18.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Katy Perry
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eine Pastorentochter singt von lesbischen Küssen und metrosexuellen Ex-Freunden: Die Vita von Newcomerin Katy Perry hätte sich ein Imageberater für angehende Popstars nicht besser ausdenken können. Und selbst Madonna ist entzückt. Mit Video
«I Kissed A Girl» - wann immer dieser Tage im Hintergrund ein Radio dudelt, ertönt dieser Song der US-Newcomerin Katy Perry. Der Text geht in etwa so: «Ich habe ein Mädchen geküsst und es hat mir gefallen. Hoffentlich macht es meinem Freund nichts aus.» Perry überlegt sich weiter singend, dass dies eine Sache sei, die «gute Mädchen» nicht machen und die sich «so richtig und so falsch» zugleich angefühlt habe. Um hier etwas klarzustellen, was ganze Youtube-Kommentarforen sprengt: Nein, Fräulein Perry ist nicht lesbisch, es geht schlichtweg um jugendliche Experimentierfreude.
Die Skandalstrategie um die besungenen Homo-Züngeleien funktioniert prima, und das überraschenderweise nicht nur in den USA. «I Kissed A Girl» stand auch in England, Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz eins der Charts. Ähnlich gut dürfte Perrys Debütalbum «One of the Boys» ankommen, das vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde.
Zu Beginn ihrer Karriere sah das noch ganz anders aus. Das erste Album mit christlichen Popsongs veröffentlichte die Tochter eines Pastors unter ihrem bürgerlichem Namen Katheryn «Katy» Hudson. Zwar kam das Album in der christlichen Musikszene gut an, hatte jedoch kommerziell keinen Erfolg. Also wechselte die Sängerin auf die Mainstream-Schiene und wählte als Künstlernamen den Mädchennamen ihrer Mutter, Perry, auch um nicht mit Hollywoodstar Kate Hudson verwechselt zu werden.
Der Mix aus Lolita und Vamp kommt immer gut«I Kissed A Girl» - neu ist das alles nicht: Der Mix aus Lolita und Vamp kam in Amerika immer schon gut an. Schließlich wurden schon Superstars wie Christina Aguilera und Britney Spears mit diesem Image vermarktet. Was Perry von den eben Genannten unterscheidet, ist vor allem ihr Look. Die 23-Jährige stylt sich wie ein fünfziger Jahre Pin-Up, trägt knappe Hotpants und über dem Bauchnabel geknotete Blusen zur schwarz gefärbten Wasserwelle. Dann wäre da noch das freche Auftreten, das an die junge Gwen Stefani erinnert. Kein Wunder, arbeitet Perry doch mit Produzent Glenn Ballard zusammen, der auch für Stefanis frühere Band No Doubt tätig war.
Spätestens seit die einstige Provokations-Queen Madonna Perrys Song «Ur so gay» (darin rechnet sie mit ihrem metrosexuellen Ex-Lover ab) zu ihrem Lieblingslied erklärte, steht einer Popstar-Karriere im ganz großen Stil nichts mehr im Weg. Doch während Madonnas Songs und Videos seinerzeit wirklich kontrovers waren, sind Perrys Texte höchstens niedlich. Rebellion fürs Jugendzimmer aufbereitet sozusagen. So schreibt ein Youtube-User enttäuscht im Kommentarforum zum «I Kissed A Girl»-Video: «Schade, ich dachte, dass sich im Video Mädchen küssen.» In dem Clip gibt es jedoch nichts dergleichen zu sehen. Solange die 23-Jährige also nur über lesbische Küsse singt, dürfte sich nicht mal der Pastoren-Papa aufregen. Vielleicht nur ein ganz kleines bisschen. (nz)
Katy Perry - «I Kissed a Girl»:
Für das Web ediert von Julia Wilczok