11.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Stilikone in allen Lebenslagen: Paul Weller
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zwischen Britrock, Psychedelic und Orchester-Pop: Paul Weller präsentiert sich mit «22 Dreams», dem Album zu seinem 50. Geburtstag, erstaunlich vielschichtig und schafft es doch, seinem Stil treu zu bleiben. Mit Video . Der Mann ist ein Klassiker: 50 Jahre wurde Paul Weller am 25. Mai alt; wenige Tage später erscheint sein neues Album «22 Dreams», ein extrem buntscheckiges Werk mit 21 Stücken - aber einen großen Einschnitt bedeuten beide Ereignisse nicht für den Weller-Kosmos. Der Brite hat viele Alben veröffentlicht und noch mehr Feste gefeiert, von seinem Weg hat ihn nichts abgebracht. Immer noch zementiert jede Bügelfalte seinen Status als Stilikone in allen Lebenslagen - selbst in der Küche «bemüht» er sich eigenen Angaben zufolge um propere Kleidung. Dafür hat hat er kein Interesse an technischen Neuerungen: Noch nie hat er einen Song downgeloadet, aber - immerhin - als sein schönstes Geschenk zu seinem 50. bezeichnet er den Plattenspieler von seiner Frau, mit der er seine Vinyl-Schallplatten auf CD überspielen kann. «Die Medien haben das erfunden»
Der Mann ist ein Klassiker: 50 Jahre wurde Paul Weller am 25. Mai alt; wenige Tage später erscheint sein neues Album «22 Dreams», ein extrem buntscheckiges Werk mit 21 Stücken - aber einen großen Einschnitt bedeuten beide Ereignisse nicht für den Weller-Kosmos. Der Brite hat viele Alben veröffentlicht und noch mehr Feste gefeiert, von seinem Weg hat ihn nichts abgebracht. Immer noch zementiert jede Bügelfalte seinen Status als Stilikone in allen Lebenslagen - selbst in der Küche «bemüht» er sich eigenen Angaben zufolge um propere Kleidung. Dafür hat hat er kein Interesse an technischen Neuerungen: Noch nie hat er einen Song downgeloadet, aber - immerhin - als sein schönstes Geschenk zu seinem 50. bezeichnet er den Plattenspieler von seiner Frau, mit der er seine Vinyl-Schallplatten auf CD überspielen kann.
«Die Medien haben das erfunden»Mit dieser eigenwilligen Stilsicherheit als Konstante in seiner Karriere hat es Weller in den vergangenen über 30 Jahren zu einem Status gebracht, der ihn heraushebt aus dem Gros der übrigen gealterten Punker, Popper, Rocker und New Waver. Weller ist der «Modfather», ein Spitzname, den er übrigens eigenem Bekunden nach nicht so gerne hört: «Die Medien haben das erfunden», sagte er im AP-Interview. Und obwohl er versucht, abschätzig zu klingen, schwingt wohl doch ein wenig Stolz mit. Weller war mit The Jam in den Anfangstagen des Punk mit dabei und initiierte maßgeblich das Mod-Revival der späten Siebziger; mit Style Council wandte er sich unverwandt dem souligen Bar-Pop und schließlich sogar dem House zu; und mit seinem Solowerk seit Beginn der Neunziger entwickelte er die Blaupause von Britpop.
Immer wieder wurde er wegen seiner musikalischen Stilwechsel angefeindet, immer wieder erlebte er auch kommerzielle Einbrüche. Doch sein musikalischer Trotz und sein stoisches Festhalten am Mod-Stil ließen ihn zu einer Pop-Größe werden, die jetzt mit 50 wieder große Aufmerksamkeit erfährt. Weller selbst lässt sich weder von der gestiegenen Nachfrage nach seiner Person noch von der 5 vor der 0 aus der Ruhe bringen.
Mit «22 Dreams» legt er ein (in der Vinyl-Version klassisches Doppel-)Album vor, auf dem er sich zwischen Britrock, Psychedelic-Revival, Softrock-Balladen, Spoken-Word-Zwischenspielen, Style-Council-Reminiszenzen und Orchester-Pop so vielschichtig präsentiert wie nie. «Es macht keinen Unterschiede, ob du 50 bist oder nicht», erklärt Weller: «Du musst einfach musikalisch immer mal wieder gewohnte Formen aufbrechen. Der Platte lag kein konkreter Plan zugrunde. Es hat sich alles während der Aufnahmen mehr oder weniger spontan entwickelt. Rund die Hälfte des Albums entstand aus Jams und spontanen Ideen während der Aufnahmen.»
Der Plan: Kein Plan Der einzige Plan war nur, keinen Plan zu haben. Weller ging nicht mit seiner üblichen Band ins Studio. Die Aufnahmen zogen sich über ein Jahr hin und dabei war, wer gerade Zeit hatte: unter anderem Graham Coxon, Noel Gallagher und Barrie Cadogan. Die einzige Konstante war Wellers langjähriger Gitarrist Steve Cradock. Der Plan ist aufgegangen: «22 Dreams» begeistert mit hoher Songschreiber-Kunst gekleidet in verschiedenste Sounds. Selbst Paul Weller stellt als Resümee fest: «Ich kann keine bestimmte musikalische Richtung erkennen.» Dem Album jedenfalls schadet diese Buntscheckigkeit in keiner Phase, in den britischen Albumcharts stieg er souverän gleich mit der Veröffentlichung auf Platz eins ein.
In einem aber bleibt Paul Weller immer der Alte: in seiner Begeisterung für die Mod-Bewegung. «Das ist mein Way of Life», sagt er. «Musik und Kleidung gehören einfach zusammen, das sind zwei Seiten derselben Medaille. Und die Mod-Bewegung ist einfach die klassische Zusammenführung dieser beiden Bereiche. Die Bewegung erfindet sich immer wieder neu, bleibt aber immer wieder gleich.» Vielleicht auch deshalb, weil es immer weiter geht, gibt es auch bei der anstehenden Weller-Tour kein Special zum 50. Geburtstag. «Es gibt keinen Rückblick und keine Bilanz» erklärt Weller kategorisch. (Markus Schwarz/AP)
Paul Weller: «22 Dreams» (Universal)
Tourdaten: 06.10. Köln (E-Werk), 07.10. Berlin (Columbiahalle), 08.10. Hamburg (Docks), 10.10. Heidelberg (Stadthalle) und 11.10. München (Tonhalle)
Paul Weller - «Have You Made Up Your Mind?«: