Film der Woche: 

netzeitung.deEin «sympathisches Arschloch» rettet die Welt

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Robert Downey Jr. wird zum 'Iron Man' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Robert Downey Jr. wird zum 'Iron Man'
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Jon Favreau wagt sich an die aus dem Jahr 1963 stammende Marvel Comics-Figur des «Iron Man». Der Regisseur lässt es angemessen krachen, ohne bloße Effektgewitter zu entfachen, meint Sascha Rettig . Und auch sonst ist alles anders als bei Spider-Man & Co.

Um die 5000 Figuren umfasst das Universum des legendären Marvel-Comic-Verlags. Doch selbst in diesem eindrucksvollen Heer von Charakteren nimmt Iron Man noch in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein. Anders als die anderen, oft bei Unfällen mutierten Superhelden wie Spider-Man oder der giftgrüne Koloss Hulk hat Tony Stark keine eigenen Superkräfte, sondern wird nur durch die von ihm entwickelte High-Tech-Rüstung zum eisernen Kämpfer für das Gute.

Doch nicht nur das. Auch die charakterlichen Schwächen sind bei ihm deutlich ausgeprägter als bei den anderen superheroischen Kollegen. Der Ingenieur Stark ist schließlich kein Teenie mit Pubertäts-, Pickel- und Mädchenproblemen, sondern ein zynisches Genie, ein unverschämt reicher Trinker, ein Playboy und Waffenhersteller.

Das ändert sich allerdings, nachdem er beim Überfall nach einer Waffenpräsentation in Afghanistan gefangen genommen wird und sich zum Kriegsgegner wandelt. Statt dort die verlangte Spezialwaffe zu entwickeln, bastelt er daher lieber heimlich an seiner schusssicheren, flugfähigen Iron-Man-Rüstung, mit der das Böse künftig bleihaltig perforiert und intensiv flambiert werden kann.
Charakterliche 180-Grad-Drehung
Bislang waren die Versuche, den «Iron Man» vom Comic auf die große Leinwand zischen zu lassen, stets gescheitert. Jetzt allerdings wurde er zum Startprojekt der blockbusterträchtigen Produktionsinitiative, bei der Marvel in den nächsten Jahren noch die Geschichten von fast einem Dutzend anderer Superhelden von «Thor» bis «Ant-Man» selber produzieren wird. Der eiserne Kerl war jedenfalls in den Händen der Schöpferfirma nun erwartungsgemäß bestens aufgehoben.

Regisseur Jon Favreau, der eigentlich überwiegend als Schauspieler («Buddy, der Weihnachtself») arbeitet, nimmt sich Zeit für Starks charakterliche 180-Grad-Drehung, den Konflikt in seinem eigenen Konzern und die schrittweise Entwicklung des Iron Man, die zur Perfektionierung des rotglänzenden Rüstungsprototypen führt. Die Action-Ausflüge, bei denen sich Iron Man unter anderem ein riskantes Luftballett mit zwei Fliegern liefert, sind angenehm zurückhaltend dosiert. Favreau lässt es angemessen krachen, ohne je ein bloßes Effektgewitter zu entfachen, wie das bei vielen Blockbusterkonkurrenten von «Transformer»-Ausmaßen mittlerweile üblich ist.

Ein mutiger Casting-Coup
Dabei ist die Besetzung mit Robert Downey Jr. in der Titelrolle ein mutiger Casting-Coup. Bis vor wenigen Jahren stand die Karriere des Schauspielers durch seine unzähligen Sucht-Eskapaden auf Kippe, fütterte er die Boulevardpresse doch immer wieder mit Alkoholabstürzen, Drogenexzessen, Knastaufenthalten und recht bizarren Rauschgeschichten. Nach ein paar mittelgroßen Parts in Filmen wie «Kiss Kiss, Bang Bang» ist die Hauptrolle in der 186-Millionen-Dollar-schweren «Iron Man»-Produktion nun der Höhepunkt seines Comebacks.

Als, wie es Regisseur Favreau vorschwebte, «sympathisches Arschloch» macht er den Film zur beschleunigten Downey-Jr.-Show: Mit köstlicher Exzentrik und Arroganz feuert er zunächst einen Oneliner nach dem anderen ab und lässt selbst nach der Wandlung zum Guten seine durchtriebene Art durchschimmern. Als Love-Interest steht ihm Gwyneth Paltrow als Assistentin und künftige Dame des Herzens dabei durchaus reizend zur Seite.

Dem Zeitgeist angepasste Widersacher
Anders als in den ersten Comics, in denen Iron Man noch ein Kalter Krieger noch in den Kampf gegen Vietkongs und andere kommunistischen Gegner zog, wurden die Widersacher im Film dem Zeitgeist angepasst. Im letzten Jahr der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush muss Stark die Welt aber nicht nur vor afghanischen Terroristen retten. Der größte Feind ist mit Starks Geschäftspartner (der beängstigende wie grandiose Jeff Bridges mit talibanigem Vollbart) ein rücksichtsloser Bushist und einer der profitierenden Köpfe der amerikanischen Kriegsmaschinerie.

Wahrscheinlich kommt diese «Iron Man»-Adaption den Wunschvorstellungen vieler Fans sehr nah. Und sollten die künftigen, selbstproduzierten Verfilmungen von «Hulk» über «Captain America» bis zum «Ant-Man» ähnlich gelingen, stehen wohl noch goldenere und einspiellukrativere Marvel-Zeiten bevor, als es sie mit «Batman», «Spider-Man» und Co. vorher schon gab.

«Iron Man» - Der Trailer: