Madonna wird 50: 

netzeitung.deDie eiserne Latex-Lady

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50 Jahre und kein bisschen müde: Madonna (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 50 Jahre und kein bisschen müde: Madonna
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Madonna ist ein popkulturelles Phänomen - und eine Meisterin der Selbsterfindung. Maike Schultz gratuliert zum 50. Geburtstag und blickt auf 25 Jahre Madonna-Mania zurück.

Eine 50-Jährige, die sich in Turnhosen an jungen Tänzern reibt und damit Millionen Menschen in Entzücken versetzt – so etwas gibt es wohl nur bei Madonna. An diesem Samstag feiert die Musikerin runden Geburtstag und gilt doch schon ihr halbes Leben lang als «Queen of Pop».

Im Gegensatz zum untergegangenen «King» (Michael Jackson) gehört Madonna zu den raren Größen der Branche, deren neue Alben jedes Mal zum Bestseller werden – egal wie ausgelutscht die Melodien auch sein mögen.

Madonna Louise Ciccone, so ihr bürgerlicher Name, ist Sängerin, Schauspielerin («Evita»), Labelchefin, Modedesignerin, Kinderbuchautorin, Regisseurin («Filth and Wisdom»), dreifache Mutter, Kabbala-Fan, Sex-Symbol, Schwulenikone und neuerdings auch Afrika-Aktivistin – in Cannes wurde sie dieses Jahr für ihren Dokumentarfilm über Aids-Waisen («I Am Because We Are») gefeiert.

Perfekte Selbstdarstellerin
Vor allem aber ist die italienisch-stämmige US-Amerikanerin ein «Material Girl» – das perfekte Produkt ihrer Selbstinszenierung und -vermarktung. Seit ihrem ersten Hit «Holiday» (1983) hat Madonna mehr als 200 Millionen Platten verkauft. Sie hat sich optisch und musikalisch immer wieder neu erfunden: In den Disco-geprägten 80ern war sie die laszive Lolita, die Marilyn-Monroe-Kopie, das erotische Foto-Modell (Bildband «Sex»).

Ein bisschen Latex-Lady steckt noch immer in Madonna, man braucht nur das Cover ihrer aktuellen Platte «Hard Candy» anzuschauen. Doch aus der für ihre religiösen Provokationen kritisierten Video-Künstlerin der 90er («Like a Prayer») ist eine vom jüdischen Mystizismus erfasste Gut-Mutter geworden. Für ihre Kostüme ist inzwischen die 77-jährige Arianne Phillips verantwortlich. Sie kreierte den Cowgirl-Style für «Music» und den Militär-Drill-Look im Video «American Life».

Lesbenküsse und Botox-Parties
Um ihr verruchtes Image zu wahren, tauscht Madonna gelegentlich ein paar lesbische Küsse aus. «Das alles mache ich nicht, weil ich schockieren will. Ich mache einfach nur das, was ich will, was mir Spaß macht», sagt sie. Dass sie auf diese Weise im Gespräch bleibt, dürfte ein erwünschter Nebeneffekt sein.

Zuletzt sah sich Madonna vielen negativen Schlagzeilen ausgesetzt. Da waren die Adoption in Malawi, Gerüchte über die Scheidung von Guy Ritchie und Schönheits-OPs, ihr Bruder, der sie in seinen Memoiren als herrschsüchtige Zicke beschreibt, und natürlich die aktuellen Fotos, die sie als ausgemergeltes Venenpaket zeigen.

Und was macht sie? Sie geht unter dem Motto «Sticky & Sweet» auf Welttournee. Die meisten großen Hallen sind schon ausverkauft, Top-Designer wie Prada und Yves Saint Laurent reißen sich darum, sie einzukleiden – und Knutschfreundin Britney Spears soll auf einer Videoleinwand strippen.

72 Millionen Dollar jährlich
Auch dass ihre Kinokarriere (zuletzt war sie 2002 in dem Flop «Swept away» zu sehen) scheiterte, konnte Madonnas Erfolg nichts anhaben. Mit einem Jahreseinkommen von 72 Millionen Dollar, elf Studioalben und sieben Grammys ist die Ex-Frau von Hollywood-Star Sean Penn die bestverdienende Sängerin der Welt.

2007 schloss sie einen 80 Millionen Euro schweren Vertrag mit dem Konzertgiganten Live Nation ab - und machte dabei deutlich, dass sie noch mindestens bis zum 60. Geburtstag auftreten will.

«Schon als ich ein kleines Kind war, wollte ich, dass die ganze Welt mich kennt, mich liebt und von mir geprägt wird», bekannte sie einmal. Dass das «Unternehmen Madonna» noch immer funktioniert, ist ihrem unbeirrbaren Ehrgeiz, gnadenloser Selbstdisziplin und einem richtigen Riecher für Trends zu verdanken.

Das zeigt auch ihre aktuelle Kooperation mit Künstlern wie Timbaland und Justin Timberlake. Als sie in diesem Jahr in die US-amerikanische «Rock and Roll Hall of Fame» aufgenommen wurde, hielt der Teenie-Schwarm für sie die Laudatio: «Madonna hat die Art verändert, wie die Welt klingt.» Na dann: Herzlichen Glückwunsch.