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Eurovision Song Contest: 

Türken müssen ohne deutsche Stimmen rocken

20. Mai 2008 11:00
Türkische Band Mor ve Ötesi
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Die Ausrichter des Grand Prix wollen Nachbarschafts- und Migranten-Votings eindämmen: Neue Regeln für die Halbfinals beim Song Contest sollen mehr westlichen Ländern den Weg in die Endrunde ebnen, berichtet Matthias Breitinger.

Was war die Empörung im Westen des Kontinents groß nach dem Eurovision Song Contest (ESC) 2007 in Helsinki: Osteuropäische Länder machten den Sieg unter sich aus, viele westeuropäische Länder – wenn sie es denn überhaupt ins Finale schafften – fanden sich nur weit hinten in der Tabelle wieder.

Schon kurz nach dem Sieg der Serbin Marija Serifovic war für viele klar: Schuld am ost-dominierten Ranking war die «Stimmen-Mafia aus Ost-Europa» («Bild»). Für Kandidaten aus Westeuropa sei der Wettbewerb nicht mehr zu gewinnen, denn die Ostländer «schanzen sich gegenseitig die Punkte zu». Hinzu komme das bekannte Migranten-Voting: So gibt Deutschland seit Jahren regelmäßig seine Höchstpunktzahl an die Türkei.

Während Skeptiker dieser Ostmafia-Theorie einwenden, das schlechte Abschneiden des Westens in Helsinki liege schlicht an dessen langweilig-altbackenen Liedern, hat die ausrichtende internationale TV-Senderorganisation European Broadcasting Union (EBU) reagiert: Neue Regeln sollen beim diesjährigen ESC in Belgrad zumindest dafür sorgen, dass mehr Westländer den Weg ins Finale finden.

Dafür hat die EBU den Wettbewerb ausgeweitet und ein zweites Halbfinale eingeführt. Im Jahr 2007 waren noch die erfolgreichsten Länder des Vorjahrs direkt für die Endrunde gesetzt – dieses Jahr müssen auch sie den Kampf um 20 Finalplätze bestehen. Gesetzt sind nur noch die vier großen ESC-Geldgeber Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien sowie Gastgeber Serbien. Die restlichen 38 teilnehmenden Nationen wurden auf zwei Halbfinale mit je 19 Startplätzen verteilt.

Dabei sorgte die EBU für eine interessante Neuerung, die das Nachbarschafts- und Migrantenvoting blockieren soll: Bei der Zulosung in die beiden Semifinale wurden Nachbarn oder sich nahestehende Länder auseinandergerissen. Beispiel: Griechenland startet im ersten, Zypern im zweiten Halbfinale. Ebenso wurden die Staaten, die aus Jugoslawien hervorgegangen sind, oder Schweden und Norwegen getrennt. Zudem dürfen in den Halbfinalen nur noch die Länder werten, die darin starten (die fünf schon gesetzten Finalisten wurden auf die beiden Semis verteilt).

Das sorgt dafür, dass die hiesigen Türken im zweiten Halbfinale zwar der türkischen Band Mor ve Ötesi die Daumen drücken, aber nicht für sie anrufen dürfen. Erst im Finale am Samstag ist die Regel wieder aufgehoben: Sollte es die Gruppe in die Endrunde schaffen, dürfte wieder ein «Turkey, twelve points!» aus Deutschland drin sein. Eine weitere Regelung soll in den Halbfinals für mehr Spannung sorgen: Dort werden nur 18 der 20 Finalplätze von den TV-Zuschauern über Televoting bestimmt – je neun pro Halbfinale. Jeweils ein Nationenbeitrag wird von einer Jury ausgewählt.

Am heutigen Dienstag darf Deutschland als einer der «großen Vier» im ersten Halbfinale abstimmen und damit auch zwei Comedy-Beiträgen Punkte geben - zumal die estnische Gruppe Kreisiraadio in ihrem Nonsens-Lied «Leto svet» die einzigen deutschen Zeilen des Wettbewerbs, «Sommerlicht - das ist Sommerlicht», singt; die No Angels singen für Deutschland bekanntlich auf Englisch.

Der zweite Comedy-Song des Abends hat das Zeug zum Grand-Prix-Kult: Die in Irland aus Kindersendungen bekannte Truthahn-Handpuppe Dustin singt zusammen mit zwei fülligen Damen in Goldglitzer-Kleidern das Trashpop-Lied «Ireland douze points». Zu den weiteren Highlights des ersten Semis zählt der russische Beitrag, bei dem der Eiskunstlauf-Olympiasieger Jewgeni Pluschtschenko auf einer kleinen Eisbahn ein paar Pirouetten dreht, sowie die Engel-und-Teufel-Show der beiden aserbaidschanischen Sänger Elnur und Samir.

Das erste Halbfinale mit deutscher Stimmbeteiligung überträgt der NDR am Abend live ab 21 Uhr in seinem Regionalprogramm. Das zweite Semifinale, bei dem die Deutschen nicht abstimmungsberechtigt sind, zeigt der NDR zeitversetzt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ab 0.45 Uhr. Das Finale mit 25 Ländern läuft live am Samstag ab 21 Uhr ín der ARD.

 
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