Heimlicher Star Ron Sexsmith: Wo bitte bleibt der Ruhm?23. Jul 2008 11:55  |  Ron Sexsmith | Foto: (c) Tia Terele |
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Ob Ron Sexsmith mit seinem neunten Album «Exit Strategy Of The Soul» endlich der kommerzielle Durchbruch gelingt? Der kanadische Singer/Songwriter gilt als ewiger Geheimtipp der Indie-Szene.
Hin und wieder trifft Ron Sexsmith zufällig auf den Musikmanager, der für Bob Marleys «Legend»-Platte zuständig war - jenen Prototyp der phänomenal erfolgreichen Retrospektive eines Musikerlebens. Und der Mann fragt Sexsmith, ob es nicht an der Zeit sei, auch von dessen Songs eine solche Sammlung zusammenzustellen. Die Idee wäre vielleicht nicht schlecht. Denn Sexsmith, dessen neuntes Album «Exit Strategy Of The Soul» gerade erschienen ist, stößt zwar bei Kritikern und Kollegen wie Elvis Costello, Chris Martin und Paul McCartney auf Begeisterung. Der große finanzielle Erfolg blieb dem kanadischen Singer/Songwriter aber bisher versagt. Eine Compilation von 15 oder 16 seiner besten Songs könnte ihm vielleicht den Durchbruch bringen. Dagegen hat er sich bisher gewehrt, zum Teil wegen der Vorstellung, dass solche «Best of»-Sets für Musiker am Ende ihrer Karriere gedacht sind - oder, schlimmer noch, wenn sie schon tot sind.
Aber er gibt zu, dass er durchaus nichts dagegen hätte, ein paar Jahre Pause zu machen um zu sehen, wie dies seinen Ruf beeinflussen würde. Wenn er es sich denn leisten könnte. «Ich lege gerade die Fundamente», sagt der 44-Jährige im AP-Gespräch. «Ich pflanze die Saat, so dass hoffentlich zu meinen Lebzeiten ein voller Garten entsteht, den die Leute sehen werden.» Zu seinen bekanntesten Titeln zählen «Secret Heart», «Hands Of Time» oder «Gold In Them Hills», letzteres ein Duett mit Chris Martin von Coldplay. Seine Songs wurden von Kollegen wie Rod Stewart, k.d. lang und Feist gecovert. Aber das Musikgeschäft, so wie es heute funktioniert, ist nicht für ihn geschaffen. «Ich weiß, dass die Leute nicht mehr wie früher Alben hören, aber ich tue das.» Und er bedauert, wie einige der Verantwortlichen bei den Labels mit Musik umgehen. «Die finden Klingeltöne und solche Dinge toll. Musik ist aber nicht dafür gemacht, auf einem Mobiltelefon oder in einer iPod-Werbung gehört zu werden.»
«Mit dem Maß oder Mangel an Ruhm zufrieden»
Seiner ebenfalls aus Kanada kommende Kollegin Feist, mit der er den - auch auf seinem Album zu findenden - Titel «Brandy Alexander» schrieb, gelang der Durchbruch, als ihr Song «1234» für eine iPod-Werbung verwendet wurde. Den Erfolg gönnt er ihr durchaus, und auch Sexsmiths Manager suchen nach Wegen, ihm solche Chancen zu eröffnen. Einer seiner Songs kam für eine Softdrink-Werbung in die engere Wahl, und Sexsmith schrieb ihn auf Wunsch des Kunden sogar um, bevor er letztlich doch abgelehnt wurde. Auch Filmmusik schrieb er, doch wegen eines Streits zwischen Produzenten wurde sie nicht verwendet. Zwei Instrumental-Titel daraus rahmen nun als Opener und Closer die zwölf weiteren Songs von «Exit Strategy» ein. Sexsmith reiste auch nach Nashville, um sich als Schreiber für den Markt der Countrymusik zu etablieren. Teamwork wird dort großgeschrieben, und so wurde er - der Songwriting als höchst persönliche Angelegenheit versteht - mit einem völlig Fremden in einen Raum gesetzt um zu sehen, ob dabei etwas herauskommen würde. Er wünscht sich einen Sechser im Lotto, damit ihm so etwas nie wieder passiert. «Was den Ruhm betrifft, bin ich mit dem Maß oder Mangel daran zufrieden», sagt er. «Aber wenn es nach mir ginge, könnte meine finanzielle Lage besser sein, wie bei den meisten Menschen. Ich fände es gut, wenn ich mir darum nicht so viele Sorgen machen müsste.» Seine neue Platte habe sich für ihn fast wie ein Gospelalbum angefühlt, sagte er, denn einige Songs hätten einen spirituellen Einschlag. Normalerweise plant er seine Lieder sorgfältig, diesmal ließ er seine Gedanken eher treiben. So schrieb er etwa einen Vers von «This Is How I Know», und der legte dann von selbst nahe, wie der nächste Vers aussehen würde.
Kubanische Bläser setzen neue Akzente
 |  'Exit Strategy Of The Soul' | Foto: Universal |
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Sein Londoner Produzent Martin Terefe steht auf kubanische Bläserklänge. Sexsmith war trotzdem ziemlich überrascht, als Terefe eine kleine Reise in den Süden vorschlug, um dem Album ein paar Blechbläser hinzuzufügen. Hmmm. Ein Künstler aus Toronto, der akustische Musik mit zartem Rockeinschlag macht, und eine lateinamerikanische Bläsertruppe - darauf war er noch nicht gekommen. Er befürchtete, dass es unnatürlich klingen würde, als ob seiner Musik etwas aufgepfropft wurde. Und so verbrachte er dann bei den Aufnahmen viel Zeit damit, zwischen den Bläsern im Studio und der Bar einen Stock tiefer zu pendeln. «Tatsächlich war ich dann angenehm überrascht», sagt er. «Es ist keine kubanische Platte. Nichts an unserer Musik ist kubanisch, aber sie erhält einen ganz anderen Beiklang. Ich mache mir jetzt Sorgen, denn ich muss mit dem Album auf Tour gehen und kann es mir nicht leisten, Bläser mitzunehmen. Das ist das Frustrierende in meiner Lage. Ich habe eine Vorstellung von der Show, die ich bieten möchte, und kann sie nicht immer umsetzen.» Sexsmith war immer stolz auf seine Arbeit, fühlt sich aber, als sei er außer Takt mit der modernen Zeit geraten. Was ihn aufrecht hält, sind Zufallsbegegnungen - eine nette Mail von einem Fan, oder auf der Straße erkannt zu werden. «Das passiert immer, wenn ich es am wenigsten erwarte. Das rettet den Tag.» (David Bauder/AP) Ron Sexsmith: «Exit Strategy Of The Soul» (V2/Universal)
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