Heinz (Maxim Mehmet) muss die Feste feiern, wie sie fallen
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Mit der Verfilmung von «Fleisch ist mein Gemüse» lässt Autor Heinz Strunk seine tragik-komische Jugend jetzt auch im Kino Revue passieren. Selten wurde Vorstadt-Tristesse besser dargestellt, findet Julia Wilczok.
Das Beste an der Jugend ist, sie überlebt zu haben, könnte man meinen, wenn man Heinz Strunks Buch «Fleisch ist mein Gemüse» samt dem Untertitel «Eine Landjugend mit Musik» gelesen hat. Darin schildert der Hamburger Bestseller-Autor seinen Werdegang vom unglücklichen Vorstadt-Twen zum Musiker. Der junge Heinz hat es nicht leicht: Das Gesicht von beulenpestartiger Akne übersäht, stehen seine Chancen bei den Frauen gleich Null. Zu allem Überfluss lebt er immer noch mit seiner psychisch kranken Mutter in einem Reihenhaus südlich der Elbe in Harburg, was nicht gerade der angesagteste Stadtteil von Hamburg ist.
Doch Heinz kann ausgezeichnet Saxophon spielen und Songs komponieren. So lange die eigene Musik noch nicht reif für die Öffentlichkeit ist, tritt er mit der abgehalfterten Tanzkapelle «Tiffanys» auf. Unter dem Motto «Swing time is good time, good time is better time» verdienen die Bandmitglieder sich mehr schlecht als recht mit Auftritten bei hiesigen Schützenfesten, Hochzeiten und Schwof-Abenden im Altenheim. Die erhofften Chancen bei den Frauen verbessert die Arbeit im «Showbusiness» immer noch nicht, also heißt die Devise für Heinz und seinen Freund: «Ausharren, starren und warten, bis uns eine ranlässt.»
Nach dem Tod seiner Mutter merkt Heinz, dass etwas passieren muss. Per Annonce sucht er eine Sängerin für seine Eigenkompositionen. Neben allerlei Nieten meldet sich auch die politisch engagierte Jette, die sein (Liebes-)Leben auf den Kopf stellt. Als dann auch noch einen schmieriger Plattenproduzenten vor Heinz' Haus auftaucht, scheint die große Pop-Karriere in greifbare Nähe gerückt zu sein. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Der Grat zum Klamauk ist schmal
Gurki (Schmidt, li) ist nie um einen Spruch verlegen
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Amüsant und anschaulich schildert Strunk, wie es auf solchen Dorffesten zugeht: vom Busen-grapschenden Onkel über verzweifelten Mitdreißigerinnen, die sich dem Erstbesten an den Hals werfen, bis zum Schützenkönig, der sich regelmäßig ins Koma säuft. Wer früher selbst einmal in der Provinz gelebt hat weiß, dass die dörflichen Festivitäten dort heute immer noch ähnlich ablaufen wie Mitte der achtziger Jahre.
«Besser witzig mit Siebzig als ranzig mit Zwanzig»: Zwischen Schlagersongs, Polonaise und Wumtata fallen Unmengen zotiger Phrasen. Zugegeben, der Grat zum Klamauk ist schmal. Regisseur Christian Görlitz gelingt jedoch der Wechsel zwischen Slapstick und ernsten Szenen, ohne dabei in Klischees zu versinken.
Hauptdarsteller Maxim Mehmet («Der Rote Baron», «NVA») beweist mit seinem Spiel, dass weniger mehr ist. Susanne Lothar versteht es, als geistig verwirrte Mutter zu überzeugen. Der heimliche Star des Films ist jedoch Andreas Schmidt («Die Fälscher») alias «Tiffanys»-Bandleader Gurki, der chronisch überdreht einen Kalauer nach dem anderen loslässt. Sänger und Autor Rocko Schamoni hat eine Minirolle als Schützenkönig. Arg überzeichnet wirken hingegen die Figur eines Limbo-tanzenden Schlagersängers und die des stotternden «Tiffanys»-Keyboarders.
Strunk selbst kommentiert das Filmgeschehen von Außen. Der heute 47-jährige Autor und Entertainer, der mit bürgerlichem Namen Mathias Halfpape heißt, steht übrigens zu seiner bewegten Vergangenheit: Acne Conglobata, Alkohol, Spielsucht, Depressionen - in seiner Biografie lässt er kaum etwas aus.