Gründe für Grand Prix-Desaster gesucht: 

netzeitung.deNo Angels «schlecht vorbereitet», aber stolz

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Die Hälfte der No Angels beim Eurovision Song Contest (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Hälfte der No Angels beim Eurovision Song Contest
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Kurz vor dem Total-Flop, aber immer noch gut drauf: Sängerin Sandy fand die Performance der No Angels beim Eurovision Song Contest «geil». Experten sehen das ganz anders. Nun ist Schadensbegrenzung angesagt.

Galgenhumor oder schwindender Realitätssinn? Beim Song Contest kamen die No Angels nur auf den 23 und somit vorletzten Platz. Dennoch verbreitete die Girl-Combo weiterhin Frohsinn. Im ARD-Fernsehen etwa erklärte Sängerin Jessica am Samstagabend: «Ich bin etwas geschockt, aber wir können stolz sein.» Ihre Kollegin Lucy fügte hinzu: «Wir haben uns mehr gewünscht. Die Reaktion auf uns war toll, wir sind immer noch eure Engel!» Ihrer bulgarischen Herkunft hatte es die Band zu verdanken, dass der Totalabsturz auf den letzten Platz ausblieb: Aus Lucys Heimat gab es die Höchstpunktzahl, und somit 12 der insgesamt 14 Punkte.
Flache Stimmen, steifer Auftritt?
Selbstkritik war bei den vier Sängerinnnen aber offenbar kein Thema. Die aus einer Casting-Show hervorgegangene Gruppe fand selbst die eigene, mäßig einfallsreiche Performance mit flatternden Tüchern und Windmaschine «geil» (O-Ton Sängerin Sandy). Später dann, bei der Zuschaltung zur Aftershowe-Party mit NDR-Moderator Thomas Hermans flüchteten sich die jungen Frauen in Galgenhumor: Schwarz gekleidet sangen sie dort: «Don't worry, be happy».

Musikexperten sahen das nach der Show vom Samstag, bei der der russische Interpret Dima Bilan gewann, doch deutlich anders. Von einem «Liedchen» war die Rede, der Auftritt der No Angels sei steif, die Stimmen flach gewesen. Schuld daran sei aber auch das Umfeld, will ein Veteran des Grand Prix wissen. Alexander Heiler, Gründer und Ex-Mitglied der Pop-Gruppe Wind, sieht die Gruppe schlecht betreut und schlecht beraten. Seine Meinung zu den No Angels: «Sie haben bei der Präsentation völlig überdreht. Es sei wichtig, das die Betreuung vor Ort so funktioniert, dass die Band bei ihrem Auftritt voll präsent sei. Dies sei vergleichbar mit der Betreuung eines Leistungssportlers vor einem Wettkampf», so Heiler zur Deutschen Presse-Agentur dpa. Wind erreichte zwei Mal den 2. Platz beim Grand Prix - 1985 mit dem Song «Für alle» (Göteborg) und 1987 mit dem Titel «Lass die Sonne in dein Herz» (Brüssel).
Kein Song für die große Show
Er kritisierte auch den Titel der No Angels selbst: «Dem Lied fehlte die Identität. Bei vielen Songs konnte man erkennen, aus welchem Land die Interpreten kommen - wenigstens an der Sprache.» Deutschland habe sich mit dem Titel «Disappear» zu blass präsentiert. «Der Titel gibt nichts her und hätte aus jedem anderen beliebigen Land stammen können.» Dass sah auch ein anderer Experte so. «Das ist ein Radiosong und kein Lied, zu dem man auf der Bühne eine spektakuläre Show abliefern kann», sagte Irving Wolther (Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover) ebenfalls der Agentur dpa. An der viel beschworenen «Ost-Mafia» und deren angeblicher interner Punkteschieberei sei der Titel jedenfalls nicht gescheitert: «Es gab keine künstlich vergebenen Punkte», ist sich auch Alexander Heiler sicher.
NDR wieder unter Druck
Nun muss der NDR als deutscher Veranstalter reagieren. Erst vor drei Jahren scheiterte mit DSDS-Star Gracia übrigens schon einmal die Teilnehmerin einer TV-Casting-Show für Deutschland: Sie kam mit ihrem Titel sogar auf den letzten Platz. Zuschauertechnisch war der NDR ebenfalls wieder auf Gracia-Niveau angekommen. Im Vergleich zum Vorjahr schauten rund eine Million Zuschauer weniger zu - im Durchschnitt waren es 6,38 Millionen TV-Zuschauer. Vom NDR gab es zunächst Durchhalteparolen. Programmdirektor Volker Herres kündigte an: «Wir werden in Ruhe analysieren, was sich im kommenden Jahr besser machen lässt.» (nz, mit dpa)