27.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die No Angels
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Seltsam ist das schon: Der NDR trifft selbst eine Vorauswahl der Titel, mit denen Deutschland beim Eurovision Song Contest antritt. Und nun sollen allein die No Angels am neuerlichen Misserfolg schuld sein?
Schwacher Auftritt, schwache Stimmen und nun auch noch ein angeblich schwacher Song: Der Wettbewerbstitel «Disappear», mit dem die No Angels am Wochenende beim Eurovision Song Contest nur 14 Punkte errangen, ist weiter in der Kritik.
Nun meldete sich auch NDR-Unterhaltungschef Ralf Quibeldey zu Wort, und watscht die Frauen-Combo ab. «Für den Eurovision Song Contest braucht man entweder eine Ballade fürs ganz große Gefühl oder eine flotte Up-Tempo-Nummer mit einer guten Bühnenshow», sagte Quibeldey der «Neuen Presse» aus Hannover. «Disappear» entspräche aber keiner dieser Kategorien so recht.
Der No-Angels-Song sei eher «gut fürs Radio, ihm fehlt aber die Bühneneignung». Das merken sie beim Sender aber früh, ist man geneigt zu sagen: Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ist in Deutschland nämlich verantwortlich für den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest, und hat in diesem Jahr demnach auch den Song der No Angels vorausgewählt. Der tatsächliche Teilnehmer am Finale in Belgrad wurde dann in einer TV-Show via Televoting gekürt. Neben den No Angels bewarben sich damals Marquess, Cinema Bizarre, Tommy Reeve und Carolin Fortenbacher.
Wir werden den Vorentscheid verändernOffenbar aus purer Not habe man diese Auswahl an Titel und Interpreten vorgestellt, deutet Quibeldey nun an. Die Auswahl der Wettbewerbstitel sei jedes Jahr eine Gratwanderung für den NDR. «Das Problem ist, dass sich viele etablierte deutsche Künstler nicht trauen, sich dem Wettbewerb zu stellen», sagte Quibeldey der Zeitung und sprach damit ein in der Tat zentrales Problem der Veranstaltung an. Erfolgreiche deutsche Interpreten scheuten besonders den nationalen Vorentscheid, in dem sie gegen ihre direkten Konkurrenten auf dem deuschen Musikmarkt antreten würde, so seine These. Wenn er bei Künstlern direkt nachfrage, bekomme er wenig später von deren Managern die Absage, so Quibeldey weiter. Und wenn ein Musiker zusage, redeten zudem noch Plattenfirma und Management bei der Wahl des Songs mit.
Der NDR wolle den Vorentscheid dennoch nicht abschaffen. «Wir müssen dem deutschen Publikum schon unseren Starter vorstellen», sagte Quibeldey weiter. «Aber wir werden den Vorentscheid sicher verändern.» Wie, sagte er nicht. (dpa/nz)