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The Streets, Abdullah Ibrahim und Cold War Kids (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe The Streets, Abdullah Ibrahim und Cold War Kids
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mike Skinner aka The Streets hat die postpubertäre Phase überwunden, Abdullah Ibrahim stimmt so richtig auf den Herbst ein und Christopher Cross ist wieder da. Und sonst? Jens Teschke wünscht Jeff Cascaro mehr Beachtung und Julia Wilczok freut sich mit den Cold War Kids über die Schuhe des Papstes.

The Streets: «Everything Is Borrowed»

«Alcohol is the answer. What was the question?» steht in der Motto-Spalte auf Mike Skinners Myspace-Seite. Auf dem neuen The Streets-Album geht es jedoch um mehr als die obligatorischen Saufexzesse des Briten. Etwa um die Menschheit, der er in «The Way Of The Dodo» eine düstere Zukunft prognostiziert. Im titelgebenden Opener «Everything Is Borrowed» wird Skinner gar philosophisch. «I came to this world with nothing. And I leave with nothing but love. Everything else is just borrowed», skandiert er da in dem für ihn typischen 2Step-Rhythmus. Bloß scheint Skinner nicht bedacht zu haben, dass es auch für die Liebe keinen Garantie-Schein gibt. Aber Schwamm drüber! Insgesamt ist «Everything Is Borrowed» nämlich ein durchweg positives Album. Dieser Eindruck wird durch Synthie-Bläser und den gelegentlichen Einsatz einer Background-Sängerin noch verstärkt. Von seinen Wurzeln, nämlich vom HipHop, entfernt Skinner sich mehr und mehr Richtung Pop, und wer genau hinhört, dem dürfte nicht entgehen, dass sich in einigen Songs gar zarte Balkan-Anklänge finden.


Cold War Kids: «Loyalty to Loyalty»

Dass sie aus dem sonnigen Kalifornien kommen, ist den Cold War Kids nicht anzuhören. Musik-meteorologisch würden sie besser ins verregnete Seattle passen. Bestimmt verstimmt - so konnte man den Sound des Quartetts zusammenfassen. Auch auf dem neuen Album «Loyalty to Loyalty» quiekt die Gitarre, sprotzelt der Bass, schreit das Piano und greint Sänger Nathan Willett wie eine angestochene Sau. Das darf er auch, schließlich geht es in fast allen seinen Songs um Verlierertypen. Des Weiteren punktet das Quartett um Willett mit Witz («...the Pope in Prada shoes»), Gesellschaftskritik («We’re against privacy») und Herz («Every Man I Fall For» über eine Frau, die sich immer in den Falschen verliebt). Da geht zumindest in den Herzen der Hörer die Sonne auf.


Abdullah Ibrahim: «Senzo»

Sollte das Wetter so novembrig bleiben, ist «Senzo» bestens dafür geeignet, melancholischen Gedanken zu frönen. Das bedeutet nicht, dass dieses Album depressiv macht. Keinesfalls, es ist Musik für einen Rückblick auf den Sommer, verhalten heiter, traurig, sentimental. Die Jazz-Legende, die noch mit Duke Ellington höchstselbst auf der Bühne stand, spielt Solo-Piano. Das erinnert massiv an das «Köln-Concert» von Keith Jarrett, ohne sich dabei allerdings völlig in den Interpretationen zu verlieren. Mit «Senzo», dem japanischen Begriff für Vorfahr, erinnert Ibrahim an die diversen musikalischen Einflüsse, die er in sein Spiel mit aufgenommen hat: Afrikanische, amerikanische und japanische Harmonien mischen sich natürlich mit ein bisschen Ellington mit «In a sentimental mood».


Christopher Cross: «The Café Carlyle Sessions»

Ja, die Stimme hat man noch im Ohr – zumindest jeder in den 80ern musikalisch Sozialisierte. Cross klang immer ein bisschen nach verschollenem Bee Gee, sorgte aber mit Titeln wie «Arthur's Theme» oder «Sailing» (nicht zu verwechseln mit Rod Stewarts «I am sailing») immer für hohen Schmusefaktor. Irgendwann verlor man Cross dann aus den Ohren und wunderte sich vielleicht noch manchmal, was aus ihm geworden war. Musikalisch hat er sich nicht weiter entwickelt, sondern einfach noch einmal seine größten Hits etwas jazziger arrangiert, weniger Hall und Drum reingepackt und damit trotzdem ein überraschend schönes Album produziert. Und sei es auch nur, um in Erinnerungen an «damals» zu schwelgen, an erste Knutschereien, an ersten Liebeskummer, an Klassenfahrten.


Jeff Cascaro: «Mother and Brother»

Cascaros Musik ist einfach gut gemacht. Das klingt ein wenig simpel, lässt sich aber kaum anders ausdrücken. Mit viel Soul in der Stimme hat er bislang stets seine Fans begeistert und auch dieses Album setzt auf das eingeschworene Team rund um Cascaros Produzenten Christian von Kaphengst und Rüdiger Herzog. Acht der elf Songs stammen vom Sänger selbst und zeigen ihn vielseitig - von soul-rockig bis soul-schmusig. Auch die Cover-Versionen, unter anderem von «Follow me, follow you», setzen eigene Akzente, die klar machen: Cascaro müsste längst eine viel größere Rolle in der deutschen Musikszene spielen als bislang.

Jeff Cascaro «Mother and Brother EPK” mit Statements von Till Brönner und Sascha