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Jazzsängerinnen aus Schweden: 

Kein Ikea für die Ohren

13. Mai 2008 11:28
Schöne Stimme aus Schweden: Frederika Stahl
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Sie sind nicht immer alle blond – aber schwedische Jazz-Sängerinnen sind mächtig angesagt. Jens Teschke hat besonderen Gefallen an Fredrika Stahl gefunden, aber auch andere gehört. Mit Video

Schwedische Namen klingen ja immer ein bisschen nach Regalsystemen oder Rattan-Sitzmöbeln. Doch Rigmor Gustafsson, Victoria Tolstoy Ida Sand, Lovisa, Frederika Stahl haben nicht nur klingende Namen, sondern diese Frauen sind auch stimmlich überaus reizvoll. In den letzten Jahren haben sie die deutsche Jazz-Szene erobert oder schicken sich gerade an, auch hierzulande populär zu werden.

Auch blond, auch Sängerin, auch Schwedin: Viktoria Tolstoy
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Gustafsson erhielt schon vor fünf Jahren den German Jazz Award. Victoria Tolstoy, Ur-Urenkelin des Schriftstellers Leo Tolstoi, wurde mit ihrem melodiösen Pop-Jazz in Schweden zu einem Star und tritt auch gerne in Deutschland auf. Die «taz» schwärmte von ihrem «glasklaren Gesang, der einfach wunderschön ist» und das «Hamburger Abendblatt» von ihrer «unprätentiösen natürlichen Stimme mit einem leicht rauchigen Timbre». Und Ida Sand vergleicht der allgegenwärtige und musik-mächtige Nils Landgren mit einer «kostbaren Perle in einer Muschel.» Nun bekommen die ausgezeichneten und gerühmten Sängerinnen weitere Konkurrenz: Fredrika Stahl.

Talentierte Song- und Textwriterin

Gerade mal 23 Jahre ist die jetzt in Paris lebende Schwedin alt und hat doch schon seit ihrem Debüt-Album «A Fraction of You» 2006 einige Erfolge feiern können, Auftritte beim Jazzfest im südfranzösischen Juan-Les-Pins etwa. Ihr zweites Album «Tributaries» ist ein frisches Album irgendwo zwischen Jazz, Chanson und Pop. Bemerkenswert ist, dass Stahl mit Ausnahme von «Monumental Mismatch» zehn Songs selbst geschrieben und getextet hat. Dabei zeigt sie überaus großes Talent, denn ihre Songs sind kein musikalischer Mainstream.

Schwedin mit Wahlheimat Paris
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Ironisch spielt sie in «Pourquois pas moi?» mit den traditionellen Musette-Waltzerrythmen und versucht sich in «Irreplaceable» an einem funkigen Stück. Eine nette Geschichte von der Barbedienung, die sich in einen männlichen Kunden verliebt, erzählt sie in «Stuck on a stranger», mit harmonischen Anleihen bei Billy Joel. Auch «The Damage is done» ist textlich sentimental, erzählt von einer enttäuschten Liebe – kein neuer Topos, aber von der Melodie hübsch unterstützt.

Erinnerungen an Astrud Gilberto

«Tributaries» überzeugt durch die große musikalische Bandbreite. Das Album überrascht mit jedem Song. «Oh Sunny Sunny Day» ist da ein flotter Ragtime- Swing, mit Stahls Stimme im Nostalgie-Sound. Stimmlich ist Stahl klar und jung – ohne den Versuch besonders bluesig oder lasziv klingen zu wollen. Bisweilen allerdings ist die Stimme doch ein wenig sehr hoch und dann wird’s schon auch ein wenig dünn.

Ziemlich hoch und bisweilen recht sphärisch klingt auch Lovisa. Das Erstlingswerk der Stockholmerin wurde ebenfalls von Nils Landgren stark promotet. Zum Repertoire gehören Jazzstandards wie «I fall in love too easily» und Klassiker des modernen amerikanischen Songwriting wie Burt Bacharachs «The Look of Love». Stimmlich und atmosphärisch geht Lovisa dabei eher in Richtung Astrud Gilberto.

Auch das hat seinen Charme, ist aber musikalisch insgesamt weniger abwechslungsreich als Frederika Stahl. Dennoch: Auch dieses Album zeigt klar, dass Schwedens Jazzszene und Sängerinnen stark sind und die weltweiten Festivalbühnen sich aus einem großen Talent-Fundus bedienen können. Die Mitwirkung von erfahrenen Jazzern wie Bengt Lindkvist oder Jan Allan bei Lovisas Debüt macht zudem deutlich, dass die Arrivierten die unbekannten Schätze gerne unterstützen und begleiten und dazu beitragen wollen, dass Schweden mit mehr als nur mit Einheitsmöbeln assoziiert wird.

Fredrika Stahl auf YouTube

 
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