soll unter
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anderem mit Broschüren für die Besucher vor
Gefahren bei einem Festival gewarnt werden.Beim Konzert der US-Band Pearl Jam waren direkt vor der Orange Stage neun Männer, unter ihnen eine Hamburger Polizist, von der Menge erdrückt worden. Skov meinte, die Möglichkeit von Unfälle könne man in Roskilde ebenso wenig ausschließen wie beim Straßenverkehr oder bei Massenveranstaltungen im Sport. Man werde aber alles tun, um das Risiko zu mindern.
Nick Cave und das Jeans Team
Keiner der Musiker habe in diesem Jahr übrigens wegen des Unglücks abgesagt. Mit Top-Namen wie Bob Dylan, Neil Young & Crazy Horse, Guns'n
Roses, Beck und Nick Cave präsentierte Skov dann ein Programm, das Kopenhagener Zeitungen als «Nummer sicher» einstuften. Mehr als 150 Bands spielen auf acht Bühnen - unter ihnen aus Deutschland die Fünf Sterne Deluxe, Gonzales und das Jeans Team. Damit ist Roskilde mit 70.000 erwarteten Besuchern auch im Jahr Eins nach dem Unglück wieder eines der größten Festivals der Welt.
Umbauten und eine Gedenkstätte
«Wir wollen das Unglück nicht vergessen, aber wir wollen auch nach vorne blicken, damit Begeisterung und Freude an der Musik im Zentrum stehen können», meinte Skov. Der Sprecher der im Kern nichtkommerziellen Roskilde-Organisation flüchtete
sich des öfteren in Pathos, um den Balanceakt zu bewältigen. Vor der Unglücksbühne ist ein «Erinnerungshain» mit neun in einem Kreis gepflanzten Birken geplant: «Sie sollen junges Leben weitertragen.» Und vor dem ersten Auftritt einer Band sollen alle Festivalbesucher vor der Orange Stage gemeinsam des Unglücks gedenken. Umbauten zur Verminderung von Gefahren unmittelbar vor der stets dicht umdrängten Riesenbühne hatte das
Festival schon Anfang des Jahres angekündigt.Gerichtsverfahren oder verweigerte behördliche Genehmigungen nach dem Unglück des letzten Jahres gibt es laut Skov nicht. Es seien auch nicht, wie mehrere dänische Zeitungen berichtet hatten, Klagen von Hinterbliebenen gegen das Festival anhängig, um die Schuldfrage zu klären. Auch das Publikum scheint unvermindert Lust auf das Festival zu haben: Der Vorverkauf laufe besser als erwartet. (dpa/nz)