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Zehnter Todestag von Frank Sinatra: 

Der unvergessene Star

14. Mai 2008 12:10
Er war und ist ein Superstar: Frank Sinatra
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14 Millionen Einträge findet Google für Frank Sinatra. Seine selbst ernannten Nachfolger bringen es nicht immer auf ähnliche Werte. Zehn Jahre nach seinem Tod bleibt die Musikerlegende auch für Jens Teschke einzigartig. Mit Video

Unglaublich: Frank Sinatra liebte das Internet. In der Wochenendausgabe von «USA Today» Anfang Mai erzählt seine Tochter Nancy, wie sie und er 1994 die Website «franksinatra.com» starteten und der Sänger hoch begeistert von den Einträgen und Mails der Fans war.

Er diktierte ihr teilweise sogar seine Antworten. «Bitte stell' sicher, dass die Seite auch nach meinem Tod weiter läuft», habe ihr Vater sie gebeten. Sinatra und Internet - das sind nicht unbedingt zwei Begriffe, die man miteinander assoziiert. Sie zeigen aber, welche Spanne das Lebenswerk des Sängers, der in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1998 starb, umfasst.

1.300 Songs aufgenommen

Von Robbie Williams über Michael Bublé bis hin zu der eher dürftigen Präsenz eines Roger Cicero berufen sich die Song-Stars der Gegenwart gerne auf Sinatra. Das Attribut «...wie Sinatra» gilt auch heute noch als ultimative Ehrung und wirkt selbst bei 14-Jährigen verkaufsfördernd. Frank Sinatra ist durchaus Kult.

Robbie Williams versuchte sich auf seinem Swing-Album als Sinatra
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Vom Beginn seiner Karriere, mit dem symptomatischen Hit «All or nothing at all» im Jahr 1939 bis hin zu den letzten Aufnahmen, den überaus erfolgreichen «Duets»-Produktionen von 1993, nahm Sinatra 1.300 Lieder auf. 67 Jahre lang war jedes Jahr mindestens ein Sinatra-Song in den US-Billboard-Charts platziert. Kurzum: Sinatra war ein Phänomen und ist es bis heute noch.

Immer seinen Weg gegangen


Der Sänger, der nie eine offizielle Gesangsausbildung hatte, geschweige denn überhaupt eine nennenswerte Ausbildung erhielt, hat im Grunde sein Leben lang das getan, was er wollte – «I did it my way». Kein Song-Titel hätte passender für Sinatra sein können, obwohl Paul Anka ihn ursprünglich für sich selbst, vom französischen Original «Comme h’abitude» inspiriert, geschrieben hatte.

Tatsächlich war es wohl der unbedingte Wille aus den ärmlichen Verhältnissen seiner aus Italien eingewanderten Eltern auszubrechen, der Sinatra schon früh dazu brachte, bei Band-Wettbewerben mitzumachen, mit den «Hoboken Four» zu versuchen, von New Jersey nach New York City zu kommen. Sein Vorbild: Bing Crosby. Der damals schon populäre «Crooner» war in den frühen dreißiger Jahren der Inbegriff des smarten Sängers und ein wahrhafter Frauenschwarm.

Von Harry James zu Tommy Dorsey

Nicht gerade durch Fleiß in der Schule auffällig geworden, schlug sich Sinatra mit den unterschiedlichsten Bands rum. Nebenbei arbeitete er während der Rezession in den dreißiger Jahren, nachdem er die High School ohne Abschluss verlassen hatte, unter anderem als Sportjournalist für eine Lokalzeitung. Mit dem Vokalquartett The Hoboken Four gewann Sinatra im September 1935 einen Talentwettbewerb der damals populären Radioshow «Major Bowes Amateur Hour» und ging mit ihnen in den folgenden Monaten auf seine erste nationale Tournee.

'44 war es endlich soweit - Sinatra gab zusammen mit seinem Idol Bing Crosby Konzerte.
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Im Frühjahr 1939 entdeckte der damals sehr populäre Bandleader Harry James das junge Nachwuchstalent und verpflichtete Sinatra ab Sommer als Leadsänger für seine Big Band. Aus dem mittelmäßig bis schlechten Highschool-Schüler war ein überaus ehrgeiziger und fleißger Nachwuchs-Sänger geworden. Eifrig feilte er an seiner Präsentation und nahm sich dabei das Posaunenspiel von Tommy Dorsey zum Vorbild.

Perfekte Phrasierung

«Ich wollte stets so klingen, wie Tommys Posaune», sagte Sinatra einmal, und selbst heute schwärmen Sänger von seiner Phrasierung. Als Sinatra 1994 mit dem Lifetime Achievement Grammy ausgezeichnet wurde, sagte Bono von U2 in seiner Laudatio: «Seine Songs sind sein Zuhause und er lädt dich dahin ein. Aber du weißt genau, dass man, um so singen zu können, auch einige Kämpfe verloren haben muss. Um diese Zärtlichkeit und Romantik zu kennen, muss man das Herz gebrochen gehabt haben.»

Wohl wahr. Anfang 1940 wurde Sinatra Sänger bei Tommy Dorsey und nach wenigen Monaten gelang ihm mit «I’ll Never Smile Again» sein erster Nummer-1-Hit. Es begann eine stürmische Karriere, die 1944 zur ersten Massen-Ekstase der Popgeschichte führten, den sogenannten «Columbus Day Riots». Schuld daran waren hysterische Sinatra-Fans, die reihenweise in Ohnmacht fielen, wenn ihr Idol auftrat und den Sänger gar bedrängten.

Von ganz oben nach ganz unten und wieder zurück

Auf die anfängliche Begeisterung der Fans folgte knapp zehn Jahre später die absolute Flaute. Sinatras Platten blieben bleischwer in den Läden liegen, in Hollywood handelte man ihn als «Kassengift». Seine Karriere schien vorbei. Tatsächlich soll Sinatra in den «dark ages», wie er die Zeit rückblickend nannte, an Selbstmord gedacht haben. Sein legendäres Comeback mit dem Oscar für seine Rolle als Gefreiter Di Maggio in «From here to eternity» soll Sinatra zu weiten Teilen tat- und schlagkräftiger Unterstützung der Mafia zu verdanken haben.

Sinatra und ein paar sehr prominente Mafiosi 1976
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Ein Vorwurf, den er natürlich stets von sich wies um dennoch seine Freundschaft mit einigen überaus prominenten Mafiosi zu betonen. Egal, was nun am Mafia-Mitwirken bei der Besetzungsliste von «From here to eternity» und dem anschließenden Neustart der Sinatra-Karriere mithilfe des organisierten Verbrechens dran gewesen sein mag, für die Fans steht fest - Mafia hin oder her, Sinatra ist und bleibt ein Superstar.

Der «Sinatra-Touch»

Das besondere an den häufig schon zahlreich zuvor eingespielten Songs und dem besonderen Sinatra-Touch ist, dass er in den Songs jedem erdenklichen Aspekt romantischer Verstrickungen nachgegangen ist. Von leichter, unbefangener Liebe über leidenschaftlichen Machismo bis hin zu unerwiderter Liebe. Sinatra lebte seine Songs.

Dem Casino-Besitzer und langjärigen Freund Steve Wynn offenbarte Sinatra einmal: «Das erste Mal, wenn ich eine Plattenaufnahme mache, schaue ich mir nur den Text an – ohne Noten. Es ist für mich ein Gedicht. Ich lese es mir laut vor, entwickele meinen eigenen Rhythmus und versuche, die Gefühle der Worte zu erfassen. Erst später dann kommt die Musik, das Orchester, das Arrangement dazu.»

Bis ins Alter stand Sinatra auf den Bühnen der Welt
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Die «Sinatra-Methode» ist legendär und auf zahlreichen Linernotes von Sinatra-Produktionen oft erwähnt. Diese Methode führte gleichzeitig dazu, dass Sinatra enorm effizient war. Viele seiner Top-Produktionen wurden innerhalb weniger Tage aufgenommen. Sinatra war zum einen so perfekt, dass er die meisten «takes» nur einmal machte, zum anderen war er aber auch so ungeduldig, dass er keine Lust hatte, wochenlang in Studios zu produzieren. Von daher kombinierte er Perfektion mit Ungeduld. «My way» nahm er in einem Zuge auf. Bei heutigen Produktionen absolut undenkbar.

Die Stil-Ikone Sinatra

Stil und Image bildend sind die 1950er und 1960er Jahre mit Capitol und Reprise Records. Viele der am meisten geschätzten Aufnahmen von Sinatra stammen aus jener Zeit, in der er auch dank der brillanten Arrangements von Nelson Riddle und Gordon Jenkins eine uneinnehmbare Macht war. Es entstanden die Spitznamen «The Chairman of the Board» und «The Voice». Seine Freundschaft mit Dean Martin, Sammy Davis Jr, Peter Lawford und spatter auch mit Shirley MacLaine und Liza Minnelli machten Sinatra zum unbestrittenen König von Las Vegas und der US-Musikindustrie überhaupt.

Sinatra und seine Freunde, das Rat Pack, machten Las Vegas unsicher
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Allein in den USA gab es für Sinatra 26 Goldene Schallplatten, eine Goldsingle, acht Platinalben (drei davon wurden mehrfach platinveredelt) sowie zwei Gold- und Platin-Videos. Er gewann drei Oscars, neun Grammy Awards, und 1994 den Lifetime Achievement Grammy. Gut möglich dass er, zehn Jahre nach seinem Tod, nun noch einmal posthum mit einem weiteren Schallplattenpreis geehrt werden wird.

Neuer Sinatra Sampler

Anfang Mai ist das Album «Nothing but the best» erschienen. Bei 1300 Songs eine Auswahl von 22 zu treffen, ist keine beneidenswerte Aufgabe. Insofern ist das Album für eingefleischte Sinatra-Fans kein Muss. Die Songs, mit Ausnahme von «Nothing but the best» und einer bislang unveröffentlichten Version von «Body and Soul» spiegeln eine durchaus respektable Bandbreite des Sinatra-Oeuvres wider.

Neue CD - zehn Jahre nach Sinatras Tod
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Warum allerdings «Drinking again» und «All my tomorrows» den Weg auf den Sampler gefunden haben, bleibt unklar. «Drinking again» ist ein schöner, entspannter Song, vor allem mit dem völlig relaxten Arrangement von Claus Ogermann, ist jedoch kein Muss auf einer Best-of-CD. Egal, erfreulich bleibt in diesen digitalen Tagen natürlich, dass so manches Sinatra-Konzert der unbekannten Vergangenheit entrissen wird und als DVD wieder zu Ehren kommt.

Auf «Nothing but the best» findet sich ein ganz wunderbares Schmankerl dieser Art, nämlich das Royal Festival Hall Konzert Sinatras von 1971 mit einer bezaubernden Anmoderation durch Fürstin Grazia Patrizia, Sinatras ehemaliger Schauspieler-Kollegin Grace Kelly. Das Konzert zeigt einen Sinatra in souveräner Bestform, ohne große Show, ohne großes Ambiente. Diese Kargheit im Vergleich mit Millionen teuren Shows heutzutage besticht. Es mussten eben keine Laser-Effekte, keine «sexy girls» sein, um die Massen zu begeistern, es reichte «the man himself».

Verehrung bis heute


Zu Ehren von Frank Sinatra leuchtete das Empire State Building ganz in blau
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Nach Sinatras Tod vor zehn Jahren wurden in Las Vegas und New York die Lichter an drei Tagen hintereinander an ausgewählten Gebäuden für jeweils eine Minute ausgeschaltet und das New Yorker Empire State Building strahlte drei Tage lang in blau als Erinnerung an Sinatras beliebten Spitznamen «Ol' Blue Eyes». Auch in diesem Jahr wird die Song-Legende geehrt werden, mit einer Briefmarke der US-Post und noch einmal blauen Scheinwerfern auf dem Empire State Building. Trotz Beatles, Rolling Stones und Michael Jackson - Sinatra war der unbestrittene Top-Entertainer des 20. Jahrhunderts.

Er dürfte auch noch weit ins 21. Jahrhundert wirken, oder wie es der Historiker Douglas Brinkley jüngst sagte: «Wenn du in einem Steakhaus sitzt und im Hintergrund spielen sie einen Sinatra-Song, dann ist er plötzlich wieder ganz nah bei Dir.» Es wird wohl noch lange Steakhäuser geben.

Frank Sinatra - «One for my baby»:

 
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